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Chronik Wien
01/16/2019

Bluttat am Hauptbahnhof: "Wollte andere Schwester töten"

Mittwochabend wurde der 21-jähige Eyob E. von der Polizei einvernommen

von Daniel Melcher, Birgit Seiser, Michaela Reibenwein

Probleme mit Drogen, Probleme in der Familie und eine angebliche Verurteilung in Spanien wegen gewalttätigen Übergriffen – einen Tag nach der tödlichen Messerattacke am Wiener Hauptbahnhof kommen immer mehr Details zum Verdächtigen Eyob E. ans Licht.

Der junge Mann mit äthiopischen Wurzeln soll seine Schwester mit einem Küchenmesser getötet haben. Sie war die leibliche Verwandte von Eyob E. Die Geschwister waren von einer spanischen Familie adoptiert worden. Die Eltern haben auch drei leibliche Kinder.

Laut Aussagen von Freunden des 21-Jährigen gegenüber der spanischen Zeitung EL ESPAÑOL, soll Eyob unter psychischen Problemen gelitten haben. Auch in der Familie sei es immer wieder zu Streit gekommen. Der Spanier sei sogar wegen Gewalttaten verurteilt worden und musste danach in ein Zentrum für schwierige Jugendliche. Als er seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckte, soll sich das Leben von Eyob E. aber grundlegend verändert haben.

Mit 18 versuchte der Spanier sein Glück in Deutschland, arbeitete danach in der Schweiz in einem luxuriösen Restaurant. Zuletzt bereitete der 21-Jährige in Vorarlberg in einem Wellneshotel Gerichte zu. Seit kurzem soll er sich um einen Job in Wien bemüht haben. Die drei Tage vor der Bluttat übernachtete Eyob E. in einem Notquartier in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Derzeit wird der junge Mann von der Journalanwältin Vera Weld vertreten. Laut Polizei war er in Wien zuvor noch nicht auffällig geworden.

Zu der Tat am Dienstag könnten unglückliche Umstände  geführt haben. Kurz vor der Messerattacke soll Eyob E. in einem Fastfood-Lokal von einem Mann wegen seiner Hautfarbe rassistisch beschimpft worden sein.

In der Einvernahme Mittwochabend gab der junge Mann an, sich mit seinen Schwestern (eine leibliche und eine Adoptivschwester  waren aus London beziehungsweise Spanien angereist) via Whatsapp am Hauptbahnhof verabredet zu haben.

Neun Messerstiche

Beim Treffen in der Nacht auf Dienstag sei es zum Streit gekommen. Seine Adoptivschwester habe ihm von sexuellem Missbrauch in der Familie erzählt, daraufhin sei der Koch so wütend geworden, dass er ein Küchenmesser aus seinem Rucksack holte, dann allerdings die falsche Schwester angegriffen haben soll. „Ich wollte eigentlich meine andere Schwester töten. Aber ich tötete die Schwester, die ich liebte“, sagte er zu den Ermittlern.

Neun Mal soll er auf die 25-Jährige eingestochen haben. In den Vernehmungen konnte sich der Beschuldigte nur an fünf Messerstiche erinnern. Außerdem gab er an, Stimmen und Dämonen zu hören. Auch seine Schwester sei eine „Dämonin“ gewesen.

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