Ein zweites Wohnzimmer für Buchliebhaber in Wien

Die erste genossenschaftlich geführte Buchhandlung „BuchQuartier“ verzeichnet bereits 130 Mitglieder.
Innenraum Buchquartier Wien Penzing

Von Franziska Trautmann

Zwischen Handyshops und leer stehenden Geschäftslokalen leuchtet seit Kurzem ein neues Schaufenster in der Hütteldorfer Straße. Unterschiedlichste Bücher stehen in den hölzernen Regalen,  Ohrensessel stehen in jeder Ecke des Raums, handgeschriebene Preisschilder liegen auf den Tischen. Wer die Tür öffnet, betritt nicht nur eine Buchhandlung, sondern ein zweites Wohnzimmer für die Nachbarschaft. 

Das BuchQuartier ist die erste genossenschaftlich geführte Buchhandlung Österreichs. „Eine Buchhandlung, die uns allen gehört“, wie Geschäftsführerin Christine Gasser-Schuchter sagt. Im Mai 2025 wurde die Genossenschaft BuchQuartier eG von sechs Frauen gegründet. Laut Gasser-Schuchter ist die Idee dazu  im Freundeskreis entstanden: „Wir haben die Idee gemeinsam in den letzten eineinhalb Jahren  umgesetzt.“ 

Ort zum Zusammenkommen

Den Anstoß dafür gab es schon länger: „Wir haben im Bezirk keine Buchhandlung gehabt, bis auf eine, die sehr weit draußen liegt.“ Und den Gründerinnen fehlte ein Ort zum Zusammenkommen. „ Es kann nicht jeder sein Wohnzimmer öffnen. Hier können sich die Menschen aus dem Bezirk treffen“, sagt Gasser-Schuchter. 

Gründerinnen Buchquartier

Nadja Sattmann, Christine Gasser-Schuchter und Astrid Felderer (v.l.n.r.) sind Gründerinnen des BuchQuartiers.

Im September 2024 fand das erste offizielle Treffen der Gründungsmitglieder statt. Von da an nahm das Projekt an Fahrt auf. Die größte Herausforderung war, geeignete Räumlichkeiten zu finden. „Es stehen einige Lokale leer, aber viele wollen nicht vermieten“, sagt Gründerin Nadja Sattmann. Fündig wurde man in einem Wiener-Wohnen-Lokal im Gemeindebau Somogyihof. „Wir wohnen alle im Bezirk und haben das schon im Vorbeifahren entdeckt“, sagt Sattmann. 

20.000 Euro durch Crowdfunding

Um die Buchhandlung auf die Beine stellen zu können, hat die Genossenschaft über die Plattform imGrätzl.at ein Crowdfunding gestartet. Rund 200 Unterstützer steuerten mehr als 20.000 Euro bei. Als Dank gab es Büchergutscheine, Taschen oder ein Bücherabo.

Jetzt wird das BuchQuartier über den Umsatz und den Mitgliedsbeitrag finanziert. Für eine Mitgliedschaft zahlt man einmal 250 Euro. „Die Mitglieder können  mitgestalten und sind Teil der Genossenschaft“, erklärt Gründungsmitglied Astrid Felderer.

Inhaltlich setzt das BuchQuartier auf Nähe. „Wir sind ständig im Gespräch mit unseren Kunden“, sagt Felderer. „Ketten haben oft fixe Konzepte, wir können flexibel sein.“ Jeder kann ein Buch Vorort kaufen und auch kostenlos bestellen. Geöffnet ist das Geschäft tagsüber von Dienstag bis Samstag. Neben dem Buchhandel sind Lesungen und Kooperationen mit Schulen, Kindergärten und sozialen Initiativen geplant. 

Offizielle Eröffnung am 21. Februar

Nach einem Soft-Opening letzten Dezember folgt nun am Samstag, den 21. Februar die offizielle Eröffnung. „Damals war noch nicht alles fertig“, sagt Felderer. Bis zum Stichtag sollen noch das angrenzende Café und ein Jugendraum fertiggestellt werden. Von 10 bis 20 Uhr ist Open House mit unterschiedlichen Programmpunkten. 

Aber das nächste Ziel hat sich die Genossenschaft schon gesetzt: 200 Mitglieder.  Wichtiger ist den Gründerinnen aber etwas anderes. „Wir hoffen, dass es ein selbstverständlicher Treffpunkt im Grätzl wird“, sagt Gasser-Schuchter. 

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