Chronik | Wien
05/13/2019

Brand in Simmering: Soforthilfe für Bewohner zugesagt

370 Personen können nach dem Feuer nicht zurück in ihre Wohnungen. Die Caritas hilft mit 10.000 Euro aus dem Katastrophenfonds.

Ein Raum war zu wenig für die Sachspenden, die für die Brandopfer im Simmeringer Amtshaus zur Verfügung gestellt worden waren. Der Sitzungssaal war binnen eines Tages voll gewesen. Ein weiterer musste freigeräumt werden. Kleidung, Toilettenartikel, Katzenfutter und Spielzeug wurden vom Verein „Leiwandes Simmering“ (VLS) in Zusammenarbeit mit der Caritas geschlichtet. 

Der Ansturm ist groß, denn rund 370 Bewohner mussten ihre Wohnungen am Samstag fluchtartig und ohne Besitz verlassen. Die Caritas stellte finanzielle Hilfe in der Höhe von 10.000 Euro in Aussicht. „Wir bekamen sogar Spendenangebote aus Niederösterreich“, sagt Anita Müller vom VLS. Der Verein organisierte eine WhatsApp-Gruppe und eine Facebookseite für die Bewohner, in denen sie über Spendenangebote informiert werden.

Katharina Petos, die zu den Brandopfern gehört, ist mit ihrem Sohn gekommen, um eine Schultasche zu holen. „Es ist für mich nicht leicht, Spenden anzunehmen, aber ich bin gerührt und dankbar“, sagt sie. Bis Freitag läuft die Aktion noch, dann übernimmt die Caritas. Ab Dienstag werden vor allem Schulsachen benötigt.

Notquartier

Müller hilft, wo es geht: „Viele haben keine Handys, die lassen wir telefonieren. Eine Frau ließ ihre E-Card zurück und hat in wenigen Tagen eine Operation, da müssen wir helfen“. Die ersten Nächte kamen die meisten Mieter und Eigentümer bei Verwandten, Bekannten oder in Hotels unter. Am Sonntag öffnete die Stadt in der Triester Straße ein Notquartier.  Die Brandopfer erhalten dort Nahrungsmittel, Medikamente und psychologische Betreuung.

Juhaver Mirzai und Golab Anbuhi sind dort untergekommen. Sie lebten im Dachgeschoß, in einer Wohnung, die komplett neu gebaut werden muss. „Wir haben nichts, aber die Menschen sind so nett zu uns“, bedankt sich die Frau bei den Spendern. Sie weint, als sie erzählt, wie sie ihren Söhnen im Iran Fotos vom brennenden Haus schickte.

Feuerwehr und Baufirmen sind immer noch mit der Sicherung des Daches beschäftigt. Am Sonntagabend konnten erste Bewohner der Stiege 2 wichtige Gegenstände aus ihren Wohnungen holen. Am Montagabend folgten vier weitere Stiegen.

Sollten die Arbeiten planmäßig voranschreiten, kann am Dienstagvormittag die Simmeringer Hauptstraße für den Verkehr freigegeben werden und Ende der Woche eine Stiege bewohnbar gemacht werden, heißt es seitens der Gruppe für Sofortmaßnahmen der Stadt. Die Bewohner der Dachgeschoßwohnungen bekämen von Wiener Wohnen demnächst Ersatzwohnungen, das Notquartier bleibt für unbestimmte Zeit geöffnet. 

Essen in der Moschee

Ein Hilfsangebot kommt auch von der Türkisch-Islamischen Union ATIB, die Opfer des Brandes zum kostenlosen Abendessen in die Vereinszentrale einlädt. Zwischen 20 und 21 Uhr seien Hilfesuchende in der Gudrunstraße 189 willkommen, bestätigt Sprecher Yasar Ersoy.

Wer für die Schäden  und  Ersatzwohnungen aufkommt, ist indes noch nicht geklärt. „Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Versicherungen“, sagt Karl Wiesflecker, Geschäftsführer der Hausverwaltung. Man kümmere sich jetzt primär um Sozialfälle, die keine Haushaltsversicherung haben. „Das ist ein Super-GAU, den wir in Wien so nicht oft haben.“