Chronik | Welt
03/24/2019

Schiffsdrama beendet: „Ich dachte, das wäre das Ende“

Norwegen. Das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ mit den übrigen knapp 1000 Passagieren erreichte den Hafen.

Die Ministerpräsidentin dankte den Rettungskräften, die Angehörigen atmeten auf. Das havarierte Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ erreichte am Sonntagnachmittag den Hafen von Molde.   
Den knapp 1000 Menschen, die sich noch an Bord befanden, war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, einige winkten von den Decks. In den vergangenen 24 Stunden  hätten sie  „Todesängste“ durchstehen müssen, berichten Briten und Amerikaner nach ihrer Rettung.

Urlauber Rodney Horgen berichtete,  er habe gerade im Restaurant gesessen, als das Schiff heftig zu schwanken begonnen habe. Teller seien von Tischen geflogen, Menschen zu Boden gegangen, eine Welle ins Schiffsinnere geschwappt. „Ich musste an die Titanic denken. Ich dachte, das wäre das Ende.“ Auch Janet Jacob hatte Angst: „Ich habe noch nie so etwas Beängstigendes erlebt“, sagte sie, nachdem sie in Sicherheit gebracht worden war.

 

 

Einige der Passagiere hatten Videos von der Rettungsaktion getwittert oder Fotos und Berichte an ihre Angehörigen gesendet.  Auf Videos aus dem Schiffsinneren sieht man Stühle, Tische und Dekoration durch die Räume rutschen und Teile der Decke auf Passagiere herunterfallen. Die meisten Menschen auf den Fotos trugen Rettungswesten, viele kauerten auf dem Boden, schlafen konnten die wenigsten.  Einige Urlauber lobten die Crew für ihre Hilfsbereitschaft und die Rettungskräfte für ihren Einsatz.

Die spektakuläre Hubschrauber-Rettungsaktion am Samstag  sei für die großteils älteren Menschen an Bord  „mindestens genauso beängstigend“ gewesen wie die Situation an Bord, berichten Augenzeugen.  Jeder Hubschrauber konnte etwa 15 bis 20 Passagiere befördern. Sie aber bei Wind und Wellen an Bord zu bringen, war sehr schwierig.

Schließlich wurde die Helikopter-Rettung unterbrochen und das mittlerweile wieder fahrtüchtige Schiff –  von Schleppern begleitet – in den Hafen von Molde gebracht.

Die „Viking Sky“ war am Samstagnachmittag wegen Problemen mit dem Antrieb in einem gefährlichen Abschnitt der zentralen Westküste Norwegens in Seenot geraten. Nach Reedereiangaben waren 915 Passagiere und 458 Besatzungsmitglieder an Bord des 227 Meter langen Schiffes. Die meisten Fahrgäste sind laut Behördenangaben Briten und Amerikaner. Auch zwei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit zählten zu den Passagieren.

Die „Viking Sky“ war im Küstenabschnitt Hustadvika unterwegs, einem Seegebiet, das unter anderem wegen zahlreicher kleiner Inseln und Riffe als gefährlich gilt. Dort ist es in der Vergangenheit schon häufiger zu Schiffsunfällen gekommen. Nach Angaben des norwegischen Rundfunksenders NRK war die „Viking Sky“ zeitweise nur noch 100 Meter davon entfernt, auf Grund zu laufen.

Die Gäste der 2017 in Betrieb genommenen „Viking Sky“ waren auf Kreuzfahrt entlang der norwegischen Westküste. Die nächste Kreuzfahrt-Etappe des Schiffs hätte von Mittwoch an Skandinaviens Küste entlang und durch den Nord-Ostsee-Kanal gehen sollen. Diese Tour wurde nun wegen des Vorfalls abgesagt.

Die Einsatzkräfte in dem Gebiet hatten am Samstag auch die neunköpfige Besatzung eines ebenfalls in Seenot geratenen Frachters retten müssen. Die „Hagland Captain“ hatte ebenfalls einen Maschinenschaden und bekam daraufhin Schlagseite, wie der südnorwegische Rettungsdienst mitteilte. Der Frachter war auf dem Weg zur „Viking Sky“, um zu helfen.