Russischer Politiker geht auf Conchita Wurst los

Conchita Wurst mit dunklem Haar und Bart gestikuliert vor einem grauen Hintergrund.
Der Bewerb sei eine "europaweite Schwulen-Parade", so Milonov, der einen Boykott vorschlägt.

Dass die österreichische Entsandte zum Eurovision Song Contest Gegenwind erfahren wird, war wohl auch ihr selbst klar. Eine junge Dame mit expressiver Art und Darstellungsfreude - und Vollbart - passt nicht jedem ins Konzept. Dass die Anfeindungen bis in höhere politische Sphären gehen würden, ist dann doch überraschend. Wobei, so außergewöhnlich ist dies dann doch nicht - denn die jüngsten Angriffe gegen Conchita Wurst, die im Mai für Österreich in Kopenhagen zum Gesangswettbewerb antritt, werden von einem russischen Lokalpolitiker geritten. Und der in St. Petersburg tätige Vitali Milonow steht stellvertretend für die strengen Anti-Homosexuellen-Gesetze, die in Russland jüngst verabschiedet wurden.

Milonow nannte angesichts der Teilnahme Wursts in einem Brief den Contest eine "europaweite Schwulenparade", wie der Guardian berichtet. Eine russische Partizipation würde der Tatsache widersprechen, dass sich sein Land derzeit auf einem Pfad der kulturellen und moralischen Erneuerung befinde. Per Twitter rief er zu einem Boykott der "Sodom Show" auf.

"Allein die Ausstrahlung in Russland könnte Millionen Landsleute beleidigen", ließ Milonow weiter wissen. "Die Teilnahme des offensichtlichen Transvestiten und Hermaphroditen Conchita Wurst auf derselben Bühne wie russische Sänger im Live-Fernsehen ist eine himmelschreiende Propaganda von Homosexualität und spirituellem Niedergang", so Milonow. Später relativierte er zwar seinen Boykottaufruf, doch äußerte er seine Ansicht, dass die "Missgeburt aus Österreich" ausgeschlossen werden solle.

Ein orthodoxer Priester in blauer Robe während einer Prozession.
epa03935685 The deputy of the St. Petersburg municipal Duma Vitaly Milonov takes part in religious procession in St. Petersburg, Russia, 04 November 2013. Russia marks the National Unity Day on 04 November in commemoration of expelling Polish invaders from Moscow in 1612. This day is also the feast day of Our Lady of Kazan (an icon of the Theotokos), the holy icon which is popular in Russia since the 16th century and associated sometimes with Russian nationalism. EPA/ANATOLY MALTSEV
Milonow ist kein Unbekannter in der russischen Schwulen-Hasser-Szene: Er hatte 2011 ein lokales Gesetz gegen "Homosexuellen-Propaganda" initiiert, das Vorlage für spätere landesweite Gesetze war. Kremlchef Putin hatte 2013 ein Gesetz zum Verbot solcher "Propaganda" unterzeichnet. Damit stehen positive Äußerungen über gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Gegenwart von Minderjährigen unter Strafe.

Der Song Contest ist Milonow nun schon länger ein Dorn im Auge. Er hatte etwa dafür plädiert, dass Russland seinen eigenen Gesangswettbewerb veranstalten sollte, mit "traditionellen Werten", wie der Guardian weiter berichtet. Auch ritt Milonow wiederholt Attacken gegen Frankreichs Präsident Hollande, der jüngst die Homo-Ehe legalisierte, und auch gegen Lady Gaga, als sie sich für ein Konzert in St. Petersburg ankündigte.

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