Serial: War Adnan Syed 16 Jahre unschuldig in Haft?

Nun gibt es eine Anhörung für Wiederaufnahme des Mordprozesses.

Als Adnan Syed im Februar 2000 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, hatte die Welt gerade den 2K-Bug überstanden, verhängte die Europäische Union Sanktionen gegen die blau-schwarze Regierung und Smartphones waren nur aus Science-Fiction-Romanen bekannt. Das Gericht von Baltimore befand den damals 18-Jährigen des Mordes an seiner damaligen Ex-Freundin Hae Min Lee schuldig. Er soll sie erwürgt und im Wald vergraben haben. 2014 wurde Syeds Antrag auf Wiederaufnahme seines Verfahrens noch abgelehnt. Jetzt hat er aufgrund einer engagierten Journalistin nach 16 Jahren doch noch die Gelegenheit seine Unschuld zu beweisen.

Schwerwiegende Verfahrensfehler

Diese zweite Chance verdankt Adnan Syed Sarah Koenig. In ihrer Podcast-Reihe „Serial“ konnte sie nachweisen, dass im Fall Hae Min Lee schwerwiegende Verfahrensfehler begangen wurden, und Syeds Anwältin Cristina Gutierrez ihn vor Gericht schlecht vertreten hatte. Außerdem tauchte während der Recherche der zehnteiligen Serie eine Zeugin wieder auf: Asia McClain behauptet seit damals, dass sie sich zum Tatzeitpunkt gemeinsam mit Syed in der lokalen Bücherei befand. Brisant daran ist: Sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch die Verteidiger wussten von ihrem möglichen Alibi für Syed. McClain war sogar zu einer Aussage bereit gewesen. Die Chance, vor Gericht zu sprechen, bekam sie jedoch nie.

Anhörung könnte Verfahren wieder aufrollen

Am Donnerstag hat die dreitägige Anhörung am Gericht in Baltimore begonnen. Das Verfahren könnte danach wieder aufgenommen werden, sollten die Richter von der neuen Beweislage überzeugt sein. Am ersten Tag war das Medieninteresse groß: Syed, mittlerweile 34 Jahre alt, wurde in Handschellen und einem blauen Overall in den Gerichtssaal geführt. Die Familie der Ermordeten war nicht anwesend. Die aus Korea stammenden Lees wollten auch nicht Teil von Sarah Koenigs Recherche sein. Am Ende des erste Anhörungstages wurde eine Stellungnahme der Familie vorgelesen: Die Lees seien überzeugt, dass der Gerechtigkeit mit der Verurteilung von Adnan Syed im Jahr 2000 Genüge getan worden sei. „Nun müssen wir den Albtraum von vor 16 Jahren wieder durchmachen.“

McClain wurde beeinflusst nicht auszusagen

Die Aussage von Asia McClain wirft derweil ein schlechtes Licht auf das Justizsystem der USA. Staatsanwalt Kevin Urick beeinflusste McClain damals, nicht auszusagen. Er sei sich sicher gewesen, dass die Anwälte von Syed Schlupflöcher im System ausnützen, um ihn als unschuldig darzustellen, sagte er damals zu ihr. Gleichzeitig gibt es Indizien dafür, dass die Aussage von McClain nicht als Alibi herangezogen werden konnte: Unterlagen von Gutierrez sei zu entnehmen, dass sich die Darstellungen von McClain und Syed nicht decken würden. Deshalb entschloss sich Gutierrez McClain nicht in den Fall einzubeziehen.

Außerdem werden mittlerweile damals als stichhaltig geltende Beweise angezweifelt. Vor allem betroffen sind die Ortungsdaten von Syeds Mobiltelefon. Justin Brown, der neue Anwalt von Syed, argumentiert, dass die Daten ein irreführender Indikator für den Aufenthaltsort des Verurteilten gewesen sein. Beweisen will Brown dies unter anderem mit einer Stellungnahme des Telefonanbieters AT&T.

Die Podcast-Reihe Serial gibt es hier nachzuhören.

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