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Chronik Welt
04/12/2020

"Einsames Osterfest": Papst mahnte Europa zu Solidarität

Der Pontifex hat im leeren Petersdom die Ostermesse gefeiert - er gedachte vor allem der Corona-Erkrankten und der Todesopfer. Auch politische Botschaften hatte der Pontifex heuer.

Papst Franziskus hat die üblicherweise große Ostermesse wegen der Corona-Krise in ganz kleinem Rahmen gefeiert. Der Gottesdienst begann am Sonntagvormittag im fast leeren Petersdom. Normalerweise feiert der Papst das Fest der Auferstehung von Jesus Christus vor Zehntausenden Besuchern im Freien auf dem blumengeschmückten Petersplatz. Gegen 12 Uhr hat das 83 Jahre alte katholische Kirchenoberhaupt den Segen „Urbi et Orbi“ gesprochen.

Ungewisse Zukunft

In seiner Osterbotschaft gedachte das Kirchenoberhaupt vor allem der Corona-Erkrankten und der Todesopfer, deren Familien sich in vielen Fällen ja nicht von ihren Angehörigen verabschieden hätten können. Er dankte außerdem all jenen Menschen, die sich für Dienste einsetzen, die zum gesellschaftlichen Zusammenleben notwendig sind, wie Ordnungskräfte und Militär. Franziskus bat um Kraft und Hoffnung für die Ärzte sowie die Krankenschwestern und Pfleger, die "überall ein Zeugnis der Fürsorge und Liebe für ihren Nächsten bis zur Erschöpfung" seien und nicht selten bis zum Opfer der eigenen Gesundheit arbeiteten.

Franziskus äußerte gleichzeitig die Hoffnung auf Trost und Hilfe für die besonders Gefährdeten - also Mitarbeiter von Pflegeheimen, Häftlinge und das Personal von Haftanstalten. Der Papst verkündete seine Osterbotschaft vor dem Confessio-Altar, unter dem sich laut Überlieferung das Grab des Apostels Petrus befinden soll. Er gestand ein, dass in diesem Jahr viele Gläubige ein "einsames Osterfest, inmitten von Trauer und Nöten, von körperlichem Leid bis hin zu finanziellen Schwierigkeiten" feierten. Viele Menschen sorgten sich angesichts der Corona-Krise um eine ungewisse Zukunft und um ihren Arbeitsplatz.

"Keine Gleichgültigkeit"

In diesen Wochen habe sich das Leben von Millionen von Menschen schlagartig verändert. "Für viele war der Aufenthalt zu Hause eine Gelegenheit nachzudenken, in der Hektik des Lebens innezuhalten, mit ihren Lieben zusammen zu sein und ihre Gesellschaft zu genießen. Für viele ist es aber auch eine Zeit der Sorge um eine ungewisse Zukunft, den drohenden Verlust eines Arbeitsplatzes und die anderen Folgen, die die gegenwärtige Krise mit sich bringt", sagte der Papst. Er ermutigte alle politisch Verantwortlichen, sich aktiv für das Gemeinwohl der Bürger einzusetzen und die Mittel bereitzustellen, die notwendig sind, um allen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Aufruf zu Schuldenerlass

Papst Franziskus gab sich darüberhinaus auch politisch: Diese Zeit erlaube "keine Gleichgültigkeit"; Franziskus rief darum zu einem Schuldenerlass für arme Staaten wegen der Krise auf und forderte einen sofortigen weltweiten Waffenstillstand. Arme Länder seien kaum in der Lage, sich gegen die Coronavirus-Pandemie zu stemmen. "Alle Länder sollten in die Lage versetzt werden, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, indem Schulden, die die Staatshaushalte der ärmsten Länder belasten, teils oder sogar ganz erlassen werden", sagte er. Auch internationale Sanktionen müssten fallen. Die aktuellen Zeiten erlaubten "keinen Egoismus", betonte Franziskus. An die Europäer appellierte Franziskus, in der Krise "Solidarität" zu zeigen. Die EU stehe vor einer "epochalen Herausforderung" und müsse gegebenenfalls "neue Wege" einschlagen. 

Traditionell waren sonst Pilger in Massen extra für Ostern nach Rom geströmt. In diesem Jahr gelten jedoch international Reise- und Ausgangsbeschränkungen, um die Ausbreitung der Virus-Welle zu stoppen. Die Messe war aber im Internet zu sehen. Außerdem wurde sie von vielen Fernsehsendern weltweit gezeigt. 

"Dunkelste Stunde"

Der Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) ist der wichtigste der katholischen Kirche und wird zu WeihnachtenOstern und nach einer Papstwahl gesprochen. Wegen der Corona-Krise hatte der Papst am 27. März zusätzlich einen solchen Sondersegen gespendet. Üblicherweise wird er von der Loggia des Petersdoms gespendet. Am Sonntag wollte der Papst auch diesen Teil der Osterbotschaft im Dom verkünden.

Ostern ist für gläubige Christen das wichtigste religiöse Fest. Am Vorabend hatte Franziskus in der Messe zur Osternacht dazu aufgerufen, auch in „dunkelster Stunde“ Hoffnung zu haben. Der Papst warnte in der großen Basilika, in der nur wenige Zuhörer saßen, vor Pessimismus. Hoffnung sei etwas anderes als „bloßer Optimismus“. Jesus habe den Tod überwunden, sagte er. „Geben wir daher nicht der Resignation nach, legen wir nicht einen Stein über die Hoffnung.“

Italien ist mit mehr als 19 000 Todesfällen von der Corona-Pandemie stark getroffen.

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