Papst und ehemaliger Papst bei einem Treffen im Dezember 2018 im Vatikan.

© APA/AFP/VATICAN MEDIA/HANDOUT

Chronik Welt
01/14/2020

Franziskus' Linie bei Zölibat: Ex-Papst Benedikt meldet sich zu Wort

Ein gemeinsames Schreiben mit Kardinal Sarah wird am Mittwoch als Buch veröffentlicht. Franziskus betont, Zölibat nicht aufheben zu wollen.

In einem am Mittwoch erscheinenden Buch hebt Ex-Papst Benedikt XVI. die ausschlaggebende Bedeutung des Priesterzölibats hervor. Der Zölibat ist laut dem emeritierten Papst notwendig, "damit unser Weg zu Gott weiter das Fundament unseres Lebens bleiben kann", heißt es im Buch, das Josef Ratzinger gemeinsam mit Kardinal Roberto Sarah geschrieben hat.

Auszüge aus dem Buch, das der französische Verleger Fayard herausbringt, wurden von der französischen Tageszeitung Le Figaro in ihrer Online-Ausgabe am Sonntagabend veröffentlicht. "Ich kann nicht schweigen", schrieben Ratzinger und Sarah und zitierten dabei einen Spruch des Heiligen Augustins.

"Wir haben uns getroffen, unsere Ideen und Sorgen ausgetauscht. Wir haben im Schweigen gebetet und meditiert", hieß es in einer von "Le Figaro" zitierten Stelle des Buchs. Ratzinger und Sarah tauschten in den vergangenen Monaten Briefe zum Thema der Amazonien-Synode im vergangenen Herbst aus.

"Wir haben beschlossen, allen Gläubigen die Früchte unserer Arbeit und unserer spirituellen Freundschaft zur Verfügung zu stellen", schrieben der emeritierte Papst und der Kardinal. Ihr Appell gegen die Aufhebung des Priesterzölibats erfolge in einem "Geist der Liebe und der Einheit der Kirche". "Wenn Ideologie trennt, vereint Wahrheit die Herzen", wurden die beiden Autoren zitiert.

Die Amazonien-Synode im Vatikan war Ende Oktober nach dreiwöchigen Beratungen zu Ende gegangen. In ihrem Schlussdokument sprachen sich die Synodenväter dafür aus, die Bischöfe sollten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass für Gemeinden des Amazonas-Gebiets, die besonders unter Priestermangel leiden, auch entsprechend ausgebildete Familienväter geweiht werden können. Eine allgemeine Aufhebung des Zölibats ist damit nicht verbunden.

Franziskus will Zölibat nicht aufheben

Mit einem Text des vatikanischen Mediendirektors Andrea Tornielli, der am Montag auf der Webseite Vatican News erschienen ist, reagiert der Vatikan auf die Sorge des emeritierten Papstes Benedikt XVI., dass die Ehelosigkeit der Priester aufgehoben werden könnte. Papst Franziskus habe keine Absicht, das Priesterzölibat aufzuheben. "Der priesterliche Zölibat ist kein Dogma - er war es auch nie. Vielmehr ist er eine kirchliche Disziplin der lateinischen Kirche, die - wie die letzten Päpste einheitlich festgestellt haben - eine wertvolle Gabe bedeutet", schrieb Tornielli in seinem Beitrag.

"Der priesterliche Zölibat ist kein Dogma - er war es auch nie. Vielmehr ist er eine kirchliche Disziplin der lateinischen Kirche, die - wie die letzten Päpste einheitlich festgestellt haben - eine wertvolle Gabe bedeutet", schrieb Tornielli in seinem Beitrag.

"Nicht den Mut, mich mit dieser Entscheidung vor Gott zu stellen"

Bei der Debatte zur Amazonien-Synode sprach der Papst angesichts der Diskussion unter Theologen über die Möglichkeit, Ausnahmen zum Priesterzölibat für einige abgelegene Regionen zu gewähren, betonte Tornielli. Dabei habe der Papst jedoch präzisiert: "Es gibt keine Entscheidung von meiner Seite. Meine Entscheidung ist: kein optionaler Zölibat vor dem Diakonat, nein. Das ist meine persönliche Einstellung. Ich werde es nicht tun, das bleibt klar. Bin ich hier ein 'verschlossener' Typ? Vielleicht. Aber ich verspüre nicht den Mut, mich mit dieser Entscheidung vor Gott zu stellen."

Der Papst habe am 26. Oktober in seiner Schlussrede, nachdem er alle Phasen der Reden und der Diskussion im Saal verfolgt hatte, das Thema der Weihe verheirateter Männer nicht erwähnt, erinnerte der vatikanischen Medienchef. In derselben Rede sprach der Papst über die nötige Kreativität in neuen Diensten und über die Rolle der Frau, und er erinnerte an die Knappheit des Klerus in bestimmten Missionsgebieten und daran, dass viele Priester aus einem bestimmten Land in die sogenannte Erste Welt gegangen seien (USA und Europa), "und dass es keine Priester gibt, um sie in das Amazonasgebiet eben jenes Landes zu schicken".

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