Politik | Ausland
23.08.2017

Der Familienbetrieb Angola

Präsident tritt ab, die Dos Santos behalten ihren Einfluss . Das reiche afrikanische Land versinkt in Korruption.

Land der Extreme. Luanda, die Hauptstadt der südwest-afrikanischen Staates Angola, ist die teuerste Stadt der Welt. Doch hinter den Wohlkrenkratzern liegen die Wellblech-Slums der Armen. Neben den Luxusautos schlafen obdachlose Kinder am Boden. Vom Öl- und Mineralreichtum Angolas bekommt der Großteil der 29 Millionen Einwohner nichts mit.

Heute, Mittwoch, wird in Angola das neue Parlament gewählt, zum vierten Mal seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975. Der Sieg, der mit absoluter Mehrheit regierenden MPLA (Movimento Popular de Libertacao de Angola) gilt als gesichert, dennoch zeichnet sich eine politische Wende ab: José Eduardo dos Santos, der dienstälteste Staatschef Afrikas, tritt nach 38 Jahren im Amt nicht mehr zur Wiederwahl an. Unter dos Santos entwickelte sich Angola nach einem jahrzehntelangen, blutigen Bürgerkrieg zu einem der größten Ölproduzenten Afrikas.

Der Rückzug des 74-jährige Präsidenten soll auch gesundheitliche Gründe haben. Nachfolgen soll ihm der bisherige Verteidigungsminister João Lourenço. Doch ganz gibt dos Santos die Zügel nicht aus der Hand. Weiterhin wird er als Parteichef der MPLA und Mitglied einer einflussreichen Beraterkommission im Hintergrund die Fäden ziehen. Zudem hat die Familie dos Santos in fast jedem Wirtschaftsbereich des Landes ihre Finger im Spiel.

Reichste Frau Afrikas

Die älteste Tochter des Präsidenten, Isabel dos Santos, ist laut " Forbes" mit einem Privatvermögen von drei Milliarden US-Dollar die reichste Frau Afrikas und zählt zu den einflussreichsten Frauen der Welt. Vor einem Jahr wurde sie von ihrem Vater zur Chefin des staatlichen Mineralölkonzerns von Sonagol ernannt, einer zentralen Schaltstelle der Macht in Angola. Zudem ist die 44-jährige, die in Großbritannien studiert hat, Geschäftsfrau im Telekommunikations-, Banken-, Zement- wie auch Lebensmittelsektor beteiligt. Kritiker werfen ihr zahlreiche unsaubere Geschäfte vor.

José dos Santos Söhne und Töchter aus drei Ehen sind neben dem Öl- auch stark im Bankensektor vertreten. Korruption der Eliten und Repression sind laut Menschrechtsorganisation in Angola weit verbreitet.

Die Korruption zu bekämpfen sei eines seiner zentralen Ziele, erklärte der wahrscheinlich künftige Präsident Lourenço im Mai blumig der Washington Post. Diese "Krankheit" behindere Angola bei seinen Bemühungen, private Investoren aus dem Ausland anzulocken. Beim Korruptionsindex der NGO Transparency International liegt Angola auf Platz 164 von 176. Eine südafrikanische Sonntagszeitung nannte das Gesellschaftsmodell Angolas einst einen"demokratisch abgesegneten Staat der Freunderlwirtschaft". Dass Lourenço im Amt seine Ankündigungen umsetzt, darf stark bezweifelt werden.

Zudem beutelt der Ölpreisverfall die angolanische Wirtschaft, was die Schwachen zuerst trifft. 40 Prozent der Bevölkerung leben laut Weltbank von weniger als 1,25 US Doller am Tag, die Kindersterblichkeit ist extrem hoch, Medikamente sind kaum leistbar.