Gebrochene Schienen? Grund für Zugkatastrophe in Spanien scheint geklärt
Zwei Tage nach der verheerenden Zugkatastrophe im Süden Spaniens geht die Suche nach möglichen Opfern weiter. Am Sonntagabend waren in der andalusischen Provinz Córdoba zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert (mehr dazu hier). Die entgleisten, hinteren Waggons eines Zuges in Richtung Madrid waren in einen entgegenkommenden Zug gekracht und hatten diesen von den Gleisen einen Abhang hinuntergeschoben.
Die Behörden befürchten, dass dabei bis zu 43 Menschen ums Leben gekommen sind. Denn es lägen 43 Vermisstenanzeigen vor, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem staatlichen TV-Sender RTVE in der Nacht zu Dienstag. Bisher wurden 41 Tote aus den Trümmern geborgen. Mehr als 170 Menschen wurden verletzt. Keine von ihnen schwebt mehr in Lebensgefahr.
Unter den Opfern sollen sich keine Österreicher befinden. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin ist jedoch davon auszugehen, dass auch Deutsche zu den Betroffenen gehören. Über die genaue Anzahl gibt es jedoch noch keine verlässlichen Angaben.
Suche nach Antworten läuft
Unterdessen geht die Suche nach den Ursachen für das tödlichste Zugsunglück Spaniens seit 2013 (damals in Santiago de Compostela) weiter. Ersten, offiziell unbestätigten Informationen zufolge haben Experten, die die Ursache der Entgleisung des Hochgeschwindigkeitszuges des Betreibers Iryo untersuchen, eine gebrochene Schienenverbindung gefunden.
Techniker, die vor Ort die Schienen analysieren, stellten laut der Nachrichtenagentur Reuters Abnutzungserscheinungen an der Verbindungsstelle zwischen den Schienensegmenten fest. Dies deute darauf hin, dass der Fehler schon seit einiger Zeit bestehe, soll die anonyme Quelle der Agentur berichtet haben. Die ersten Waggons des von der spanischen Firma Iryo betriebenen Zuges fuhren noch über die Lücke in den Schienen, aber der achte und letzte Waggon entgleiste und riss den siebten und sechsten Waggon des anderen Zuges mit sich, sagte die nicht namentlich genannte Person.
„Seltsame Umstände“
Álvaro Fernandez Heredia, Präsident von Renfe, dem Betreiber des zweiten entgleisten Zuges, erklärte gegenüber einem Radiosender, es sei noch zu früh, über die Ursache zu sprechen. Der Unfall habe sich jedoch unter „seltsamen Umständen“ ereignet, fügte er hinzu. Menschliches Versagen sei aber auszuschließen.
Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente wiederum führte ins Treffen, dass die Bahnstrecke erst im Mai komplett erneuert worden sei. Er betonte, es werde mindestens Tage oder auch Wochen dauern, bis es belastbare Erkenntnisse über die Ursachen für den Unfall gebe.
Spanisches Königspaar am Unglücksort
Am Nachmittag wurde auch das spanische Königspaar am Unglücksort erwartet. König Felipe VI. und Königin Letizia waren vorzeitig aus Athen zurückgekehrt, wo sie an der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester der spanischen Altkönigin Sofía, teilgenommen hatten.
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