Das Entsetzen nach dem Unglück ist groß

© APA/AFP/Polizia di Stato/HANDOUT

Chronik Welt
05/25/2021

Seilbahnunglück: Zustand des fünfjährigen Buben verbessert sich

Der einzige Überlebende des Unglücks am Lago Maggiore hat gute Chancen, ohne Folgeschäden zu überleben. Ermittlungen und Widersprüche.

Der Gesundheitszustand des fünfjährigen Buben israelischer Herkunft, dem einzigen Überlebenden des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore am Sonntag mit 14 Todesopfern, verbessert sich. Untersuchungen ergaben, dass das Kind ohne Hirnschäden davongekommen ist. Am Dienstag soll der Bub aus dem künstlichen Koma geholt werden, so die Ärzte aus dem Turiner Krankenhaus „Regina Margherita“, wo das Kind liegt.

Eltern, Bruder und Großeltern tot

Der Fünfjährige sei zwar noch nicht außer Gefahr, die Ärzte erklärten sich jedoch zuversichtlich, berichteten italienische Medien. Beim Unglück kamen seine Eltern, die beiden Großeltern väterlicherseits und ein zweijähriger Bruder ums Leben. Die israelische Familie lebte in der lombardischen Stadt Pavia. Im Turiner Krankenhaus war am Sonntag ein weiterer neunjähriger Bub gestorben, der noch lebend aus den Trümmern der Seilbahn-Kabine geborgen worden war.


Nahe dem Ort Stresa westlich des Lago Maggiore war am Sonntag die Gondel einer Seilbahn in die Tiefe gestürzt. Ein Kabelriss und eine nicht funktionierende Notbremse sollen für die Katastrophe verantwortlich sein. Die Seilbahn riss junge Paare, Familien und Kinder in den Tod.

Video aus Überwachungskamera

Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Staatsanwaltschaft unter anderem das Video einer Überwachungskamera gesichtet habe. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, schrieb unter anderem die Zeitung "Corriere della Sera“. Die Seilbahn war zuletzt am 3. Mai gewartet worden.

Ein Zeuge berichtete, die Seilbahn sei bereits am Samstag, also einen Tag vor der Tragödie, blockiert gewesen. Techniker mussten eingreifen, nach einer halben Stunde wurde die Bahn wieder in Gang gesetzt. Außerdem soll es bereits 2015 einen Widerspruch an die Staatsanwaltschaft und an die Gemeinde Stresa gegeben haben.

Zu wenig Geld für Generalsanierung?

Damals waren Arbeiten an der Seilbahn ausgeschrieben, der Auftrag zur Generalsanierung der Seilbahn ging an die Firma Leitner. Die Mailänder Firma Alfar hatte sich auch beworben, ihr Angebot jedoch dann zurückgezogen, weil sie der Meinung war, dass die Anlage einer weitaus umfangreicheren Sanierung unterzogen werden müsse und demzufolge weitaus höhere Investitionen erfordere, als vom Ausschreiben vorgesehen. Über diesen Vorgang hat der Anwalt von Alfar den Ermittlern am Montag berichtet und auch die Unterlagen dazu übergeben.

Papst Franziskus gedenkt der Opfer

Im Vatikan gedachte man den Opfern des Unglücks. Papst Franziskus trauerte um die 14 Toten und sprach den Familien der Opfer „Nähe und herzliches Beileid“ aus. Der Papst denke mit Rührung an so viele Leben, die auf tragische Weise zerbrochen sind, hieß es in einer Nachricht an den Bischof der piemontesischen Stadt Novara, zu deren Diözese die Kleinstadt Stresa gehört. In dem Schreiben stand weiter auch, dass der Papst für den überlebenden Bub, der in einem Krankenhaus in Turin um sein Leben kämpft, betet.

 

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