© APA/AFP/DAVID GRAY

Chronik Welt
12/31/2020

Böller, Sekt und viel Abstand: Silvester unter Covid-Vorzeichen

2021 hat begonnen. Ab 11 Uhr wurde, beginnend im Pazifik, gefeiert. Viele Feiern sind heuer kleiner oder ganz abgesagt.

Der sonst übliche Silvester-Tourismus fiel im Pazifik heuer aus: Obwohl es auf Kiribati noch keine Corona-Infektionen gegeben haben soll und in Samoa der erste Fall erst Mitte November gemeldet worden war, wurden öffentliche Feuerwerke abgesagt. Ausländische Touristen dürfen die Inseln im Südpazifik derzeit nicht besuchen.

Auch blicken beide Länder aufgrund des weltweiten Klimawandels besorgt ins neue Jahr. In Samoas Hauptstadt Apia haben Stürme zu Überflutungen geführt. Die 3.000 Inseln, die zu Kiribati gehören, kämpfen aufgrund des steigenden Wasserspiegels des Pazifiks mit Überschwemmungen.

Unbeschwertes Feiern in Neuseeland

In Neuseeland, das um 12 Uhr unserer Zeit feierte, gab es hingegen keine Beschränkungen. Mit einer Reihe von großen Musikfestivals und Feuerwerksshows wurde dort das neue Jahr begrüßt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat der Inselstaat im Südpazifik seit mehr als einem Monat keine lokalen Corona-Fälle mehr verzeichnet. Daher konnten die Veranstaltungen ohne Begrenzungen der Besucherzahl oder anderen coronabedingten Einschränkungen stattfinden.

In der größten Stadt Auckland gab es eine Lichtshow rund um Harbour Bridge und Sky Tower, gefolgt von einem fünfminütigen Feuerwerk um Mitternacht. Eine der größten Silvesterveranstaltungen ist das dreitägige Musikfestival Rhythm and Vines, das nahe der Stadt Gisborne im Nordosten der Nordinsel über die Bühne geht.

Neuseeland gilt dank früher und strikter Maßnahmen als erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus. Seit Beginn der Pandemie wurden in dem Inselstaat 2162 Fälle bestätigt, 25 Menschen starben mit dem Erreger Sars-CoV-2. Der jüngste lokale Corona-Fall wurde Mitte November verzeichnet.

Sydney: Saftige Strafen für Schaulustige

Ganz anders in Australien: Wenige Stunden vor dem weltbekannten Silvester-Feuerwerk im Hafen der australischen Metropole Sydney (14 Uhr MEZ) drohten die Behörden saftige Strafen für Schaulustige an: Jeder, der die aufgestellten Absperrungen zum Hafengebiet zu überwinden versucht, riskiere eine Geldstrafe von 1.000 australischen Dollar (etwa 626 Euro), hieß es am Donnerstag.

Das wirkte offenbar: Sydney habe einer Geisterstadt geglichen, je näher der Jahreswechsel rückte, sagten Beobachter. Das weltbekannte Feuerwerk - eines der ersten jedes Neujahr weltweit - wurde im Fernsehen live übertragen. Es fiel aber kleiner und mit einer Dauer von sieben Minuten deutlich kürzer aus als sonst. Normalerweise zieht das Spektakel im Hafen der australischen Metropole jedes Jahr mehr als eine Million Menschen an.

Traditioneller Glockenschlag in Seoul heuer nur im TV

Die Bürger der südkoreanischen Hauptstadt Seoul (Mitternacht um 16 Uhr MEZ) mussten diesmal wegen der Pandemie auf die üblichen Straßenpartys zum Jahreswechsel verzichten. Die traditionelle Glockenschlag-Zeremonie, mit der die südkoreanische Hauptstadt normalerweise das neue Jahr einläutet, wurde ohne Publikum aufgezeichnet und im Fernsehen und in sozialen Medien übertragen. Nach Angaben der Stadtverwaltung fand diese Zeremonie seit 1953 - dem Ende des dreijährigen Korea-Kriegs - jedes Jahr statt.

China: Kaum Einschränkungen

Weil in China die Corona-Pandemie unter Kontrolle ist und es kaum noch Infektionen gibt, hat das neue Jahr in der Volksrepublik ohne große Einschränkungen begonnen. Allerdings ist Silvester für die Chinesen auch kein besonders wichtiger Feiertag. Nach ihrem traditionellen Mondkalender beginnt das neue Jahr erst im Februar.

Erst dann beginnt eine große Reisewelle, in der sich Hunderte Millionen durchs Land bewegen, um ihre Familien zu besuchen. Erst dann wird auch richtig groß gefeiert. Dennoch wurden am Freitag um Mitternacht in einigen Städten Feuerwerke gezündet. Auch in Wuhan, der Stadt des Corona-Ausbruchs, war eines geplant gewesen.

Im fast coronafreie Taiwan gab es eine große Pyrotechnik-Show am Wolkenkratzer „Taipei 101“ in Taipeh.

Mit einem farbenprächtigen Feuerwerk samt Lasershow am höchsten Gebäude der Welt hat Dubai um 21 Uhr MEZ das neue Jahr begrüßt. Nach dem traditionellen digitalen Countdown an der angestrahlten Fassade des 828 Meter hohen Burdsch Chalifa in der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wurde die Skyline um Mitternacht in einem Rausch von Farben erhellt.

Show ohne Publikum in Dubai

Die gesamte Show dauerte rund acht Minuten. Sonst verfolgen mehr als eine Million Zuschauer vor Ort das Spektakel. Dieses Jahr konnten nur vereinzelt Zuschauer auf reservierten Plätzen in umliegenden Restaurants dabei sein.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, galten in der gesamten Stadt strenge Schutzmaßnahmen. Neben Zugangsbeschränkungen waren auch Wärmebildkameras im Einsatz und Ordner, die darauf achteten, dass Touristen und Anwohner Abstandsregeln einhielten.

Bei Verstößen drohten auch am frisch angebrochenen Neujahrstag noch hohe Geldstrafen. Das wirkte offenbar: In der Live-Übertragung im Internet glich die sonst packevolle Flaniermeile einem Geisterort.

Auch in der Hauptstadt Abu Dhabi wurde das neue Jahr mit einem pompösen Feuerwerk entlang der Strandpromenade zelebriert.

Weltweit Einschränkungen

Weltweit sind viele Partys und Feuerwerke abgesagt worden, zum Beispiel in Rio, Sao Paulo, Amsterdam und London. In New York soll der „Ball Drop“ am Times Square, ein fallender leuchtender Kristallball an einem Mast, nur vor wenigen Leuten statt wie sonst Tausenden stattfinden. In Wien gibt es heuer keinen Silvesterpfad. In Moskau war trotz Corona-Sperrstunde ein großes Feuerwerk am Kreml geplant - um 22 Uhr MEZ.

In Südamerika müssen sich die Menschen noch etwas länger gedulden: Teile Brasiliens und Argentinien können das neue Jahr erst um 4 Uhr MEZ begrüßen, um 6 Uhr folgt New York, um 9 Uhr Los Angeles und erst um 11 Uhr Honolulu in Hawaii.

Ausgangssperre in Paris

Mit nächtlicher Ausgangssperre und einem hohen Polizeiaufgebot bereitet sich Frankreich auf den Start ins neue Jahr vor. Insgesamt seien 132 000 Einsatzkräfte im Dienst, um unter anderem die Einhaltung der Ausgehsperre zu überprüfen, schrieb Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin auf Twitter. In einigen französischen Départements ist wegen der Corona-Pandemie auch der Verkauf von Alkohol verboten oder eingeschränkt.

Ursprünglich hatte die geltende Ausgehsperre von 20 Uhr bis 6.00 Uhr wie auch an Heiligabend an Silvester ausgesetzt werden sollen. Die Regierung sah von dieser Lockerung jedoch ab. Private Treffen zuhause sind am Silvesterabend möglich. Dabei soll man sich aber an eine Maximalzahl von sechs Erwachsenen halten.

Wie Stanislas Gaudon von der Polizeigewerkschaft Alliance dem französischen Sender Franceinfo sagte, ist die Zahl der Einsatzkräfte so hoch wie nie. Man werde ein bisschen Jagd auf heimliche Feste machen. Wer solche Feste organisiere, riskiere Sanktionen.

Italien schimpft über 2020

Fast jeder hat einen guten Grund, sich über das Corona-Jahr 2020 zu beschweren. Deshalb hat eine italienische Werbeagentur eine Webseite eingerichtet, auf der die Italiener kreativ ihren Frust über das Annus Horribilis ablassen dürfen. Die Begrüßung des neuen Jahres mit neu aufgetauchten „Bombe Covid“-Knallern wird in Italien hingegen wohl weniger heftig ausfallen als von den Produzenten geplant: Wie die Polizei mitteilte, wurden italienweit 300 Kilo illegal hergestellte Böller beschlagnahmt, darunter auch jene Knallkörper, die sich an die Coronapandemie inspirieren.

Ruhiger als in den Vorjahren hat in Berlin der Silvesterabend begonnen. Seit 19 Uhr ist die Feuerwehr im üblichen „Ausnahmezustand Silvester“, wie es bei den Helfern heißt. Nach Angaben eines Sprechers gab es bislang keine besonderen Vorkommnisse.

Ähnlich äußerte sich die Polizei, die mit rund 2900 Kräften im Einsatz ist. In den Straßen im Wedding, Kreuzberg und Neukölln waren am Abend immer wieder Böller- und Raketenschüsse zu hören. Verglichen mit den Vorjahren hielt sich der Lärmpegel zunächst aber in Grenzen.

Polizeieinsätze in Berlin

Im Märkischen Viertel, in der Gropiusstadt sowie am Hermannplatz habe die Polizei dennoch eingreifen müssen, weil sich dort Gruppen versammelt hätten. „Zünden von Pyro, Feuern aus Schreckschusswaffen, Konsum von Alkohol - die von unseren Kolleg. aufgenommenen Personalien füllen gleich mehrere Anzeigen“, teilte die Polizei auf Twitter mit.

Am Brandenburger Tor, wo sonst zu Silvester Hunderttausende Menschen feiern, blieb es zunächst weitgehend leer. Das große Feuerwerk, das dort üblicherweise gezündet wird, war abgesagt worden. Das ZDF überträgt von dort live ihre Silvester-Show, bei der auch Musiker wie Jürgen Drews oder die Band Karat auftreten sollten - allerdings ohne Publikum.

Feuerwerkskörper durften in diesem Jahr nicht verkauft werden. Der Berliner Senat richtete zudem 56 Verbotszonen ein, in denen das Abbrennen von Böllern und Raketen verboten ist. Seit dem frühen Nachmittag war auch der Alkoholverkauf im Einzelhandel untersagt.

Mit den Maßnahmen will der Senat dafür sorgen, dass weniger Verletzte in den ohnehin schon ausgelasteten Notaufnahmen versorgt werden müssen und es in der Pandemie zu keinen größeren Menschenansammlungen kommt.

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