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Chronik Welt
01/20/2020

"Freunderlwirtschaft": Afrikas reichste Frau unter Druck

Isabel Dos Santos galt lange als "self made Millardärin" - doch neue Recherchen legen Zweifel nahe.

Sie ist mehr als zwei Milliarden schwer, gilt als die reichste Frau ganz Afrikas – und steht derzeit gehörig unter Druck: Isabel Dos Santos, Tochter des ehemaligen angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos, der sein Land bis 2017 fast vier Jahrzehnte lang regiert hat.
Lange Zeit hielt dos Santos ihren Ruf als „self made woman“ aufrecht, hielt Vorträge auf Elite-Unis, jettete quer durch die Welt renommierter Wirtschaftskreise – eine Kandidatur zur Präsidentin Angolas im Jahr 2022 schloss sie nicht aus.

Doch jetzt beginnt das Bild der mächtigen Frau zu wanken: Hintergrund sind Korruptionsermittlungen in Verbindung unter anderem mit der nationalen Ölfirma Sonangol, als deren Direktorin Dos Santos im Sommer 2016 von ihrem Vater eingesetzt worden war.

Der Schritt war weithin als Fall von offensichtlichem Nepotismus kritisiert worden - ein Vorwurf, den auch der investigative internationale Medienverbund ICIJ nach Auswertung von ihm zugespielten Dokumenten („Luanda-Leaks“) erhärtet sieht. Dabei handelt es sich um rund 715.000 Unterlagen aus dem Inneren der Dos-Santos-Geschäfte, die zunächst einer afrikanischen Journalistengruppe zugespielt worden waren.

"Wie persönliche Farm behandelt"

„Dos Santos hat Angola wie seine persönliche Farm behandelt“, erklärte der angolanische Menschenrechtsanwalt Salvadore de Freire dem ICIJ. Der NDR, der dem Verbund angehört, schreibt in einer Erklärung: „Mehr als 400 Firmen in 41 Jurisdiktionen haben Isabel dos Santos und ihr Umfeld in den vergangenen Jahren gegründet, fast 100 davon in Steueroasen wie Malta, Mauritius und Hongkong.“ Immer wieder hätten diese Firmen von öffentlichen Aufträgen in Angola, von Beratertätigkeiten und von Darlehen profitiert.

Der Schritt folgt auf eine einstweilige Verfügung der Regierung in Luanda, die etwa eine Milliarde Euro von der Investorin und ihren Mitarbeitern zurückfordern will. Isabel dos Santos gab sich zunächst gelassen, auf Twitter schrieb sie: „Wir werden weiterhin jeden Tag in jedem Geschäft unser Bestes geben und für das kämpfen, woran ich für Angola glaube. Der Weg ist lang, die Wahrheit wird sich durchsetzen.“

Ihren Anhängern galt die studierte Technikerin lange Zeit als Inspiration. Geboren wurde sie in der damaligen Sowjetunion, wo ihr Vater als Mitglied der Befreiungsorganisation und späteren Regierungspartei MPLA ein Ingenieursstudium absolvierte. Nach dem Studium in London arbeitete sie vorübergehend bei einer Beratungsfirma, bevor sie in der Heimat ihres Vaters Unternehmen gründete.

Ihr verzweigtes Firmenimperium mit Beteiligungen an Banken, Mobilfunkfirmen und Einkaufszentren nahm nach ihrer Darstellung seinen Ausgang mit einer Beteiligung an einer Strandbar.

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