Nach Brand in Crans-Montana: Alle 40 Todesopfer identifiziert
Nach der Identifizierung aller 40 Todesopfer des Brandinfernos in Crans-Montana steht fest: Viele derjenigen, die es nicht mehr lebend aus der brennenden Bar schafften, sind noch nicht volljährig gewesen. Das jüngste Todesopfer ist eine 14-jährige Schweizerin, wie die Schweizer Polizei im Kanton Wallis berichtet. Andere waren erst 16 Jahre alt. Darunter waren unter anderem Italiener und Franzosen. Opfer aus Österreich wurden nicht registriert.
Viele junge Menschen konnten sich nicht mehr oder nur schwer verletzt nach draußen retten. Gegen die Betreiber des Lokals in Crans-Montana wurden Ermittlungen eingeleitet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen.
Stille liegt am Sonntag über den winterlichen Straßen von Crans-Montana. Hunderte Menschen ziehen schweigend durch den Schweizer Skiort, vorbei an luxuriösen Chalets und Hotels, die vom Wohlstand des Alpendorfes zeugen. Ihr Ziel ist eine improvisierte Gedenkstätte neben der ausgebrannten Bar "Le Constellation". Der Trauermarsch folgt auf einen Gottesdienst, der so überfüllt war, dass viele Menschen draußen in der Kälte ausharrten. "Es geht darum, mit den Menschen zusammen zu sein, die leiden, die jemanden in der Familie, Kinder oder Freunde verloren haben", sagt die 76-jährige Charlotte Schumacher. "Ich kenne Leute, die ihre Enkel verloren haben." Unter den Toten sind Jugendliche im Alter von 14 oder 15 Jahren. Die Schwere der Verbrennungen macht die Identifizierung vieler Opfer schwierig. Die Verletzten und Vermissten stammen aus allen Teilen Europas und sogar aus Australien. Die meisten Opfer waren jedoch Schweizer.
Glocken und Schweigen
Als ein weiteres Zeichen der nationalen Verbundenheit sollen laut dem Schweizer Bundespräsidenten Parmelin am Freitag um 14.00 Uhr in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken läuten. Zudem sei zu diesem Zeitpunkt eine Schweigeminute vorgesehen, sagte das Staatsoberhaupt in dem am Sonntag veröffentlichten Interview. "In diesem Moment der Einkehr können alle Menschen in der Schweiz persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken", sagte er.
Die Schweigeminute und das Läuten der Kirchenglocken sollen gleichzeitig mit Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana erfolgen. Am 9. Jänner ist in der Walliser Gemeinde eine offizielle Gedenkzeremonie für die Opfer, ihre Angehörigen und die breitere Öffentlichkeit vorgesehen, schrieb die Gemeinde auf ihrer Webseite.
Strafverfahren gegen Bartbetreiber
Die Ermittlungen laufen gegen die Betreiber der Bar. Erste Untersuchungen hätten "zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Betreiber des Lokals geführt", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis am Samstag mit. Gegen sie werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung ermittelt, erklärten die Ermittlungsbehörden. Den Ermittlern zufolge wurde die Feuersbrunst offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Zimmerdecke gehalten wurden.
Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar "Le Constellation" ins neue Jahr feierten. Bis Samstag wurden die ersten Todesopfer identifiziert und ihren Angehörigen übergeben. Laut Polizei handelt es sich um die sterblichen Überreste von acht Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren aus der Schweiz. Italienische Medien berichteten zudem, dass auch drei italienische Staatsbürger unter den Toten identifiziert worden seien. Insgesamt wurden also elf erste Todesopfer identifiziert. Österreichische wurden bisher nicht gemeldet.
Bangen unter Angehörigen - Schwierige Identifizierung
Einige Familien bangen noch immer um ihre vermissten Kinder. Auch einige Verletzte konnten noch nicht identifiziert werden. Viele Opfer erlitten schwerste Brandverletzungen, die in Spezialkliniken behandelt werden müssen.
Im Zentrum des Skiorts Crans-Montana versammelten sich am Samstag immer wieder Menschen nahe des Unglücksorts und legten Blumen, Briefe, Kerzen und Plüschtiere als Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien nieder. Der Schock über die "unermessliche Tragödie" sitze tief, sagte der Schweizer Justizminister Beat Jans bei einem Besuch am Unglücksort. Die Justiz werde alles tun, um die Verantwortung für die Katastrophe zu klären.
Der für die Gesundheitspolitik in der italienischen Region Lombardei verantwortliche Guido Bertolaso schilderte die Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Schwerbrandverletzten: "Warum können wir sie nicht identifizieren? Weil ihre Gesichter vollständig verbunden sind. Wir können die Bandagen nicht entfernen, um sie zu erkennen. Sie sind intubiert und können deshalb nicht sprechen."
Für die Opfer sind in den kommenden Tagen mehrere Gedenkfeiern geplant. Am späten Samstagabend war die Kirche von Crans-Montana während eines Gedenkgottesdienstes mit Menschen aller Altersgruppen gefüllt. Für Sonntag wurde ein Schweigemarsch zur Bar Le Constellation nach dem Gottesdienst angekündigt. Im Internet boten unterdessen zahlreiche Menschen den Familien der Opfer sowie Mitgliedern der Rettungskräfte Unterkünfte oder andere Unterstützung an.
Kommentare