Bar seit 2020 nicht mehr kontrolliert, Bürgermeister: "Bereuen bitterlich"

Zwei Personen in Warnwesten gehen an abgedeckten Bereichen vorbei, umgeben von Tannenbäumen und Drahtfiguren von Rentieren.
Es wird eine Gedenkfeier für die Opfer am Freitag geben – und eine finanzielle Unterstützung für Opfer und Angehörige.

Nach der Katastrophe in Crans-Montana im Schweizer Kanton Wallis mit 40 Toten und 116 Verletzten stehen die Brandschutzbestimmungen im Fokus. Die Bar wurde seit fünf Jahren nicht mehr kontrolliert, räumte Bürgermeister Nicolas Féraud am Dienstag ein: "Wir bereuen das bitterlich." Indes werden die Opfer des Dramas sowie ihre Familien eine finanzielle Unterstützung erhalten. Das gab der Walliser Staatsrat am Dienstag nach einer außerordentlichen Sitzung bekannt.

Die Modalitäten dieser Unterstützung müssen noch festgelegt werden. Die Kantonsregierung prüft auch, inwieweit die Gesetzgebung zum Brandschutz nach diesem dramatischen Ereignis angepasst werden muss. Es wurde beschlossen, alle Gemeinden aufzufordern, sich mit jeder öffentlich zugänglichen Einrichtung in Verbindung zu setzen, um deren interne Verfahren, die Ausbildung ihres Personals sowie die derzeit bestehenden Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. 

Der Kanton erinnerte daran, dass diese Einrichtungen regelmäßig von einem Brandschutzfachmann überprüft werden müssen. Gegebenenfalls müssten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um jegliches Risiko für Personen und Infrastrukturen zu vermeiden.

Im Wallis seien viele Gemeinden mit ihren Kontrollen überfordert, äußerten ein Brandschutzexperte und die Zermatter Gemeindepräsidentin am Dienstag gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Man wolle die Bestimmungen für den Brandschutz nochmals neu anschauen. "Wenn ich da die Gemeinderessourcen anschaue, und da spreche ich sicher auch für andere Gemeinden, ist es oftmals ein Ressourcenproblem", sagte die Zermatter Gemeindepräsidentin Romy Biner. 

Bis letztes Jahr sei nur eine Person für die Kontrollen in Zermatt zuständig gewesen, nun sei eine weitere angestellt worden. Man arbeite neu mit der Berner Gebäudeversicherung zusammen. "Vorher hatte man die Kontrollen immer durchgeführt, aber nicht in demselben Rhythmus, wie es das Gesetz verlangen würde", sagte Biner weiter.

Bar wurde seit Jahren nicht kontrolliert

Die Bar selbst, in der 40 Menschen ums Leben gekommen sind, war seit Jahren nicht mehr von den Behörden kontrolliert worden. Von 2020 bis 2025 habe es in dem Lokal "Le Constellation" keine Brandschutz- und Sicherheitskontrollen gegeben.

Das Walliser Gesetz schreibt vor, dass öffentlich zugängliche Gebäude jährlich bezüglich des Brandschutzes kontrolliert werden. Der Gemeinderat bedauere es zutiefst, dass es eine Lücke bei den periodischen Kontrollen gegeben habe, meinte Bürgermeister Féraud. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 hätten die Behörden keine Mängel an der verbauten Lärmschutz-Decke festgestellt.

Dass die Gemeinde Crans-Montana als Nebenklägerin am Strafverfahren teilnehmen will, ist für Féraud kein Widerspruch. "Wir sind auch Opfer und Betroffene dieses Dramas." Die Justiz werde entscheiden, ob die Gemeinde als Nebenklägerin akzeptiert wird. Die Gemeinde habe alle relevanten Unterlagen zum Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Bürgermeister: "Sind sehr traurig"

"Wir sind sehr traurig", sagte Féraud auf mehrere Fragen von Medienschaffenden, ob er sich bei den Opferfamilien entschuldigen wolle. Er kämpfte bei der Pressekonferenz mit den Tränen: "Ich werde diese Last immer tragen, die Trauer der Familien, mein Leben lang." Und: "Sollte es eine strafrechtliche Verantwortung geben, werden wir als Gemeinde dazu stehen." Er vertraue der Justiz. Vor Tagen hatte er gegenüber Medien Vorwürfe noch zurückgewiesen, dass es beim Brandschutz "ein lasches Verhalten" der Gemeinde gegeben habe.

Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar ins neue Jahr feierten. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig, das jüngste war erst 14 Jahre alt. Den Ermittlungen zufolge wurde die Feuersbrunst in der Keller-Bar offenbar durch an Sektflaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst, die zu nahe an die Decke gehalten wurden. Gegen die Betreiber des Lokals wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

Warum nach 2019 keine Kontrollen stattfanden, könne Féraud sich nicht erklären. Er wies zurück, dass womöglich Korruption im Spiel sein könne. Er habe keine persönlichen Beziehungen zu dem Wirtepaar, und das gelte nach seinen Informationen auch für die zuständigen Brandinspektoren. 

Pyrotechnische Gegenstände in Gebäuden verboten

Indes hat der Gemeinderat als Sofortmaßnahme beschlossen, den Einsatz sämtlicher pyrotechnischer Gegenstände in geschlossenen Räumen auf dem gesamten Gemeindegebiet zu verbieten. Zudem werden unabhängige Dienstleister beauftragt, Brandschutzkontrollen im Ort durchzuführen.

Féraud belastete das Wirtepaar, gegen das bereits eine Strafuntersuchung eingeleitet worden ist, schwer. Er warf dem Paar Fahrlässigkeit vor. Es habe eine "Kultur der Rücksichtslosigkeit gegenüber Risiken" geherrscht. Einem zweiten Lokal, das die beiden Franzosen in Crans-Montana betreiben, sei die Betriebsgenehmigung entzogen worden.

Nach Angaben von Féraud war die Bar für je 100 Personen im Unter- und Obergeschoss zugelassen. Wie viele Menschen sich tatsächlich in der Schicksalsnacht dort aufhielten, müsse geprüft werden. Für die zugelassene Zahl an Besuchern seien genügend Ausgänge vorhanden gewesen. Ob sie zugänglich waren, sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen. Das Wirtepaar habe 2015 eine Baubewilligung für den Bau einer Terrasse bekommen. Diese sei auch abgenommen worden. Für Änderungen im Innenausbau sei keine Genehmigung nötig, sagte Féraud.

Gedenkfeier am Freitag

Indes wird am Freitag die Gedenkfeier für die Opfer des Brandes in Martigny VS stattfinden. Der Grund dafür sind die für das Wochenende erwarteten Schneefälle und Sicherheitsbedenken. Die Vorbereitungen für diese Zeremonie, die anlässlich eines nationalen Trauertages stattfinden wird, "sind im Gange", wie der Staat Wallis am Dienstag in einem Communiqué mitteilte. Der offizielle Teil beginnt um 13.45 Uhr im Ausstellungs- und Versammlungszentrum von Martigny.

Für die Gedenkzeremonie nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana hat die Schweiz 35 Länder eingeladen. Darunter seien die direkt von der Tragödie betroffenen Staaten sowie diejenigen, die ihre Hilfe angeboten hätten, hieß es. In diesem Zusammenhang seien insbesondere Einladungen an Frankreich und Italien verschickt worden. Dem Trauertag vom Freitag werde "bewusst eine internationale Dimension verliehen", teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Um 14.00 Uhr werden alle Schweizer Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten.

Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella wird an der Gedenkzeremonie für die Opfer der Tragödie von Crans-Montana teilnehmen. Das verlautete aus diplomatischen Kreisen in Rom. Erwartet wird auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Begleitet wird Macron vom für Europa zuständigen Staatssekretär Benjamin Haddad. Der Brandkatastrophe fielen neun französische Staatsangehörige zum Opfer - darunter eine französisch-schweizerische Doppelbürgerin. Aus beiden Ländern stammen zudem mehrere Verletzte.

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