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Chronik Welt
05/28/2020

Das korrupteste französische Politikerehepaar wurde verurteilt

Die Balkanys: Es geht um insgesamt 13 Millionen Euro und eine Story wie aus einem Groschenroman.

von Susanne Bobek

Das wohl korrupteste französische Politiker-Ehepaar wurde nun von einem Berufungsgericht endgültig zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche verurteilt. Es geht um insgesamt 13 Millionen Euro und eine  Story wie aus einem Groschenroman.


Patrick Balkany (71) und seine Frau Isabelle (72) fühlen sich  trotz ihrer Verurteilung  wie Sieger. Denn die Haft bleibt ihnen aus Gesundheitsgründen erspart.

  Balkany war schon im Februar aus seiner Zelle freigekommen und  erschien zur Urteilsverkündung am Mittwoch provokant leger in Orange.

Nur Bares ist Wahres

Über 30 Jahre war Balkany Bürgermeister des noblen Pariser Vororts  Levallois-Perret und seine Frau war dort seine Stellvertreterin. Fast 13 Millionen Euro sollen die Balkanys in dieser Zeit für alle möglichen Gefälligkeiten kassiert haben. Sie nahmen  nur Bargeld, das sie zu Hause bündelweise in 500-Euro-Scheinen stapelten. Für Flugreisen gaben sie in drei Jahren 90.000 Euro aus und bezahlten – in bar.


Der bestens vernetzte konservative Politiker saß ein Vierteljahrhundert im Parlament und gehörte zum engeren Kreis um Nicolas Sarkozy.  Jahrelang galten seine Affären als höchst unterhaltsam. Die Berichterstattung über ihn wechselte ständig zwischen  Politik und Yellow Press.


Brigitte Bardot war sich nicht zu blöd, eine Affäre mit dem Mann vehement zu dementieren. Sie wisse, mit wem sie im Bett war, jedenfalls nicht mit diesem „verlogenen Kerl“.


Ein Blowjob

Besondere Freude hatte der Boulevard mit einer Anzeige von Balkanys junger Geliebter. Sie gab an, mit einem vorgehaltenen Revolver zur Fellatio gezwungen worden zu sein. Ausgerechnet die betrogene Ehefrau, Isabelle, verteidigte ihn mit dem legendären Satz: „Mein Mann hat noch nie eine Waffe gebraucht, um einen ordentlichen Blowjob zu bekommen.“  


Neben dem Amüsement kam das Geldscheffeln nie zu kurz: Die Balkanys waren während ihres Prozesses  damit beschäftigt, ihre Besitztümer kleinzureden.  

Zweitklassiger Besitz

Die Mühle in Giverny mit elf Schlafzimmern, neun Bädern, Tennisplatz und Swimmingpool? Der Tennisplatz sei mit Unkraut zugewachsen, der Pool renovierungsbedürftig, klagte Patrick Balkany.


Sein karibisches Haus in Saint-Martin? „Das ist ja nicht mal am Meer gelegen“, jammerte er.
Die Ermittler konnten die komplizierten Konstruktionen von Briefkastenfirmen in der Schweiz, in Panama, in Liechtenstein, Singapur und auf den Seychellen aufdröseln.


Doch die Balkanys gaben noch nicht auf. Ihr Vermögen hätten sie geerbt, seine Eltern waren reiche Tuchhändler, ihre Eltern noch reicher, weil sie mit Kautschuk gehandelt hatten.

Auf Goldbarren gebettet

Die Balkanys hatten auch eine Erklärung, warum sie ihr Erbe nie deklariert hatten: „Haben sie schon einmal jemanden gesehen, der eine Steuererklärung gemacht hat, für das, was er unter seiner Matratze hat?“, donnerte Patrick Balkany dem Richter entgegen. Angeblich hatte das Ehepaar, wenn es das Bett miteinander teilte, auf Goldbarren geschlafen.


Zum Verhängnis wurde dem ehemaligen Bürgermeister und seiner Frau auch ihr rüder Umgang mit ihren Hausangestellten. Die gaben an, noch nie so viel Bargeld gesehen zu haben, im Frisiertisch, in Bademänteln, in den Schreibtischen. Immer nur 500-Euro-Scheine.


Isabelle Balkany wurde wegen einer besonders hartnäckigen Form des Betrugs zu vier Jahren Haft, ihr Ehemann zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er ist krank, sie hat vor dem Prozess einen Selbstmordversuch unternommen. Beide sind haftunfähig.


„Meine Frau und ich waren reich als wir in die Politik gingen. Jetzt  verlassen wir sie arm.“ Von Reue keine Spur.

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