© APA/dpa/Gianni Gattus

Chronik Welt
09/03/2020

Familiendrama in Deutschland: Fünf tote Kinder in Wohnung gefunden

Ermittlerkreise gehen von einem Verbrechen aus. Die vollständigen Hintergründe sind noch unklar, die Mutter gilt als tatverdächtig.

Eine Mutter soll in Solingen fünf ihrer sechs Kinder umgebracht haben. Die 27-Jährige habe sich danach im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, sagte ein Polizeisprecher in Wuppertal am Donnerstag. Sie habe den Suizidversuch überlebt und sei verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden.

Bei den toten Kindern handele es sich um drei Mädchen im Alter von eineinhalb, zwei und drei Jahren sowie um zwei sechs und acht Jahre alte Jungen. Ein elfjähriger Sohn der Frau habe überlebt und sei bei Familienangehörigen untergebracht worden.

Der Tatort liegt im Solinger Stadtteil Hasseldelle. Die Leichen wurden in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus entdeckt. Nach dpa-Informationen hatte die Großmutter die Polizei kurz vor 14.00 Uhr informiert. Vor dem Haus waren am Nachmittag zahlreiche Polizei- und Rettungswagen zu sehen. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.

Mutter verletzt geborgen

Die tatverdächtige Mutter soll mit dem elfjährigen Sohn zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gefahren sein, wo sie um 13.47 Uhr auf die Gleise der S-Bahn-Linie 1 ging. Laut einem Feuerwehrsprecher wurde die Frau zwischen zwei Gleisbetten geborgen und verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

"Wir nehmen eine Straftat an und werden die Mutter dazu befragen müssen, im Moment ist sie aber noch nicht vernehmungsfähig", sagte Polizeisprecher Stefan Weiand in Solingen. "Was wann genau warum passiert ist, wissen wir noch nicht, nur, dass es eine sehr tragische Situation ist." Auf Gerüchte, wonach die Kinder mit Tabletten getötet worden sein könnten, gingen die Ermittler nicht ein. "Wir wissen nicht, wie sie ums Leben gekommen sind", sagte ein Sprecher. Die Polizei hat es mittlerweile geschafft, zum Vater Kontakt aufzunehmen - allerdings dazu keine weiteren Angaben gemacht.

"So etwas ist noch nie vorgekommen"

Bis in den Abend war die Spurensicherung an Ort und Stelle. Die Leichen waren bis dahin noch nicht abtransportiert. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) war nach einem Besuch am Tatort sichtlich schockiert. "Heute ist ein Tag, an dem wir in Solingen sehr traurig sind, weil eine Tat geschehen ist, die uns tief ins Herz getroffen hat", sagte Kurzbach gegenüber Journalisten. Am Abend fanden sich Kurzbach und weitere Politiker verschiedener Parteien schweigend zu einer Trauerminute ein.

Solingen liegt im Bergischen Land, rund 25 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Der für Solingen zuständige Wuppertaler Polizeipräsident Markus Röhrl sagte vor Ort der dpa: "Das ist eine erschütternde Dimension." Seines Wissens sei "bei uns im Bergischen noch nie zuvor je so etwas vorgekommen".

Auch Landesinnenminister Reul zeigte sich erschüttert: "Das Familiendrama von Solingen erfüllt mich mit großer Trauer und im Moment bin ich mit meinen Gedanken und mit meinem Gebet bei fünf kleinen Kindern, die so furchtbar früh aus dem Leben gerissen wurden."

Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal 
www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.

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