Brand in Crans-Montana: Mehr als die Hälfte der Toten identifiziert

Aftermath of New Year’s Eve party fire and explosion at "Le Constellation" bar in Crans-Montana
Viele Opfer waren Jugendliche. Nationaler Trauertag in der Schweiz am 9. Jänner.

Mehr als die Hälfte der 40 Todesopfer aus der abgebrannten Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana sind identifiziert, und es zeigt sich: Zahlreiche Opfer waren Minderjährige. Darunter ist unter anderem eine 14-jährige Schweizerin, wie die Polizei im Kanton Wallis am Sonntag berichtete. Andere identifizierte Opfer, etwa aus Italien, waren erst 16 Jahre alt, als die Brandkatastrophe in der Silvesternacht ihrem jungen Leben ein Ende setzte.

Das Inferno in einer Bar des Schweizer Skiorts wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst. Sie setzte den Erkenntnissen zufolge Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Untersucht wird, ob die Brandschutzvorschriften eingehalten wurden. 

Gegen die beiden französischen Betreiber der Bar wird inzwischen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Unklar ist unter anderem, ob die Deckenabdeckung regelkonform war und ob es genügend zugängliche Notausgänge gab.

Kritische Phase für Überlebende

Einige der 119 überwiegend schwer verletzten Überlebenden sind in einer kritischen Phase: Bei sehr schweren Verbrennungen treten Symptome der Verbrennungskrankheit wie Organversagen erst nach 48 Stunden auf, wie Experten erläutern. Zudem wächst das Risiko von Infektionen, weil das überforderte Immunsystem geschwächt ist. Erst, wenn die Risiken minimiert sind, beginnen die ersten von zahlreichen Operationen, um die verbrannte Haut zu entfernen und zu ersetzen - idealerweise mit Haut von anderen Körperstellen, die unversehrt blieben.

Mehrere Patienten sind inzwischen in auf Verbrennungen spezialisierte Kliniken in anderen Ländern wie Deutschland verlegt worden. Die Schweiz hat nicht genügend Kapazitäten, um alle Verletzten langfristig zu behandeln und Plätze für 50 Patientinnen und Patienten überwiegend in Nachbarländern angefragt. Unter anderem werden Überlebende aus Crans-Montana in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Bochum und Köln-Merheim behandelt. Weitere Kliniken haben Aufnahmeplätze zugesagt.

Unter den 119 Verletzten sind mehr als 70 Schweizer sowie Franzosen, Italiener, Serben und einzelne Angehörige anderer Länder. Österreichische oder deutsche Opfer wurden bisher nicht gemeldet.

Nationales Gedenken an die Opfer

Die Schweiz plant am 9. Jänner einen nationalen Trauertag und eine Gedenkfeier für die Opfer. Die Gemeinde legte online ein Kondolenzbuch auf. Als Erster schrieb darin Bundespräsident Guy Parmelin: "Allen trauernden Familien, allen Opfern sage ich erneut mit Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit: Ihr Leid ist auch unser Leid." Er werde an der Gedenkfeier in Crans-Montana teilnehmen. Ob andere Staatschefs anreisten, sei noch unklar, sagte er in Zeitungsinterviews.

Zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte.

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