Chronik | Wien
16.08.2018

EU-Kommission stellt klar: Sommerzeitumfrage kein Referendum

Enorm hohe Beteiligung an der EU-weiten Umfrage zur Zeitumstellung. Bis heute Abend 23 Uhr kann mitgestimmt werden.

Das Interesse in Europa, an der EU-weiten Umfrage zum Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit teilzunehmen, war riesig. In Österreich und 16 weiteren EU-Ländern läuft die Online-Umfrage der EU-Kommission zur Zeitumstellung heute um 23.00 Uhr aus. In elf weiteren Staaten endet die Umfragefrist - je nach Zeitzone - eine Stunde davor oder danach.Unter anderem werden die Teilnehmer gefragt, welche Erfahrungen sie mit dem Wechsel von Winter- auf Sommerzeit gemacht haben, und ob sie für eine Abschaffung der Zeitumstellung sind.

Die Befragung läuft seit Anfang Juli. Allein in den ersten drei Tagen wurden einem Kommissions-Sprecher zufolge mehr als 500.000 Online-Formulare ausgefüllt. Nach der Hälfte der Zeit waren bereits mehr als eine Million Antworten eingegangen.

Die Umfrage ist kein Referendum, sondern hat vorerst das Ziel, die Stimmungslage zu erfassen, betonte am Donnerstag auch ein Sprecher der EU-KommissionNach der Befragung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bleibt das gegenwärtige Sommerzeit-System unverändert oder die zweimalige jährliche Zeitumstellung wird für die gesamte Union abgeschafft. Auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die EU-Kommission entscheiden, ob sie einen Vorschlag zur Abschaffung vorlegt.

Über Tendenzen der Umfrage will man in der Kommission nicht spekulieren. Möglicherweise sind morgen, Freitag, Ergebnisse zu erwarten. Parallel laufende Umfragen privater Institute aber deuten auf eine Forderung nach Abschaffung der Sommerzeit hin.

Eingeführt wurde die Sommerzeit ursprünglich aus ökologischen Gründen, um Energie zu sparen, indem das Tageslicht länger genutzt wird. Doch wissenschaftliche Studien belegten, dass die Sommerzeit ihren Zweck nicht erfüllt. Für ihre Abschaffung werden vor allem medizinische Argumente wie das Vermeiden von Schlafstörungen oder Depressionen ins Feld geführt.

Das Europaparlament sowie einzelne Mitgliedstaaten hatten die Behörde zuvor beauftragt, die derzeitige Regelung zu prüfen und zu bewerten, ob sie geändert oder beibehalten werden sollte. Die Änderung müsste dann von den EU-Staaten und dem Europaparlament beschlossen werden. Würde es aber tatsächlich zur Abschaffung der Zeitumstellung kommen, würde dies noch mindestens zwei Jahre dauern, bis es zur Umsetzung käme.

Österreicher lieben die Sommerzeit

Ginge es nur nach den Österreichern, wäre alles klar: Eine breite Mehrheit (61 Prozent) will die Zeitumstellung abstellen und die die aktuelle Sommerzeitregelung beibehalten – besonders die jungen Österreicher. Nur 23 Prozent wollen unbedingt, dass auf die Umstellung verzichtet wird.

Die Sommerzeit wurde in Österreich im Jahr 1980 eingeführt. Sie hat ihren Ursprung in der Ölkrise von 1973 und sollte helfen, Energie zu sparen. Regelungen auf EU-Ebene zur Sommerzeit gibt es seit 1981. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.