Polizeieinsatz in Kolarovo

© Christoph Aufreiter

Slowakei
09/27/2018

Erste Festnahmen im Mafia-Mordfall an Enthüllungs-Reporter

Im Mordfall Jan Kuciak gab es jetzt acht Fenstnahmen. Der Journalist und seine Verlobte starben im Februar.

von Konrad Kramar

Still war es zuletzt geworden um einen Mordfall, der das politische System der Slowakei in seinen Grundfesten erschüttert hatte. Vorbei die Demonstrationen, die im Frühjahr noch mehr als eine halbe Million auf die Straßen der Städte von Bratislava bis Kosice gebracht hatten. Verlaufen haben sich die Spuren, die von den politischen Spitzen des Landes zur italienischen Mafia geführt hatten.

Der junge investigative Reporter Jan Kuciak war gerade dabei, diesen Spuren, die er selbst in seinen letzten Berichten für slowakische Medien sichtbar gemacht hatte, nachzugehen. Doch professionelle Killer machten diesen heiklen Recherchen ein Ende: Kuciak und seine Verlobte wurden im eigenen Haus erschossen.

Ex-Polizeiermittler

Erste Verhaftungen gleich nach dem Mord Ende Februar waren offensichtlich voreilig und unter großem politischen Druck passiert. Die Verdächtigen mussten wieder freigelassen werden. Jetzt, mehr als ein halbes Jahr später, hat die Polizei erneut zugeschlagen – und diesmal, so mutmaßen slowakische Medien, sind der oder die Täter unter den acht Männern, die Donnerstag früh festgenommen wurden. Näheres wurde vorerst nur über einen von ihnen bekannt. Es handelt sich um einen ehemaligen Ermittler der slowakischen Polizei, der zuletzt im Ausland bewaffnete Einsätze für Sicherheitsfirmen durchgeführt haben soll. So war er etwa auf Schiffen im Roten Meer unterwegs, um diese vor Piraten zu schützen.

Vor dem Haus eines verhafteten Verdächtigen in Kolarovo (ca 10.000 Einwohner) fanden sich neben eines Verwandten von Jan Kuciak auch zahlreiche Medienvertreter ein, darunter auch der Österreicher Christoph Aufreiter (siehe Bilder). "Der vermutliche Täter wird von Nachbarn als völlig unscheinbar beschrieben", sagte dieser dem KURIER. Der Verhaftete soll Aufreiters Informationen nach das Auftreten eines Geschäftsmannes haben, seine mutmaßliche Rolle bei der Ermordung Kuciaks blieb zunächst unklar.

Der Mord an Jan Kuciak sorgte für schwere politische Turbulenzen in der Slowakei. Schließlich standen nicht nur der damalige Innenminister Robert Kalinak im Brennpunkt von Kuciaks Recherchen, sondern auch die Geliebte des damaligen Premiers Robert Fico, das Ex-Model Maria Troskova. Sie war offensichtlich im direkten Kontakt mit italienischen Geschäftsleuten in der Slowakei gestanden, die Beziehungen zur Mafia hatten.

Kalinak wiederum, der schon seit Jahren immer wieder Verdächtiger in Korruptionsaffären war, soll mehrfach polizeiliche Ermittlungen in diesen Affären behindert haben.

Fico, seit mehr als zehn Jahren – mit einer kurzen Unterbrechung – Regierungschef in der Slowakei, meinte zuerst die Affäre aussitzen zu können. Doch der Druck durch die Enthüllungen, aber auch durch die friedlichen Massenproteste, wurde schließlich doch zu groß. Nach seinem Innenminister und engen Vertrauten Kalinak musste der Premier schließlich auch zurücktreten. Allerdings folgt ihm mit Peter Pellegrine, seinem vormaligen Vizepremier, kaum mehr als ein politischer Strohmann nach. Fico bleibt bis heute Chef der Regierungspartei Smer und politischer Drahtzieher in der Slowakei.

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