Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Menschen in Hotels und in der Ostermesse wurden zu Hunderten Opfer der Bombenanschläge. Davon 32 Ausländer.

Geduldig wartete der Attentäter mit seinem Teller am Frühstückbuffet, bis er an der Reihe war. Dann zündete er den Sprengstoff auf seinem Rücken. Binnen Sekunden schlug das geschäftige, fröhliche Treiben am Ostersonntag im Restaurant des Luxushotels Cinnamon Grand in Sri Lankas Hauptstadt Colombo in ein wahres Inferno um. Dies berichteten Augenzeugen gegenüber AFP.

Die Hölle brach fast zeitgleich auch an anderen Orten der Ferieninsel los: In drei christlichen Kirchen schlugen die Attentäter ebenfalls zu - ausgerechnet während der Ostermesse. Auch drei weitere Hotels wurden zum Ziel von Anschlägen. Sie hinterließen Tod, Verwüstung und Ratlosigkeit.

Hunderte Tote und Verletzte

Mehr als 200 Menschen werden im Verlauf weniger Stunden gewaltsam aus dem Leben gerissen - Gläubige im Ostergottesdienst, Urlauber, Restaurantgäste. Es herrscht Verwirrung, die Behörden sind überwältigt. 

Unter den Todesopfern sind 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten den Angaben vom Sonntag zufolge Bürger Indiens, der USA, Großbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei.

Mehr als 400 Personen wurden außerdem verletzt.

Hinweise auf Anschlag

Am Sonntagabend wurde bekannt, dass Sri Lankas Geheimdienst Hinweise auf einen möglichen Anschlag vorlagen. Das sagte Premierminister Ranil Wickremesinghe. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Er gab zudem an, alle bisher festgenommenen Tatverdächtigen stammten offenbar aus Sri Lanka. Mithilfe der internationalen Gemeinschaft solle ermittelt werden, ob diese Verbindungen ins Ausland hatten. Nach Angaben der Polizei gab es inzwischen 13 Festnahmen nach den Anschlägen auf Kirchen und Hotels.

Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Anschlag im Hotel

 "Es war 08.30 Uhr", sagt ein Mitarbeiter des Hotels Cinnamon Grand. "Es gab viel zu tun, wir hatten viele Familien da." Das Osterwochenende sei ausgebucht gewesen. Plötzlich - eine Explosion. Danach habe dann "völliges Chaos" geherrscht, sagt der Mitarbeiter. Einer der Manager, der die Gäste im Restaurant begrüßte, sei sofort tot gewesen.

Zumindest für das Hotel Cinnamon Grand scheint festzustehen, dass die Tat auf das Konto eines Selbstmordattentäters geht. Hotelmitarbeiter berichteten von dem Verdächtigen: Er habe sich am Vorabend unter dem Namen Mohamed Azzam Mohamed eingecheckt und behauptet, geschäftlich in Colombo zu tun zu haben, berichteten sie gegenüber AFP. Weder sein Name noch seine Adresse aber hätten gestimmt.

Das Fünf-Sterne-Hotel liegt ganz in der Nähe der Residenz des Regierungschefs, deshalb waren Spezialeinheiten der Polizei rasch zur Stelle. Sie sammelten die Leichenteile des Attentäters ein und brachten sie fort, während die Schwerverletzten so schnell es ging ins National Hospital von Colombo transportiert wurden.

Bomben in der Kirche

In Colombos altehrwürdiger Kirche St. Antonius dauerte es länger, bis Hilfe eintraf. Die Gläubigen feierten gerade die Ostermesse, als auch dort eine Explosion das Gebäude erschütterte. Das Grauen war noch einige Zeit später deutlich zu spüren: Ein Teil des Daches ist eingestürzt, der Boden mit Dachziegeln, gesplittertem Glas und Holzteilen übersät. Neben Blutlachen liegen Leichen, notdürftig mit Decken, Schals und Kleidung bedeckt.

Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Bei dem Anschlag in der Kirche St. Antonius starben Menschen

In St. Sebastian in Negombo, einer Kleinstadt unweit von Colombo, ist von dem Dach nur noch das Gerippe übrig. Bänke sind durcheinander gewürfelt, über einer hängt eine Leiche. Dazwischen stehen fassungslose Polizisten und Kirchenvertreter. Zwischen den Bänken klemmt kopfüber eine Christus-Statue.

Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Die Kirche in Negombo ist zerstört

Ein ähnliches Bild der Verwüstung zeigt sich auch in der Zionskirche in Batticaloa an Sri Lankas Ostküste. Allein hier wurden mindestens 25 Menschen getötet.

Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Ein Mann trauert vor dem Krankenhaus in Batticaloa

Auch in den Luxushotels Shangri-La und Kingsbury in Colombo scheint der Schaden beträchtlich zu sein, doch sind beide Gebäude abgesperrt, niemand kommt hinein. Eine halbe Stunde nach dem Cinnamon Grand traf eine Bombe Shangri-Las Restaurant Table One. Die Fenster in dem Restaurant im zweiten Stock haben kein Glas mehr, von der Decke hängen Stromkabel.

Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Das Kingsbury Hotel ist verwüstet

Weitere Explosion verhindert

Wenige Stunden nach den Anschlägen auf Hotels und Kirchen in Sri Lanka ist einem Medienbericht zufolge nahe dem größten Flughafen des Inselstaates ein weiterer Sprengsatz entdeckt worden. Dabei habe es sich um eine Rohrbombe gehandelt, sagte der Sprecher der Luftwaffe, Gihan Seneviratne, am Sonntag der Onlineausgabe der lokalen Sunday Times.

Eine Patrouille habe den Sprengsatz nahe dem Flughafen Bandaranaike gefunden, er sei von Spezialkräften in einem kontrollierten Bereich unschädlich gemacht worden.

Einig und stark bleiben

"Ich verurteile die feigen Attentate heute auf unsere Bevölkerung", schrieb Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe auf Twitter. Er rief alle Einwohner seines Landes auf, angesichts der Tragödie einig und stark zu bleiben. Er sprach bei einer Pressekonferenz am Sonntag von einem "terroristischen Vorfall" und von "extremistischen Gruppen". Zudem kündigte er eine zwölfstündige, landesweite Ausgangssperre ab 18.00 Uhr (14.30 MESZ) an.

Zehn Tage zuvor hatte Sri Lankas Polizeichef Pujuth Jayasundara vor möglichen Selbstmordanschlägen auf Kirchen und auf das indische Hochkommissariat durch die radikalislamische Gruppe NTJ gewarnt. Er berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts". Zu den aktuellen Vorfällen bekannte sich bisher aber niemand.

Anschläge in Sri Lanka: Explosion nahe Flughafen verhindert

Keine Hinweise auf betroffene Österreicher

Bisher gibt es keine Hinweise auf betroffene Österreicher. Die Lage sei aber weiter unübersichtlich, hieß es am Sonntag aus dem Außenministerium auf Anfrage der APA. Die zuständige Botschaft in Indiens Hauptstadt Neu Delhi sei mit den Behörden in Sri Lanka in Kontakt.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenministerin Karin Kneissl sowie Kanzler Sebastian Kurz verurteilten Anschläge am Sonntag. "Die Anschläge in #SriLanka, auf friedlich betende und Gottesdienst feiernde Menschen und auf Hotelgäste, sind ein schrecklicher und barbarischer Akt. Sie sind auf das Schärfste zu verurteilen", erklärte Van der Bellen auf Twitter. "Unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Familien und Freunden der Opfer", schrieb er. Auch Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) sprach auf diesem Weg den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus und zeigte sich "zutiefst betroffen über die brutalen und perfiden Terrorakte, die gerade am Ostersonntag in #SriLanka geschehen sind".

Kurz hielt fest, er sei "tief erschüttert und besorgt über hinterhältige terroristische Anschläge auf mehrere Kirchen und Hotels in #SriLanka mit stetig steigenden Opferzahlen."

Auch die britische Premierministerin Theresa May und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilten die Angriffe. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel bekundete ihre Anteilnahme. Auch Papst Franziskus hat in seiner "Urbi et orbi"-Osterbotschaft, die er vom Balkon des Petersdoms verlesen hat, neue Initiativen für den Frieden in der Welt gefordert. Zugleich drückte er seine Trauer wegen der Serie tödlicher Explosionen in Kirchen in Sri Lanka aus.

Nicht zuletzt hat auch US-Präsident Donald Trump den Menschen des Inselstaats sein Mitgefühl ausgesprochen. Er bot in einer Nachricht auf Twitter zugleich die Unterstützung der USA an. "Wir stehen bereit, um zu helfen", schrieb er.

Hohes Sicherheitsrisiko

Laut dem Außenministerium in Wien besteht nach den verheerenden Bombenanschlägen in Sri Lanka am Ostersonntag ein "hohes Sicherheitsrisiko von weiteren Anschlägen". "Bleiben Sie bis auf weiteres vor Ort und folgen Sie den Anweisungen der Sicherheitsbehörden", hieß unter den Reiseinformationen zu Sri Lanka auf der Webseite des Ministeriums.

Die Behörden von Sri Lanka haben infolge der Anschlagsserie eine Ausgangssperre verhängt. Der Flughafen von Colombo ist laut Außenministerium jedoch in Betrieb, Passagiere können diesen demnach "unter Vorweisung des Flugtickets" erreichen.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief deutsche Reisende zur Vorsicht auf und riet, "öffentliche Plätze und insbesondere die Anschlagsorte weiträumig zu meiden". Die verhängte Ausgangssperre sollte beachtet werden, da die "Lage unübersichtlich bleibt", hieß es. Weiters wurde empfohlen, lokale Medien zu verfolgen sowie engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und den "Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten".

Reisende sollten spätestens vier Stunden vor Abflug am Flughafen eintreffen. "Mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen wie Absperrungen, aber auch Einschränkungen im Flugverkehr und verstärkten Kontrollen vor dem Betreten des Flughafengebäudes und dem Abflug ist zu rechnen."

Soziale Medien sind laut dem deutschen Außenamt vorübergehend abgeschaltet worden. "Reisende sollten ihre Angehörige wissen lassen, dass sie wohlauf sind, möglichst per SMS oder konventionellem Telefonanruf." Hierbei sollte berücksichtigt werden, dass die Telefon- und Internetverbindungen derzeit überlastet sein könnten, hieß es.

Sieben Prozent Christen

Nur sieben Prozent im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind Christen. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit.

Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer.

Sri Lankas 26-jähriger Bürgerkrieg war 2009 zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatten für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee besiegte die Aufständischen schließlich mit aller Härte. Die UN wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

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