Chronik | Welt
10.10.2018

Unwetter-Katastrophe auf Mallorca: Österreicher offenbar vermisst

Ausnahmezustand nach Sturzfluten auf Ferieninsel: neun Tote, ein Österreicher vermisst. Außenministerium schaltete sich ein.

Neun Tote, zahllose Vermisste, viele Ortschaften im Osten der Insel ohne Strom- und Wasserversorgung, und durch die Schlammlawinen derzeit kaum erreichbar.

Der Regen hatte am Montag eingesetzt, dazwischen gab es auch Hagel, doch Dienstag Abend schien es wie ein Weltuntergang. In nur zwei Stunden fielen 233 Liter Wasser pro Quadratmeter. Bäche wurden zu Sturzfluten, Autos, Bäume und Mauern wie Blätter im Herbst durchgewirbelt.

Ein Augenzeuge berichtete der Lokalzeitung Diario de Mallorca, wie er sich gerade noch durch das Fenster seines Autos retten konnte. „Ich musste 500 Meter durch die Sturzfluten schwimmen, bis ich ein Haus erreichte,“ berichtete Manuel Torrescusa. „Meine Kleider blieben an einem Metallzaun hängen, ich trug kaum noch etwas am Leib.“

Schlammlawine auf Mallorca

1/8

„Ich bin ums Überleben geschwommen“

„Ich bin ums Überleben geschwommen“, sagte ein junger Mann im spanischen Fernsehen, dem die Panik am Mittwoch noch anzusehen war.

„Man muss es erlebt haben, um zu wissen, wie schlimm es war,“ sagte die Stv. Bürgermeisterin von Sant Llorenc, Antonia Bauza. Die meisten Toten sind ältere Menschen.

Am schwersten betroffen sind die Ortschaften Sant Llorenç des Cardassar, S’Illot und Arta rund 60 km östlich von Palma. Mehrere Menschen starben durch Überschwemmungen, darunter zwei britische Urlauber. Sie seien in S'Illot gestorben, als sie im Taxi von den Fluten überrascht wurden. Der Taxifahrer werde vermisst, hieß es. Sieben Landstraßen sind unbefahrbar, einige Ortschaften ohne Strom- und Wasserversorgung und von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten.

Auch ein Österreicher soll vermisst werden. Seine Gruppe befand sich offenbar in einem Hotel und musste wegen der Wassermassen ihre Zimmer räumen und nach oben flüchten. Das Außenamt schaltete sich ein.

Viele Menschen verbrachten die Nacht auf ihren Hausdächern, berichteten Feuerwehrmänner. Dutzende Häuser mussten am Mittwoch evakuiert werden. Tennisstar Rafael Nadal twitterte: „Ein trauriger Tag“. Er stellte die Räumlichkeiten in seiner Tennis-Akademie in Manacor als Notunterkünfte zur Verfügung.

Das Unwetterrisiko bleibt weiter hoch, intensive Gewitter könnten entstehen. Auch für Ibizia und Formentera gibt es Sturmwarnungen. Die spanische Regierung schickte zur Unterstützung der Rettungsmannschaften eine Notfall-Einheit des Militärs.

Hurrikan-Warnung in den USA

An der Westküste von Florida rund um die Stadt Panama City Beach kündigte sich Hurrikan Michael mit Windgeschwindigkeiten von 195 km/h an. Zwangsevakuierungen waren angeordnet, mussten aber abgesagt werden, da es schon zu spät war. Das Tief Michael war zunächst als Tropensturm angekündigt und dann innerhalb weniger Stunden zum Hurrikan der Stufe vier von fünf auf „lebensbedrohlich“ hochgestuft worden.