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Chronik Wien
07/31/2019

Bankberater genierte sich für Finanzkrise und soll Geld verschoben haben

Prozess: Elf betagte Kunden als Opfer. Der Schaden beläuft sich laut Anklage auf 1,8 Millionen Euro.

von Michaela Reibenwein

Der 53-Jährige war ein beliebter Bankberater. Er pflegte enge Beziehungen zu seinen Kunden, machte Hausbesuche, wurde von einer Dame sogar ins Testament geschrieben. „Er wollte als besonders versierter und erfolgreicher Kundenberater dastehen“, erklärt sein Anwalt Herbert Eichenseder am Dienstag im Landesgericht Wien.

Die Finanzkrise 2008 allerdings war eine persönliche Tragödie für den Wiener. Seine Kunden verloren sehr viel Geld. „In einem Fall waren da nur mehr 800.000 Euro statt drei Millionen am Konto“, sagt Eichenseder. Das war dem Bank-Mitarbeiter mehr als unangenehm. Er traute sich nicht, seine Kunden darüber zu informieren. Und so soll er begonnen haben, Geld von anderen Kundenkonten hin und her zu verschieben – und die Verluste zu verschleiern. Zudem gewährte er Kunden laut Staatsanwalt übermäßig hohe Zinsen. Zu beiden Vorwürfen ist der Mann geständig.

Geld im Schrank

Allerdings bestreitet er, auch für sich selbst Geld von Kundenkonten behoben zu haben. Er habe etwa für eine Kundin 200.000 Euro in bar behoben und ihr daheim in den Schrank gelegt, sagt er. Einen Zweitschlüssel hatte der Mann tatsächlich. Die 81-Jährige allerdings erklärt, nie so viel Geld erhalten zu haben. „Dafür hätte ich gar keinen Bedarf gehabt.“ Auffällig ist, dass der Mann genau zu dem Zeitpunkt eine Wohnung erstand.

Der Gesamtschaden beträgt laut Anklage 1,8 Millionen Euro. Insgesamt elf (betagte) Kunden sollen geschädigt worden sein. Einen großen Teil des Schadens hat der Angeklagte schon wieder gut gemacht. Er hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe einen neuen Job angetreten: Er ist jetzt Seniorenbetreuer.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.