© APA/GEORG HOCHMUTH

Chronik Wien
02/25/2019

Graf Ali als Zeuge vor Gericht: "Habe mir Provision abgewöhnt"

Prozess in Wien: Meinl-Bank sollte 1,5 Mio. für ausgemusterte Handys zahlen, sonst würde es "desaströs" werden.

von Michaela Reibenwein

Treffpunkt: Das Cafe Europa in der Wiener Innenstadt. Erkennungszeichen: ein schwarzer Rucksack. Als sich die beiden Mitarbeiter der Meinl-Bank und die zwei Chefs einer Sicherheitsfirma endlich gegenübersaßen, ging es direkt zum Geschäft: „Wir wissen alle, warum wir hier sind“, erklärte ein Vertreter der Sicherheitsfirma. Und er stellte klar: „Es wird kein Auftraggeber genannt.“

Schließlich ging es um 77 ausrangierte Handys der Bank, die im Jahr 2017 über verschlungene Wege nicht zum Recycling, sondern in die Hände eines Unbekannten gelangten. Der witterte großes Geld mit eventuell noch vorhandenen, sensiblen Kundendaten.

Wärmste Empfehlung

Die Sache ist nun am Wiener Landesgericht gelandet, wo der Prozess am Montag fortgesetzt wurde. Vier Männer sind angeklagt – unter anderem die beiden Sicherheits-Manager. Denn, so erinnert sich die Leiterin der Verwaltung der Bank, wurde ihr damals beim Treffen mitgeteilt: „Wir haben die Technik, die Daten wieder herzustellen. Das kann nicht einmal die Polizei.“ Und es wurde auch noch ein eindeutiger Rat ausgesprochen: „Es wurde uns wärmstens empfohlen, die Geräte zurück zu kaufen. Alles andere wäre desaströs“, erinnert sich ein IT-Techniker der Bank an das Gespräch. Würde die Bank nicht bezahlen, würden die Handys an einen Prozessfinanzierer verkauft werden, kündigte man an. Kaufpreis: 1,5 Millionen Euro. „Man hätte auch fünf sagen können“, merkte ein Sicherheitsmann bei dem Gespräch an.

Das Geschäft ging nicht auf. Statt die 1,5 Millionen zu zahlen, zog es der Vorstand der Meinl-Bank vor, Anzeige zu erstatten.

Prominenter Zeuge

Und dann taucht da auch Alfons Mensdorff-Pouilly auf. Er soll Fotos der alten Meinl-Handys als Beweismittel überbracht haben. Er arbeitete damals offiziell bei der Sicherheitsfirma. „Dort war ich angemeldet. Ich brauchte das damals ja für meine Fußfessel“, gibt er freimütig als Zeuge vor Gericht zu. Aber das sei auch schon sein Beitrag gewesen. „Ich habe mir ja abgewöhnt, für Tipps eine Provision zu verlangen.“ Er kenne sich auch gar nicht bei Handys aus. „Herr Rat, ich bin alt und blöd.“

Warum die Handys überhaupt in den freien Markt gelangt sind, das kann sich nachträglich keiner so genau erklären. Für die 77 Mobiltelefone bekam die Bank 170 Euro. Dass die Handys nur für Ersatzteile genutzt werden sollten, wurde anscheinend nur mündlich ausgemacht. „Sie hätten die Handys gleich der Ö3 Wundertüte spenden können“, wundert sich auch Richter Christian Böhm.

Der Prozess wurde vertagt – dann mit einem Angeklagten weniger. Der Handykäufer wurde am Montag rechtskräftig frei gesprochen.