Zugkatastrophe in Spanien: Weitere Todesopfer befürchtet

Several killed in train derailment in Cordoba, Spain
Ein Zugsunglück mit Dutzenden Toten und mehr als 170 Verletzten erschüttert das Land. Die Such- und Bergungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Warum es zu dem Unfall kam, ist noch unklar.

Die sechsjährige R. hatte am Wochenende ein Spiel von Real Madrid in der spanischen Hauptstadt besucht. Am Sonntagabend saß sie mit ihrer Familie im Zug auf dem Heimweg nach Huelva im Süden des Landes. Angekommen sind sie dort nicht. 

Gegen 19.45 Uhr verunglückte ihr Zug nahe Adamuz in der Provinz Córdoba (Andalusien). Er kollidierte mit einem entgegenkommenden Hochgeschwindigkeitszug. Mindestens 40 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 170 wurden verletzt, viele davon schwer. R. überlebte – wie durch ein Wunder. Sie konnte sich durch ein Fenster aus einem Waggon befreien. Als Beamte der Guardia civil am Sonntagabend am Unglücksort eintrafen, irrte sie allein über die Gleise: praktisch unverletzt, nur mit ein paar Kratzern am Kopf.

Angehörige warten auf Informationen

Was zu dem Zugsunglück führte – es ist eines der schwersten in der Geschichte Spaniens –, war bis zuletzt unklar. Fest steht nur, dass die hinteren Waggons eines Hochgeschwindigkeitszugs des privaten Betreibers Iryo (unterwegs von Málaga nach Madrid) entgleist und auf das benachbarte Gleis geraten waren – nur Sekunden bevor ein Zug der Staatsbahn Renfe (unterwegs von Madrid nach Huelva) mit rund 200 Kilometern pro Stunde heranraste. 

Der Aufprall war so heftig, dass zwei Waggons von den Schienen gerissen wurden und rund vier Meter in die Tiefe stürzten. Opfer wurden teils in mehreren hundert Metern Entfernung vom Unfallort gefunden.

Ratlosigkeit über den Unfallhergang

Für Ratlosigkeit sorgt, dass sich die Katastrophe auf einem geraden, erst kürzlich renovierten Streckenabschnitt ereignete. Der entgleiste Zug, Baujahr 2022, war laut dem Unternehmen zudem erst vier Tage vor dem Unfall überprüft worden. Menschliches Versagen wird nach Angaben der Ermittler ausgeschlossen: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h pro Stunde wurde unterschritten. Die Zugführer - unter den Todesopfern ist auch der Lokführer des Renfe-Zuges - hätten keine Möglichkeit gehabt, rechtzeitig zu reagieren. Nur etwa 20 Sekunden nach dem Entgleisen der beiden Waggons sei der entgegenkommende Zug bereits in die Wagen gekracht.

Verkehrsminister Oscar Puente sprach von einem "extrem ungewöhnlichen Unfall". Eine Kommission untersucht den Fall. Bis der Unfallhergang geklärt ist, könnte es jedoch Wochen oder Monate dauern. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt wohl für längere Zeit unterbrochen.

Überlebende schilderten in spanischen Medien Schreckliches: Sie habe viele schwer verletzte Menschen gesehen, sagt Ana zu El País: „Man wusste, dass sie sterben würden, und konnte nichts tun.“ Ihre schwangere Schwester liegt auf der Intensivstation. „Es war furchtbar. Wir wurden durch die Luft geschleudert“, berichtet Passagierin Rocío der Tageszeitung.

Die Betroffenheit im Land ist groß. Premier Pedro Sánchez  ordnete eine dreitägige Staatstrauer an und reiste am Montag zum Unfallort. Seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos sagt er ab. "Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land", schrieb er auf der Plattform X. Spaniens Königspaar - Felipe VI. und Letizia - wird am Dienstag erwartet.

People affected by a deadly train derailment are transferred and treated at the Caseta Municipal in the town of Adamuz

People affected by a deadly train derailment are transferred and treated at the Caseta Municipal in the town of Adamuz

Two high-speed trains derail in Spain

SPAIN-RAILWAY-ACCIDENT-TRANSPORT

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Several killed in train derailment in Cordoba, Spain

Two high-speed trains derail in Spain

Two high-speed trains derail in Spain

Two high-speed trains derail in Spain

Two high-speed trains derail in Spain

Two high-speed trains derail in Spain

Die Such- und Bergungsarbeiten laufen indes auf Hochtouren. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigt; viele Menschen könnten in den abgestürzten Waggons gefangen sein. Der andalusische Regionalpräsident, Juanma Moreno, schloss nicht aus, dass in den "Trümmerhaufen aus Metall" weitere Leichen liegen könnten.

Angehörige von Vermissten – es befanden sich knapp 500 Menschen an Bord –  starteten Aufrufe auf Social Media und hofften bis zuletzt auf ein Lebenszeichen ihrer Liebsten. 

Die kleine R. wurde von den Rettungskräften ihren Großeltern übergeben. Von ihrer Familie – Vater, Mutter Bruder – fehlte bis zuletzt jede Spur. 

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