In Richtung Fettnäpfchen: Kirchner in China (mit Premier Li Keqiang)

© APA/EPA/WU HONG / POOL

China
02/05/2015

Argentiniens Präsidentin beleidigt chinesische Gastgeber

In der Heimat stark unter Druck gekommen, macht Kirchner auch bei Geldgebern in China keine gute Figur.

Chinesen können kein R aussprechen - dieser Witz war vor 20 Jahren schon alt. Dennoch findet offenbar Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner die Ausspracheschwierigkeiten lustig: Während einer China-Reise zur Ausweitung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen beider Länder spielte Kirchner in einer Twitter-Nachricht auf die Schwierigkeiten von Chinesen an, die Buchstaben L und R richtig auszusprechen.

Die Teilnehmerzahl bei einer ihrer Veranstaltungen in Peking kommentierte sie in Anspielung auf La Campora, die Jugendorganisation ihrer Partei, mit den Worten: "Sind sie alle mit 'La Campola?' Oder interessiert sie nur der Leis (Reis) und das Eldöl (Erdöl)", scherzte die Staatschefin. Damit bezog sich Kirchner auf die Kritik ihrer Gegner daheim, zu den Veranstaltungen ihrer Partei kämen die Menschen nur, um einen Sandwich und ein Getränk umsonst zu bekommen.

Über Kirchners Äußerungen wurde in Argentinien sowie in anderen Ländern umfangreich berichtet. Auf die darauf folgende Kritik reagierte die 61-Jährige mit einer weiteren Twitter-Mitteilung: "Entschuldigung. Wisst Ihr was? Es gibt viel zu viel Verrücktheit und Absurdität, nur mit Humor kommt man da durch."

Derweil erwähnten die chinesischen Staatsmedien die sprachliche Entgleisung des Staatsgastes mit keiner Silbe. Der Kurzmitteilungsdienst Twitter ist in der Volksrepublik China seit 2009 verboten, die Chinesen nutzen daher heimische Kurzmitteilungsdienste, die der Zensur unterliegen. Dort wurden Kirchners Äußerungen allerdings kommentiert. "Wie wär's, wenn Sie zwei Sätze auf Chinesisch sagen, damit ich Ihre Aussprache hören kann", schrieb ein Nutzer an die argentinische Präsidentin gerichtet. Ein anderer Nutzer des Mikroblog-Dienstes Sina Weibo schrieb: "Erstaunlich, dass sie den Mut hat, um Investitionen zu betteln, während sie sich zugleich über die Chinesen lustig macht." Chinas Staatschef Xi Jinping hatte bei einem Argentinien-Besuch im Juli Investitionen von sieben Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro) in die argentinische Wirtschaft angekündigt. Xi will engere Beziehungen zu Südamerika knüpfen.

Fall Nisman

Kirchner ist auch in ihrer Heimat schwer unter Druck: Nach dem mysteriösen Tod des Staatsanwalts Alberto Nismans, der einen Haftbefehl gegen die Präsidentin erwog, glauben viele Argentinier nicht mehr an ihre Regierung. Der Fall wird immer noch untersucht, längerer Debatte wurde nun ein Richter für das brisante Dossier bestimmt. Die Justiz beauftragte den Holocaust-Experten Daniel Rafecas damit, den Fall zu übernehmen.

Nisman hatte im Zusammenhang mit einem Anschlag auf ein jüdisches Zentrum im Jahr 1994 schwere Vorwürfe gegen Kirchner erhoben. Der Ankläger war Ende Jänner tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Wenige Tage zuvor hatte er ein 300 Seiten starkes Dossier eingereicht, in dem er unter anderem Kirchner Behinderung der Justiz vorwarf.

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