© Michaela Reibenwein

Chronik Wien
02/21/2019

Den eigenen Vater erstochen: "Ich habe den Teufel getötet"

30-Jähriger leidet an paranoider Schizophrenie und wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

von Michaela Reibenwein

„Ich habe den Teufel getötet“

Der 30-jährige Ivan S. ist schwer krank. Er leidet an einer starken Form von paranoider Schizophrenie. Die führt dazu, dass er Stimmen hört und Dämonen sieht. Am 21. September des Vorjahres erkannte er im Vater den Leibhaftigen. Er versetzte ihm in der gemeinsamen Wohnung in Rudolfsheim-Fünfhaus Schläge ins Gesicht, würgte ihn und rammte ihm mehrmals ein Küchenmesser in Gesicht und Hals. „Ich habe den Teufel getötet“, erklärte er wenig später seinem Bruder am Telefon.

Dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat nicht zurechnungsfähig war, davon gehen im Landesgericht für Strafsachen in Wien Donnerstagvormittag alle aus. „Er leidet schon  die Hälfte seines Lebens an dieser Krankheit. Und sie wird auch lebenslang bleiben, sie ist nicht heilbar - aber gut therapierbar“, sagt der psychiatrische Gutachter Peter Hofmann.   

Mit 16 war die Krankheit beim Betroffenen festgestellt worden. Ausgelöst haben könnte sie starker  Cannabis-Konsum. Seither ist das Leben des jungen Mannes auf die elterliche Wohnung beschränkt. Job konnte er keinen erlernen, den Tag verbrachte er mit Computerspielen.

Menschliche Tragödie

Er hat seinen Vater geliebt. „Es ist eine  menschliche Tragödie. In der U-Haft hat er mich gefragt, warum ihn sein Vater nicht besuchen kommt, er hat den Teufel doch besiegt“, sagt sein Anwalt Alexander Philipp.„Erst mit den richtigen Medikamenten ist ihm klar geworden, dass er nicht den Teufel, sondern seinen Vater getötet hat. Die Welt ist für ihn zusammen gebrochen.“

Schon zwei Mal war der Mann in psychiatrischer Betreuung. Doch sobald er die Einrichtungen verließ, setzte er auch die Medikamente ab. „Ich habe davon Herzprobleme und Kopfschmerzen bekommen“, erklärt er.

Auch jetzt in der Justizanstalt - hier bekommt er die Medikamente täglich - will er über die Dosis verhandeln. Der Mann wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher  eingewiesen, rechtskräftig.

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