Chronik | Welt
17.05.2018

Countdown zur Hochzeit: Windsor im Ausnahmezustand

Vor der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle steht das Städtchen Windsor Kopf

Er dauert schon ein ganzes Weilchen zum Aufbrühen, so ein „Meghanharrycino“. Ethan, der Espresso-Experte von Heidi’s Café in der Altstadt von Windsor, ist trotzdem mächtig stolz darauf. Schließlich, so verrät er, gebe es eine solche Maschine nur ganze zwei Mal in England. Und die Motive, die könne man ratzfatz programmieren. Derzeit also ist es, wenig überraschend, das offizielle Hochzeitsbild von Prinz Harry und Meghan Markle, das per Kaffee-Drucker oder so ähnlich auf den Milchschaum gepinselt wird und dort zumindest bis zum ersten Schluck hält. Wer sich auf diese Eigenwilligkeit um immerhin vier Pfund 50 nicht einlassen will, ist in Windsor trotzdem mit ess- und trinkbaren royalen Souvenirs bestens bedient. Da kann man vom Törtchen im Union-Jack-Look bis zur Champagnerflasche mit dem Datum der Hochzeit alles bekommen. Ein Trafikant hat sogar irgendeine besonders dicke Zigarre, die auch das schöne Wort royal im Namen trägt, in eine extra Hochzeitsbox gepackt – und einen königlichen Preis obendrauf.

Windsor ist zwei Tage vor der Hochzeit längst im Ausnahmezustand. Auf den Straßen rund um die kleine Stadt westlich von London sind Schilder mit charmanten dunkelrosa Punkten angebracht, die einen zur royal wedding lotsen. Je näher man der Altstadt kommt, desto mehr Straßen sind abgesperrt. Schließlich soll hier am Samstag die Kutsche des Brautpaares rollen. Tatsächlich ist hier schon ein Großaufgebot an Polizisten im Einsatz, die Hauseingänge untersuchen, Kanaldeckel prüfen und versiegeln. Manche sind mit Hunden unterwegs, manche bereits mit Schusswaffen, was ja in England ganz und gar nicht alltäglich ist.

Freundlich sind sie jedenfalls alle, geben bereitwillig Auskunft über den Weg zum Schloss oder zum nächsten Klo und bitten sogar das japanische Fernsehteam, das sich gerade vor dem Schloss breitmacht, doch ein bisschen Platz zu machen. Das internationale Medienaufgebot ist jedenfalls schon jetzt beeindruckend. Auf einer Wiese vor der Stadt steht eine haushohe Eisenkons-

truktion, in der Reporterkabinen untergebracht sind. Zumindest für jene TV-Teams, die es nicht mehr geschafft haben, eines der begehrten Zimmer mit Blick auf das Schloss zu ergattern. Die werden nämlich seit Monaten gehandelt, und zwar um Preise, die über den eines Meghanharrycino weit hinausgehen.

Die einzigen, die die Altstadt wohl noch vor der Hochzeit räumen werden müssen, sind die Obdachlosen. Aber auch das, so zumindest der Plan, soll freundlich vor sich gehen. Ein eigens dafür vorgesehener Bus hat schon Stellung in der Stadt bezogen und bietet den Obdachlosen Betreuung und einen Schlafplatz an – zumindest für die Tage rund um die Hochzeit.