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Chronik Welt

"Jedes Vorurteil ist eine Gewalttat": Homophobie wird Straftat in Brasilien

Angriffe auf die LGBTQ-Community hatten rasant zugenommen. Solcherlei wird nun als rassistische Straftat geahndet.

06/14/2019, 11:48 AM

Das Oberste Gericht Brasiliens hat Homophobie offiziell als Verbrechen eingestuft. Acht von elf Richtern sprachen sich am Donnerstag daf├╝r aus, Anfeindungen gegen├╝ber Homo- und Transsexuellen analog zu rassistischen Verbrechen k├╝nftig als Straftat zu werten. Rassistische Straftaten k├Ânnen in Brasilien mit Haftstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen bestraft werden.

Anstieg um 30 Prozent

In Brasilien hatten Anfeindungen gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach Angaben der Organisation Grupo Gay de Bahia, die seit vier Jahrzehnten Statistiken erstellt, gab es in Brasilien allein im Jahr 2017 bei 387 T├Âtungsdelikten und 58 Suiziden einen homophoben Hintergrund. Das war ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zu 2016.

"Jedes Vorurteil ist eine Gewalttat. Jede Diskriminierung verursacht Leiden", begr├╝ndete die Richterin Carmen Luzia ihre Entscheidung. Manche Vorurteile verursachten aber mehr Leid als andere, weil Homophobie den Betroffenen auch zu Hause begegne und sie Eltern und Kinder, Geschwister und Freunde entzweie.

Homophobe ├äu├čerungen des Pr├Ąsidenten

Das brasilianische Parlament debattiert zwar schon l├Ąnger ├╝ber einen Gesetzentwurf zu Homophobie. Momentan gibt es im Parlament aber eine konservative Mehrheit und viele Abgeordnete geh├Âren evangelikalen Kirchen an, die daher gro├čen Einfluss haben. Auch Brasiliens ultrarechter Pr├Ąsident Jair Bolsonaro war in der Vergangenheit immer wieder mit schwulenfeindlichen ├äu├čerungen aufgefallen.

Weil das Parlament bisher kein Gesetz verabschiedet hat, schaltete sich nun der Oberste Gerichtshof in die Debatte ein. Die drei Richter, die gegen die Entscheidung stimmten, sind allerdings der Auffassung, dass das Gericht dazu kein Recht hat. Nur das Parlament k├Ânne ├╝ber Straftaten und Strafen entscheiden und entsprechende Gesetze erlassen, erkl├Ąrte der Richter Ricardo Lewandowski.

Auch aus dem Parlament kam Protest. Die Verfassung weise dem brasilianischen Nationalkongress die Gesetzgebungskompetenz zu, erkl├Ąrte der Senat.

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