Weiterer tödlicher Kranunfall in Thailand: Neuer Vorfall mit 2 Toten nahe Bangkok

Drei Personen stehen vor einer eingestürzten Brückenkonstruktion aus Stahl und Beton, umgeben von Absperrband.
Der Kran stürzte auf die Straße und traf zwei Fahrzeuge. Es gab bereits 32 Zugpassagiere bei einem Unfall mit einem eingestürztem Kran am Vortag.

Zusammenfassung

  • Erneuter tödlicher Kranunfall nahe Bangkok: Zwei Tote und fünf Verletzte, nachdem ein Baukran auf eine Schnellstraße stürzte.
  • Am Vortag waren bei einem ähnlichen Vorfall mit einem Kran auf einer Bahnstrecke mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen, die Ursache wird noch ermittelt.
  • Thailands Verkehrsminister ordnete einen sofortigen Baustopp für Hochstraßen- und Hochbahnprojekte an, um Sicherheitsstandards zu überprüfen.

Nur einen Tag nach dem tödlichen Zugsunglück in Thailand durch einen herabstürzenden Baukran ist es nahe Bangkok erneut zu einem ähnlichen Unfall gekommen. Zwei Menschen kamen ums Leben und fünf weitere wurden verletzt, als ein Baukran am Morgen (Ortszeit) in Samut Sakhon plötzlich auf eine Schnellstraße stürzte. Teile des Stahlgerüsts hätten zwei Autos getroffen, zitierte die Zeitung Bangkok Post die Polizei.

Der Kran sei für den Bau einer Schnellstraßenbrücke eingesetzt worden, hieß es. Die Schnellstraße Rama 2 ist eine Hauptverkehrsader, die Bangkok mit dem Süden des Landes verbindet. Sie wird auch von Urlaubern gern genutzt, um etwa den Badeort Hua Hin zu erreichen. Was das neuerliche Unglück - das zweite in nur 24 Stunden - auslöste, ist bisher unklar.

Es war nicht der erste schwere Unfall auf der viel befahrenen Strecke, über der gerade eine Express-Hochstraße entsteht: Im März vergangenen Jahres war bereits ein im Bau befindlicher Pfeiler zusammengebrochen und auf die Straße gestürzt. Sechs Menschen - darunter vor allem Arbeiter - kamen ums Leben, viele weitere wurden verletzt.

Suche nach Vermissten abgebrochen

Erst am Mittwoch war in der Provinz Nakhon Ratchasima, etwa 230 Kilometer nordöstlich von Bangkok, ein Baukran auf einen voll besetzten Zug gestürzt, der daraufhin entgleiste und teilweise Feuer fing. Mindestens 32 Menschen kamen ums Leben, mehr als 60 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Die Suche nach drei noch vermissten Personen sei abgebrochen worden, berichteten Medien unter Berufung auf die Einsatzkräfte. Es seien lediglich Leichenfragmente geborgen worden, die zur forensischen Identifizierung eingeschickt worden seien.

Die Ermittlungen zur Unglücksursache laufen auf Hochtouren. Die Polizei sammle Beweise und habe Vertreter zweier beteiligter Baufirmen zur Vernehmung vorgeladen, betonte die Polizei. Bisher sei aber noch keine Anklage erhoben worden. Der riesige Kran war für den Bau einer Eisenbahnbrücke für die thailändisch-chinesische Hochgeschwindigkeitsstrecke (HGV) eingesetzt worden, die Thailand in Zukunft über Laos mit China verbinden soll.

Das Projekt ist Teil der riesigen chinesischen Infrastrukturinitiative "Neue Seidenstraße". Die Bergung der völlig zerstörten Waggons gestaltete sich schwierig. Die wichtige Bahnstrecke in Richtung Nordosten von Thailand ist derzeit blockiert. Zahlreiche Züge mussten umgeleitet werden.

Minister ordnet Baustopp an

Thailands Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn hat einen sofortigen Baustopp für alle Hochstraßen- und Hochbahnprojekte im Land angeordnet. Die Maßnahme gelte bis zu einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsstandards auf den Baustellen, sagte der Minister in einem Fernsehinterview. Phiphat kündigte für den Nachmittag ein Treffen mit allen beteiligten Bauunternehmen an, um über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu beraten.

Der Präsident des thailändischen Verbands der Bauingenieure, Amorn Pimanmas, verwies auf unterschiedliche Ursachen der beiden Unglücke. Beim Schnellstraßen-Projekt sei der Kran in der Mitte V-förmig gebrochen, was auf fehlerhafte Bolzen oder Mängel bei der Montage hindeute. Beim Unfall auf der Bahnbaustelle habe dagegen die Kranbasis nachgegeben. Beide Vorfälle zeigten jedoch gravierende Defizite bei den Sicherheitsstandards großer Infrastrukturprojekte, die dringend behoben werden müssten.

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