Chronik | Wien
02.12.2018

Monarchisten: Die Sehnsucht nach dem Kaiser

Wenn sich Anhänger der Habsburger treffen, ist Kitsch nur bedingt erlaubt. Man will in die Politik.

Monarchisten stellt man sich anders vor. Im Hinterzimmer des Café Zartl im dritten Wiener Gemeindebezirk treffen einander Mitte dieser Woche eine Buchhalterin, ein Mann aus der Telekommunikationsbranche, einer vom Bundesheer, ein paar Senioren – und tatsächlich ein Graf. Peter zu Stolberg-Stolberg ist hier allerdings die Ausnahme. „Das ist ein Problem“, gibt Nicole Fara, Obfrau der Monarchisten, zu. „Wir haben nur sehr wenige adelige Mitglieder. Die meisten heißen die Idee nicht gut, das sind alles Republikaner“. Die Enttäuschung ist ihr anzumerken.

Karl will nicht

Dabei geht es gar nicht ohne Adel. Denn die Monarchisten wünschen sich eine parlamentarische Monarchie, ähnlich wie in Großbritannien. Anstelle eines Bundespräsidenten gäbe es einen Kaiser. Und das wäre Karl Habsburg. Allerdings: Der will gar nicht. Ein Dilemma.

Etliche Anwesende tragen eine Anstecknadel mit Doppeladler, einer eine Krawatte in den Farben Schwarz und Gelb – die Farben der Habsburger. Nostalgie hat hier einen gewissen Stellenwert. Gleichzeitig halten die rund 20 Anwesenden der Generalversammlung nichts von den „verkitschten“ Sisi-Filmen. Vom Verkaufsstand in Bad Ischl, wo mit der Kaiserzeit seit jeher gutes Geld verdient wird, aber dann doch deutlich mehr. Erstmals konnten die Monarchisten dort heuer einen Verkaufsstand aufstellen. Das Geschäft mit Ansteckern, Gürtelschnallen und Krawatten war einträglich.

Endlich Großmacht

Eine solche Krawatte trägt auch Mitglied Alexander Schneider. Er ist überzeugt: „Die Wiedereinführung der Monarchie wäre ganz legal möglich. Und sie hätte viele Vorteile.“ Es wäre ein Symbol der Einheit des Staates und der Verbindung der Völker. Denn die Monarchisten denken über die österreichische Grenze hinaus. Man strebt eine Vereinigung der ehemaligen Länder der Monarchie an. „Dann gebe es so viel Potenzial. Kulturell, politisch, in der Wissenschaft und auch im Sport“, sinniert Schneider und denkt da in erster Linie an Fußball und den ewigen Lieblingsrivalen Deutschland. „Die österreichische Seele hat alte Wunden, die noch nicht geheilt sind. Würden wir Deutschland besiegen und einmal Weltmeister werden – Österreich wäre gesund.“

Was die Monarchisten, insgesamt soll es „einige hundert Mitglieder“ geben, allerdings im Hinterzimmer des Kaffeehauses beschäftigt, ist weniger global. Eine Dame beklagt, dass die Treffen immer abends unter der Woche in Wien stattfinden. „Das sind hunderte Kilometer für mich. Und dann muss ich hier auch noch Parkplatz suchen und einen Parkschein kaufen“, ärgert sie sich.

Und es gibt eine weitere unerfreuliche Nachricht: Der Mitbegründer und ehemalige Obmann hat seine Ehrenmitgliedschaft zurückgelegt. Der Grund: Der Vortrag einer angeblichen Verschwörungstheoretikerin, die auch schon Otto Habsburg verbal angegriffen haben soll. „Stimmt das?“, ist ein Herr besorgt. Jährlich organisiert er eine Habsburg-Feier samt

Requiem. „Ich hatte einst mit Otto Habsburg eine kleine Korrespondenz“, ist er stolz. Er sieht ihn seither als „väterlichen, politischen Mentor.“

 

In der aktuellen politischen Landschaft fühlen sich die Monarchisten am ehesten mit der ÖVP verbunden. „Weil sie auch konservativ ist“, erklärt Fara. Zudem habe der aktuelle Bundeskanzler Sebastian Kurz eine Maturaarbeit über die politische Landschaft während der Monarchie geschrieben.

Kontakte wurden bereits geknüpft. Ein junger Monarchist ist auch Mitglied der Jungen ÖVP. „Die wollen kooperieren“, ist man überzeugt. Eine ehemaliges Vorstandsmitglied sei außerdem bei der SPÖ. „Das ist ausbaufähig“, befindet die Runde.

Überhaupt: Bei den Jungen komme die Gruppe sehr gut an. „Man hat vielleicht die Vorstellung, Monarchisten müssen uralt sein. Das stimmt nicht. Wir hatten schon eine Anfrage eines 17-Jährigen“, sagt Fara. Und auch mit den Infotischen auf der Straße

erreiche man die junge Generation sehr gut. „Wir sind keine Ewiggestrigen“, sagt

der Bundesheer-Bedienstete. „Man muss nur die Glut weitertragen.“