Zuletzt waren Menschen 1972 auf dem Mond.

┬ę APA/AFP/LAURENT EMMANUEL

Chronik Welt
11/23/2020

"Langer Marsch": China startete Mond-Mission

Erstmals seit vier Jahrzehnten soll ein Raumschiff Mondgestein zur Erde bringen.

China hat ein unbemanntes Raumschiff zum Mond geschickt. Die Rakete vom Typ "Langer Marsch 5" hob am Montagabend (MEZ) vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der s├╝dchinesischen Insel Hainan ab.

Das nach der chinesischen Mondg├Âttin "Chang'e 5" benannte Raumschiff soll voraussichtlich am Sonntag einen Lander auf den Mond bringen, der Gestein und Bohrproben einsammelt.

Bei einer erfolgreichen R├╝ckkehr w├Ąre China nach den USA und der Sowjetunion in den 60er- und 70er-Jahren erst die dritte Raumfahrtnation, der ein solches Vorhaben gelingt. Das Raumschiff soll in dem nach dem deutschen Astronomen Karl R├╝mker (1788-1862) genannten Vulkangebiet landen. Es liegt im "Ozean der St├╝rme" im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes.

Die Mission gilt als eine der kompliziertesten, die Chinas Raumfahrt jemals unternommen hat: Erstmals w├╝rde eine chinesische Aufstiegsstufe wieder vom Mond starten, Gesteinsproben mitnehmen und ein Docking-Man├Âver im Orbit des Erdtrabanten vornehmen, bevor die R├╝ckkehrkapsel zur Erde zur├╝ckfliegt.

Das 8200 Kilogramm schwere Raumschiff besteht aus vier Modulen: Dem Orbiter mit der R├╝ckkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe. Nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfl├Ąche soll das Landeger├Ąt mit einem langen Arm rund zwei Kilogramm Mondgestein und auch Proben aus Bohrungen bis zu zwei Meter Tiefe zusammentragen und in einer Kammer verstauen.

Nach dem Aufstieg und dem Docking-Man├Âver mit dem Orbiter sollen die Gesteinsproben in die Kapsel verladen werden, die dann zur Erde zur├╝ckkehrt. Das Raumschiff soll am 16. oder 17. Dezember im Siziwang Banner in der Inneren Mongolei landen. Wissenschafter warten gespannt auf die Proben, denn bisher wurde noch kein Gestein aus der j├╝ngeren Mondgeschichte zu Untersuchungen zur Erde gebracht.

Der "Ozean der St├╝rme" ist nur 1,2 Millionen Jahre alt. Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion eingesammelt hatten, ist hingegen mit 3,1 und 4,4 Millionen Jahren deutlich ├Ąlter. Die gr├Â├čte Mondebene erhielt ihren Namen von der fr├╝heren Annahme, dass ihr Erscheinen mit dem abnehmenden Halbmond st├╝rmisches Wetter bedeute.

Forscher erhoffen sich von den Proben wichtige neue Erkenntnisse ├╝ber die vulkanische Aktivit├Ąt und die Geschichte des Mondes. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte insgesamt 300 Gramm ein - zuletzt mit der unbemannten "Luna 24"-Mission 1976, als rund 170 Gramm Mondstaub zur Erde gebracht wurden.

51 Jahre nach US-Mondlandung

Der chinesische Mondflug erfolgt 51 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung der USA am 21. Juli 1969, bei der Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen die Oberfl├Ąche des Erdtrabanten betraten. Die USA haben sechs Mal Astronauten auf den Mond gebracht - zuletzt mit "Apollo 17" im Dezember 1972.

Es ist erst der zweite regul├Ąre Flug der mehr als 800 Tonnen schweren chinesischen Rakete "Langer Marsch 5", nachdem ein solcher Typ im Juli die Marssonde "Tianwen-1" auf den Weg gebracht hatte. Anfangs gab es Probleme mit dem Triebwerk der neuen Schwerlastrakete, die zu einer Verschiebung der Mondmission um drei Jahre gef├╝hrt hatten.

"Chang'e 5" soll beim Sonnenaufgang auf dem Mond landen und einen Mondtag - zwei Wochen auf der Erde - bleiben. So muss das Raumschiff nicht mit besonderen Heizger├Ąten ausgestattet sein, um die extrem kalten Temperaturen der Mondnacht aushalten. Die Komplexit├Ąt des dreiw├Âchigen Fluges gilt auch als Vorbereitung auf m├Âgliche bemannte Mondlandungen in der Zukunft.

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation. Im J├Ąnner 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit "Chang'e 4" auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfl├Ąche erforscht.

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