Neue Videos: Das große Rätsel um den Pariser Louvre-Raub
Beinahe schien es so, als seien einige der gestohlenen Schmuckstücke aus dem Louvre wieder aufgetaucht, strahlender denn je. Eine opulente, mit Diamanten und Smaragden besetzte Perlenkrone und eine riesige Korsagen-Schleifenbrosche glitzerten an Kopf und Oberkörper der Schauspielerin Teyana Taylor.
Daniel Roseberry, der Kreativdirektor des Modehauses Schiaparelli, engagierte den US-Star vor ein paar Tagen als Model für seine Schau bei der Pariser Fashion Week – und hatte für diese Gelegenheit Juwelen der Kaiserin Eugénie nachdesignt, die vier Männer am 19. Oktober letzten Jahres aus dem größten Museum der Welt gestohlen haben. Der Schmuck sah echt aus – war es aber nicht.
Die Krone war gerettet worden, da die Diebe sie auf der Flucht verloren hatten. Doch sieben weitere Schmuckstücke, darunter das Original der Schleifenbrosche, bleiben verschwunden, Schiaparelli hin oder her.
Wie Bauarbeiter
Der Raub im Oktober war spektakulär, hatte für Schlagzeilen auf aller Welt gesorgt. Die Täter tarnten sich damals mit gelben und orangen Warnwesten als Bauarbeiter. Zwei von ihnen nutzten eine zuvor gestohlene Hebebühne, um auf einen Balkon im zweiten Stock des Louvre zu gelangen. Mit Trennschleifern zerstörten sie die Fenster, um einzusteigen, sowie im Inneren zwei Vitrinen. Dort entnahmen sie Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro. Im Anschluss flohen sie mit zwei Komplizen auf Motorrollern – seither fehlt jede Spur von dem Schmuck.
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Weniger als sieben Minuten dauerte die spektakuläre Aktion, die das Land aufwühlte. Zogen die Kronjuwelen in der Apollon-Galerie zuvor wenige Besucher an, so bestürzte ihr Verlust viele.
Nun berichteten französische Medien über neue Videobilder aus einer Tiefgarage im nördlichen Pariser Vorort Aubervilliers, die rund eine Stunde nach dem Einbruch aufgenommen worden waren. Sie zeigen die Ankunft zwei der Männer auf den Motorrollern. Sie wühlten in ihren Jackentaschen und holten schließlich aus einem Beutel ein Diadem hervor. Zu sehen sind dem Infosender BFMTV zufolge zudem kleine Objekte, möglicherweise wertvolle Steine. Das stärke die Hypothese, dass das Diadem oder andere Schmuckstücke beschädigt worden seien.
Die vier mutmaßlichen Hauptbeteiligten, die bei ihrer überstürzten Flucht mehrere DNA-Spuren hinterlassen hatten, sowie eine weitere Frau wurden in den Tagen nach dem Diebstahl festgenommen. Sie sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und leben im Norden von Paris, also nahe jenem Ort, wo die neuen Aufnahmen gemacht wurden.
Die beiden Einbrecher in die Apollon-Galerie, Aboulaye N. und Ayed G., haben ihre Beteiligung gestanden und angegeben, kurz zuvor angeheuert worden zu sein – allerdings: die Namen ihrer vermeintlichen Auftraggeber haben sie bisher nicht genannt. Ayed G. versicherte, seine Beute sei ihm noch beim Absteigen aus dem Hebelift abgenommen worden. Der 35-Jährige war am 25. Oktober am Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle verhaftet worden, kurz bevor er in ein Flugzeug nach Algerien steigen wollte.
Unter Druck
Seit dem Vorfall ist die Museumsleitung des Pariser Louvre, des wohl berühmtesten Museums der Welt. mit schweren Vorwürfen hinsichtlich der nachlässigen Sicherheitsvorkehrungen konfrontiert. Bereits 2019 wies ein Bericht auf mehrere Mängel und speziell die Gefahr eines Einbruchs in die Apollon-Galerie über den Balkon hin, passiert ist danach aber nicht viel.
Nun enthüllte die Zeitung "Le Monde" auch noch, dass auch die Pariser Polizeipräfektur nur eineinhalb Monate vor dem Diebstahl vor den bestehenden Einbruchsrisiken warnte. Die Experten kritisierten demnach die „veralteten Informatik-Einrichtungen“ – vor allem gab es zu wenige Bildschirme im Louvre, um die Aufnahmen der Überwachungskameras zu sichten.
Dadurch gingen laut den Ermittlern „wertvolle Minuten verloren“, um die kriminellen Machenschaften der Täter frühzeitig zu bemerken und diese schnell noch vor Ort festzusetzen – und mit ihnen die geraubten, millionenschweren Kronjuwelen. Auch dadurch bleibt die Hoffnung, die Juwelen vielleicht doch noch zu finden, letztlich sehr gering.
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