Italienische "Waldfamilie": Mutter wird nun von Kindern getrennt
Zusammenfassung
- Italienisches Jugendgericht trennt Mutter von ihren drei Kindern, nachdem das Sorgerecht wegen Lebensbedingungen und Konflikten mit Behörden entzogen wurde.
- Die Entscheidung löste heftige Debatten und Kritik aus, unter anderem von Regierungschefin Meloni und Unterstützern der Familie.
- Auslöser des Falls war eine Pilzvergiftung der Kinder, woraufhin Behörden das alternative Leben der Familie im Wald infrage stellten.
Der Fall eines britisch-australischen Elternpaares mit drei Kindern, das bis November in einem abgelegenen Haus im Wald in der mittelitalienischen Bergregion der Abruzzen lebte, beschäftigt weiterhin die italienischen Behörden. Ein Jugendgericht in der Stadt L'Aquila, das den Eltern am 13. November das Sorgerecht entzogen hatte, beschloss am Freitag, dass die Mutter nicht mehr mit ihren Kindern in dem betreuten Wohnheim leben darf, in dem sie bisher untergebracht war.
Seit November leben die drei Kinder - ein achtjähriges Mädchen und siebenjährige Zwillinge - in einer Einrichtung in der Stadt Vasto. Die Minderjährigen sollen dort zunächst für eine Beobachtungsphase bleiben. Die Mutter, eine Australierin, wohnte bisher in derselben Einrichtung, konnte ihre Kinder jedoch nur zu bestimmten Zeiten sehen.
Probleme bei der Einhaltung interner Regeln
Nun hat das Jugendgericht von L'Aquila beschlossen, dass die Mutter aus dem betreuten Wohnheim in Vasto ausziehen muss, in dem sie bisher untergebracht war. Auch die drei Kinder sollen nach Angaben des Gerichts voneinander getrennt werden. Das Gericht begründete die Entscheidung mit Problemen bei der Einhaltung interner Regeln und organisatorischer Vorgaben der Einrichtung. Zudem habe es Spannungen zwischen Mitarbeitern des Wohnheims und der Mutter gegeben, deren Verhalten als "nicht protokollkonform" bewertet worden sei. Kritisch gesehen würden insbesondere ihre ausgeprägten umweltbezogenen Überzeugungen. Die Mutter musste das Wohnheim am Freitagabend verlassen.
Der Gerichtsbeschluss löste empörte Reaktionen aus. "Wir dachten, in einem zivilisierten Land zu leben, aber offenbar ist das nicht der Fall. Die Mutter wurde aus dem Wohnheim hinausgeworfen, trotz der herzzerreißenden Schreie der Kinder. Es war schrecklich", sagte die Anwältin Danila Solinas, die die Mutter der drei Kinder vertritt.
Italiens Regierungschefin schaltet sich ein
In den Fall schaltete sich auch die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni ein. "Kinder gehören nicht dem Staat: Kinder gehören ihren Müttern und Vätern. Ein Staat, der meint, sich an ihre Stelle setzen zu können, hat seine Grenzen vergessen", protestierte Meloni auf X.
"Als Bürger bin ich bestürzt und empört, als Fachmann bin ich fassungslos. Diese Kinder einem erneuten Trauma auszusetzen, ist skandalös, ihre Mutter zu entziehen noch skandalöser. Ich glaube, wir gehen den falschen Weg. Wir werden alles tun, um auf jeder Ebene Widerstand zu leisten", erklärte der Psychiater Tonino Cantelmi, der die sogenannte "Waldfamilie" unterstützt.
Die drei Kinder befinden sich seit dem 20. November 2025 in der geschützten Einrichtung - auf Grundlage einer Anordnung der Jugendrichter in L'Aquila. Diese verfügten auch die Aussetzung der elterlichen Sorge und ordneten ein Gutachten zur Erziehungsfähigkeit der Eltern an. Besonders in Bezug auf die Mutter und ihre Rolle äußerte das Gericht Zweifel. Das Jugendgericht bemängelte zudem die Lebensbedingungen der Kinder, die bewusst in sehr einfachen Verhältnissen in einem Steinhaus im Wald bei Palmoli aufgewachsen waren - ohne fließendes Wasser, ohne Stromanschluss und ohne regulären Schulbesuch.
Die Eltern hatten sich bewusst für ein von der Konsumgesellschaft getrenntes Leben entschieden - mit wenig Komfort und in engem Kontakt mit der Natur. Auf dem Grundstück lebten neben der Familie auch ein Pferd, ein Esel, Hunde, Katzen und Hühner.
Pilzvergiftung brachte Fall ins Rollen
Nachdem die Kinder im September 2024 mit einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, nahm das Jugendamt die Familie ins Visier. Die Kommunikation gestaltete sich offenbar schwierig, weil die Eltern laut Gericht eine Zusammenarbeit mit den Behörden verweigerten.
In ihrem Urteil vom 13. November, mit dem den Eltern das Sorgerecht entzogen wurde, bemängelten die Richter außerdem, dass das Haus im Wald unhygienisch und teilweise baufällig sei. Kritisiert wurde auch, dass die Kinder, die von ihren Eltern im Homeschooling unterrichtet wurden, kaum sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen hätten.
Die Eltern erklärten sich später bereit, in ein Haus zu ziehen, das ihnen ein Gastronom aus der Region zur Verfügung gestellt hatte. Auch beim Unterricht signalisierten sie Kompromissbereitschaft. Der Beschluss des Jugendgerichts, die Mutter nun von den Kindern zu trennen, hat jedoch zu einer neuen Zuspitzung der Situation geführt.
Kommentare