Symbolbild

© Alexander Rabl

Chronik | Wien
05/06/2019

Ausgekocht: Wiener Traditionsgasthaus schlittert in die Pleite

Der Insolvenzantrag stammt von der Finanzprokuratur, sprich dem Finanzamt. Das Unternehmen wird laut Insolvenzverwalter fortgeführt.

„Unser Anliegen ist es, Sie, lieber Gast, mit einer liebevoll ausgewählten Symbiose aus steirischen und wienerischen Genüssen zu verwöhnen - unsere Produkte beziehen wir deshalb hauptsächlich von unseren Bauern und Lieferanten aus der Umgebung, und selbstverständlich direkt aus der Steiermark“, heißt es auf der Homepage des Restaurants „Zur Steirischen Botschaft“ im dritten Wiener Gemeindebezirk. „Täglich gibt es zwei verschiedene Menus zur Wahl – solange der Vorrat reicht. Wir bitten um Verständnis, dass beim Menü keine Änderungen möglich sind.“

Jetzt musste die neue Betreiberin, die Einzelunternehmerin Anna Elisabeth D. den Weg zum Konkursgericht antreten. Dem Vernehmen nach soll die Finanzprokuratur, die Anwaltskanzlei der Republik Österreich, den Insolvenzantrag gestellt haben. Es soll sich dabei um offene Abgabenschulden handeln. Das Konkursverfahren ist mit Stichtag 4. Mai 2019 rechtskräftig eröffnet worden. Acht Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

Alteingesessenes Wirtshaus

„Die steirische Botschaft kennt jeder, das ist ein alteingesessenes Wirtshaus“, sagt Insolvenzverwalter Kainz zum KURIER. „Es wurde erst im Vorjahr von Frau D. übernommen. Der Insolvenzantrag stammt von der Finanzprokuratur, sprich dem Finanzamt.“ Nachsatz: Die Verbindlichkeiten bei der Finanz nicht aus der aktuellen Geschäftstätigkeit in der steirischen Botschaft, sondern aus einer früheren (Gastro-)Tätigkeit der Einzelunternehmerin Anna D. Laut Insolvenzverwalter Kainz dreht es sich um rund 80.000 Euro, die die Finanz fordert. Ob die Forderungen in dieser Höhe aber auch tatsächlich berechtigt ist, sei noch unklar. "Die Finanz hat das zwar geltend gemacht, es ist aus meine Sicht nicht geklärt", sagt Kainz. "Das wird man sich anschauen müssen."

Fortbetrieb möglich

Genaue Angaben lagen laut Kainz noch nicht vor, er machte sich am Monatgnachmittag bei einem Lokalaugenschein im Betrieb einen ersten Überblick. "Das Lokal wird unter meiner Aufsicht fortgeführt und es wird den Gläubigern ein Sanierungsplan angeboten", sagt Kainz im Gespräch mit dem KURIER. "Aus heutiger Sicht ist das Unternehmen ertragsmäßig ausgeglichen bzw ertragreich. Man musssich die Ertragslage in Zukunft genau anschauen, aber die Fortführung ist unter Aufsicht gerechtfertigt." Das Lokal ist gepachtet, die Einrichtung ist ins Alter gekommen und steht im Eigentum des Verpächters. Man müsste eigentlich investieren, aber das ist in der derzeitigen Lage anscheinend nicht möglich.

Der renommierte Anwalt und Sanierungsexperte Kainz und seine Kollegin Eva Wexberg sind ausgewiesene Gastronomieexperten. Wexberg ist die Insolvenzverwalterin des Innenstadtlokals LAV am Wiener Graben. Detail am Rande: Kainz selbst gehört das Wiener Restaurant Gußhaus in der gleichnamigen Straße in Wien-Wieden, das mittlerweile neu verpachtet ist.

Schöner Gastgarten

Die steirische Botschaft in der Strohgasse 11/Ecke Rechte Bahngasse,  unterhalb der russischen Botschaft, hat einen schönen Gastgarten für bis zu 100 Personen. Es kann auch für Feiern mit bis 80 Personen gemietet werden. Am Wochenende ist das Lokal geschlossen, kann am Wochende aber ab 20 Personen gemietet werden. Das Restaurant soll eigentlich ganz gut laufen.