Chronik | Welt
06.07.2018

Buben in Höhle: Elon Musk schickt Ingenieure nach Thailand

Nachdem ein Ex-Soldat der Navy Seals während einer Hilfsaktion ertrunken ist und der Sauerstoff für die Buben knapp wird, hilft der Tesla-Gründer.

Bei den Rettungsbemühungen in der thailändischen Höhle ist ein Taucher ums Leben gekommen. Der 37-Jährige starb aufgrund von Sauerstoffmangel, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Das ehemalige Mitglied der thailändischen Spezialeinheit Navy Seals habe Behälter mit Atemluft in der Höhle platzieren wollen und auf dem Rückweg das Bewusstsein verloren.

Gleichzeitig steigt die Sorge, dass auch die Atemluft für die der Höhle eingeschlossenen zwölf Burschen und ihren Trainer knapp werden könnte. Die Retter wollen daher Sauerstoff in die Kammer leiten, in der die Fußballmannschaft Zuflucht gefunden hat.

Musk hilft mit

Kürzlich hat sich nun Elon Musk auf Twitter in die Diskussion um mögliche Rettungsoptionen eingemischt. Der Milliardär und Tesla-Gründer kündigte auf Twitter an, dass er am Freitag ein Team von SpaceX- und Boring-Company-Ingenieuren nach Thailand schicken werde. Dieses soll vor Ort überprüfen, ob man die thailändischen Behörden bei der Bergung der in einer Höhle eingeschlossenen Schulklasse unterstützen kann. Musk bot bereits am Mittwoch öffentlich seine Hilfe an und verwies auf die Technologien seiner Boring Company. Das jüngste Start-up von Musk versucht derzeit, den Tunnelbau zu beschleunigen.

 

Die genauen Todesumstände des Tauchers waren zunächst unklar. Möglich ist, dass seine Druckflasche beschädigt war oder ihm die Atemluft ausging. "Wir sind dafür trainiert, jederzeit mit Risiken zu rechnen. Das gehört zum Job", sagte Arpakorn Yookongkaew, Kommandant der Spezialeinheit. "Wir werden uns nie zurückziehen. Wir bleiben, bis die Mission abgeschlossen ist", fügte er hinzu. Für den Gestorbenen werde es auf Anweisung des thailändischen Königs eine ehrenvolle Trauerfeier geben, erklärten die Behörden.

Sauerstoffleitung wird gebaut

Die geplante Sauerstoffleitung vom Höhleneingang bis zu der Kammer mit den Eingeschlossenen müsse rund 4,7 Kilometer lang sein, sagte der an der Rettungsaktion mitwirkende Armeegeneral Chalongchai Chaiyakam. "Unsere Hauptaufgabe heute ist es, ein Rohr in die Kammer zu legen, damit die Gruppe mehr Luft zum Atmen bekommt."

Der Sauerstoffgehalt in der Kammer liege aktuell bei rund 15 Prozent, sagte der Armeegeneral. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt in der Luft 21 Prozent. Wie lange die Fußballer und ihr Trainer noch ohne zusätzlichen Sauerstoff in der Höhle ausharren können, ließ der General offen. Auch sagte er nicht, wie lang der Bau der Leitung dauern soll.

Seit zwei Wochen eingeschlossen

Die Jugendlichen im Alter zwischen elf und 16 Jahren und ihr Trainer sitzen seit dem 23. Juni in der Höhle fest, nachdem ihnen Wassermassen den Rückweg abgeschnitten hatten. Das Team hatte die Höhle nach einem Training aufgesucht, war dabei wohl von einer Sturzflut überrascht worden - und hatte sich vor den Wassermassen immer tiefer ins Innere gerettet.

Kurz bevor britische Rettungstaucher die Gruppe am späten Montagabend (Ortszeit) mehr als drei Kilometer vom Höhleneingang entfernt entdeckt hatten, war das Wasser in der Höhle nahe der Grenze zu Myanmar wieder angestiegen. Regenfälle erschweren die Bergungsarbeiten. In der Region am 20. nördlichen Breitengrad ist zwischen Juni und Oktober Regenzeit.

Zwei Varianten

Für die Rettung der Eingeschlossenen gibt es mehrere Szenarien. Entweder sollen die Kinder in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle herausschwimmen. Oder es könnte von oben eine Öffnung in die Höhlendecke gebohrt werden, um die Eingeschlossenen herauszuheben. Behörden und Rettungskräfte favorisieren die erste Variante.

Auf die erste Variante werden die Nachwuchsfußballer mit Tauchunterricht - so gut es geht - vorbereitet. Trainiert wird vor allem das Aufsetzen der Tauchmasken und das Atmen unter Wasser. Medien diskutierten auch die Möglichkeit, die Höhle mit Hilfe von Pumpen so weit auszutrocknen, dass die Burschen sie zu Fuß verlassen könnten. Angesichts der Wassermassen erscheint diese Lösung derzeit aber unwahrscheinlich.

Optimistisch gab sich in dem Zusammenhang der Weltfußballverband FIFA. "Falls sie, wie wir alle hoffen, in den kommenden Tagen wieder bei ihren Familien sind und ihre Gesundheit eine Reise erlaubt, wäre die FIFA sehr froh, sie als Gäste beim WM-Endspiel in Moskau" begrüßen zu können, schrieb FIFA-Präsident Gianni Infantino in einem Brief an den thailändischen Verband. Dem ums Leben gekommenen Taucher drückte Infantino sein "tiefstes Mitgefühl" aus.