Chronik | Welt
15.08.2018

Brückeneinsturz: Keine Hinweise auf österreichische Opfer

Das Unglück in Genua forderte 42 Opfer. Es gibt die ersten Schuldzuweisungen. Der Betreiber weist Vorwürfe von sich.

  • Das Brückenunglück in Genua forderte mindestens 42 Menschenleben.
  • Darunter sind auch drei Minderjährige.
  • Österreicher sollen keine unter den Opfern sein.
  • Regierungschef Conte spricht von einer "tiefen Wunde".
  • Salvini macht die mangelnde Instandhaltung der Brücke verantwortlich.
  • Die Führung des privaten Betreibers wurde zum Rücktritt aufgefordert.
  • Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück.
  • Laut Augenzeugen schlug kurz vor dem Einsturz ein Blitz ein.

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua sind bei den nächtlichen Rettungsarbeiten weitere Leichen geborgen worden. Mindestens 42 Menschen sind ums Leben gekommen. Das sagte der Staatsanwalt Francesco Cozzi dem Fernsehsender RaiNews24. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Opferzahl noch weiter erhöhe, sagte eine Polizeisprecherin. Es gebe 16 Verletzte, der Zustand von zwölf sei kritisch, teilte die Präfektur am Mittwoch mit.

Unter den Opfern sind auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und dreizehn Jahren, wie die ANSA bereits in der Nacht unter Berufung auf das Innenministerium gemeldet hatte. Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle gingen unvermindert weiter. Die leicht zugänglichen Bereiche seien bereits durchsucht werden, erläuterte Gissi. Nun würden größere Betontrümmer weggeräumt, um die Suche auch auf schwer erreichbare Orte auszuweiten. Etwa 400 Mitglieder der Berufsfeuerwehr seien im Einsatz.

Keine österreichischen Opfer

Es gibt weiterhin keine Hinweise auf mögliche österreichische Opfer. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Konsulats hervor, hieß es am Nachmittag auf APA-Anfrage im Außenministerium in Wien.

Die italienischen Behörden führten demnach keine Österreicher unter den Betroffenen. Auch ein Rundruf in den Krankenhäusern von Genua habe keine derartigen Hinweise ergeben, betonte ein Außenministeriumssprecher. Es hätten sich auch keine österreichischen Angehörigen gemeldet, die jemanden im Raum Genua vermissen.

Salvini: "Alles bezahlen, teuer bezahlen"

Dienstagmittag war während eines schweren Unwetters der Polcevera-Viadukt - auch Morandi-Brücke genannt - auf der Autobahn A10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. Um die 30 Fahrzeuge waren zu der Zeit auf der Brücke unterwegs: Autos wurden in die Tiefe gerissen, Lastwagen stürzten in den Fluss Polcevera.

Die A10 ist nicht nur die berühmte Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori", sondern auch eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Eingestürzte Brücke

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Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

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Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Eingestürzte Autobahnbrücke forderte zahlreiche Tote

Innenminister Matteo Salvini machte am Dienstagabend eine mangelnde Instandhaltung der Brücke für das Unglück verantwortlich. Die Verantwortlichen müssten für das Desaster bezahlen, "alles bezahlen, teuer bezahlen", erklärte er.

Der frühere Verkehrsminister Graziano Delrio sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, es sei respektlos gegenüber den Opfern, politische Spekulationen aufzuwerfen.

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat nach dem Brückeneinsturz größere Anstrengungen bei der Kontrolle der Infrastruktur versprochen. "Das, was in Genua passiert ist, ist nicht nur für die Stadt eine tiefe Wunde, sondern auch für Ligurien und ganz Italien", schrieb Conte Mittwochnacht auf Facebook. Die Tragödie "verbrüdert alle" und dränge darauf, nach den Ursachen zu suchen, erklärte Conte. Er sagte der Bevölkerung zu, dass die Regierung einen außerordentlichen Plan zur Kontrolle der Infrastruktur voranbringen werde. "Die Kontrollen werden sehr streng sein, denn wir können uns keine weiteren Tragödien wie diese erlauben."

Veraltete Infrastruktur

Die Brücken-Katastrophe lässt in Italien die Alarmglocken schrillen. Laut der Tageszeitung La Repubblica sind um die 300 Brücken und Tunnel marode. Grund dafür seien die veraltete Infrastruktur und die lückenhafte Instandhaltung.

Kritik gab es an dem nun eingestürzten Polcevera-Viadukt wegen hoher Baukosten schon seit seiner Erbauung. Doch auch kostspielige Renovierungen sorgten immer wieder für Diskussionen. Die Brücke, die im Westen von Genua unter anderem über Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet führt, hat eine Gesamtlänge von 1.182 Metern. Zum Zeitpunkt der Tragödie waren laut Betreibergesellschaft Autostrade per Italia Bauarbeiten im Gange.

"Top-Management muss zurücktreten"

Der italienische Verkehrsminister hat am Mittwoch die Führung des Betreibers zum Rücktritt aufgefordert. Zugleich kündigte Danilo Toninelli an, dass dem Unternehmen die Lizenz zum Betrieb der Straße entzogen werden solle und es mit Strafzahlungen von bis zu 150 Millionen Euro belegt werden könnte.

"Autostrade per l'Italia war nicht in der Lage, die Verpflichtungen aus dem Vertrag zur Verwaltung der Infrastruktur zu erfüllen", sagte Toninelli dem staatlichen Sender RAI 1. "Als erstes muss das Top-Management von Autostrade per l'Italia zurücktreten", forderte Toninelli in einem Facebook-Eintrag. Autostrade gehört zur Atlantia Gruppe. Beide Unternehmen konnten zunächst nicht erreicht werden.

Augenzeugen hatten berichtet, dass kurz vor dem Einsturz ein Blitz in die Brücke eingeschlagen habe. Doch Staatsanwalt Francesco Cozzi ließ im Gespräch mit RaiNews24 erkennen, dass auch die Ermittler von menschlichem Versagen als Ursache ausgehen. Zum jetzigen Zeitpunkt von einem Unglück zu reden, obwohl es sich bei der Brücke um ein "Werk von Menschen" handle, das Instandhaltungen unterzogen worden sei, "erscheint mir ziemlich gewagt", sagte Cozzi.

Autostrade weist Vorwürfe zurück

Der Betreiber der eingestürzten Autobahnbrücke in Genua, Autrostrade, hat den Vorwurf von Pflichtverletzungen bei der Überwachung des Bauwerkes zurückgewiesen. Man habe die Brücke auf vierteljährlicher Basis entsprechend den gesetzlichen Vorgaben kontrolliert, erklärte das Unternehmen am Mittwoch.

Man habe aber auch zusätzliche Prüfungen vorgenommen unter Nutzung modernster Technologien und der Hinzuziehung externen Expertenrates. Das Ergebnis dieser Kontrollen zum Zustand der Brücke sei Basis für das von der Regierung abgesegnete Wartungs- und Unterhaltungsprogramm gewesen.