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Chronik Welt

Eskalation der Gewalt in Afghanistan: Mindestens 60 Tote

Ein mit Sprengstoff beladener LKW explodierte vor einem Krankenhaus. Viele Tote forderte zudem ein US-Luftschlag.

09/19/2019, 02:25 PM

Nach dem Abbruch der Gespr√§che √ľber Frieden in Afghanistan eskaliert die Gewalt in dem Land. Bei einem Taliban-Anschlag vor einem Krankenhaus in der s√ľdlichen Provinz Zabul und einem US-Luftangriff im √∂stlichen Nangarhar wurden am Donnerstag mindestens 60 Menschen get√∂tet. Dutzende weitere wurden verletzt.

Lokalen Beh√∂rdenvertretern zufolge detonierte am fr√ľhen Donnerstagmorgen (Ortszeit) in der Provinzhauptstadt Kalat ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen in einer Stra√üe zwischen dem staatlichen Krankenhaus und einem Geb√§ude des Geheimdienstes NDS. Dabei seien mindestens 20 Menschen get√∂tet und mehr als 90 verletzt worden, sagten Provinzr√§te. 30 davon schwebten in Lebensgefahr. Die Taliban reklamierten den Angriff f√ľr sich. Ziel sei das Geb√§ude des Geheimdienstes gewesen.

Auch Kinder unter Opfern

Unter den Opfern seien aber viele Zivilisten, darunter auch Kinder, gewesen, die im Krankenhaus zur Behandlung waren, hie√ü es weiter. Das Krankenhaus sei schwer besch√§digt worden, die Versorgung von Patienten habe eingestellt werden m√ľssen.

Experten hatten nach dem Abbruch der Gespr√§che zwischen den USA und den Taliban √ľber Wege zu Frieden in Afghanistan vor einer Zunahme der Gewalt im Land gewarnt.

In sozialen Medien geteilte Bilder von dem Anschlag in Kalat zeigten massive Schutthaufen, mehrere völlig zerstörte Rettungswägen sowie Schäden im Inneren des Krankenhauses. Sie zeigten auch ein Baby, das von einem Polizisten gehalten wurde. Es sei nach dem Anschlag gefunden worden, aber niemand wisse, wo die Mutter des Kindes sei, schrieb ein lokaler Journalist.

Lokale Medien berichteten, die meisten Verletzten w√ľrden in privaten Krankenh√§user behandelt, einige h√§tten aber auch ins benachbarte Kandahar gebracht werden m√ľssen. Kandahar-Stadt ist mehr als eineinhalb Autostunden entfernt. Das Verteidigungsministerium teilte in einer Erkl√§rung mit, man werde Rache an den Taliban nehmen.

Erst am Mittwoch waren bei einem Selbstmordattentat und bewaffneten Angriff auf eine Regierungsbehörde in der östlichen Stadt Jalalabad nach Angaben des Provinzgouverneurs mindestens sieben Menschen getötet worden. Am Dienstag kamen bei zwei Selbstmordattentaten der Taliban in der Provinzhauptstadt Tscharikar und in der Hauptstadt Kabul mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen.

Tote Zivilisten bei US-Luftschlag gegen IS-Terroristen

Bei einem US-Luftschlag in der √∂stlichen Provinz Nanagarhar sind in der Nacht auf Donnerstag mindestens 40 Zivilisten get√∂tet worden. 40 weitere Menschen seien verletzt worden, sagten drei Regierungsvertreter. Der Angriff der afghanischen Sicherheitskr√§fte mit Unterst√ľtzung der USA in der Nacht zuvor h√§tte ein Versteck der Islamisten-Miliz IS zum Ziel gehabt. Stattdessen seien aber Bauern in der N√§he eines Feldes getroffen worden.

Das Verteidigungsministerium in Kabul bestätigte den Angriff, äußerte sich aber nicht zur Zahl der Todesopfer. Einem Sprecher des Provinzgouverneurs zufolge kamen bei dem Angriff mindestens neun Menschen ums Leben.

Ein Sprecher der US-Streitkr√§fte in Afghanistan sagte, US-Kr√§fte h√§tten einen "Pr√§zisionsschlag" in Nangarhar gegen IS-Terroristen ausgef√ľhrt. Man sei sich der Vorw√ľrfe des Todes von Nichtkombattanten bewusst und arbeite mit lokalen Beamten zusammen, um die Fakten zu ermitteln. So wolle man sicherstellen, dass dies keine List sei, um die Aufmerksamkeit von jenen Zivilisten abzulenken, die im Krankenhaus in Zabul von den Taliban ermordet worden seien.

Die Provinzr√§tin Fauzia Kakar sagte, viele der Opfer seien aber Zivilisten, darunter Kinder, die im Krankenhaus zur Behandlung waren. Dem Provinzrat Atta Jan Hakbajan zufolge wurde das Krankenhaus schwer besch√§digt, am Geb√§ude des Geheimdienstes sei nur eine Wand eingest√ľrzt. Hakbajan sprach sogar von mindestens 20 Toten, darunter zwei Polizisten, die das Krankenhaus bewachten.

In sozialen Medien geteilte Bilder von dem Anschlag in Qalat zeigten massive Sch√§den an der Stra√üe sowie im Inneren des Krankenhauses. Lokale Medien berichteten, die meisten Verletzten w√ľrden in privaten Krankenh√§user behandelt, einige h√§tten aber auch ins benachbarte Kandahar gebracht werden m√ľssen. Kandahar-Stadt ist mehr als eineinhalb Autostunden entfernt.

Nachdem Friedensgespr√§che zwischen den Taliban und den USA Anfang des Monats scheiterten, gibt es vermehrt Anschl√§ge der Extremisten. Erst am Mittwoch waren bei einem Selbstmordattentat und bewaffneten Angriff auf eine Regierungsbeh√∂rde in der √∂stlichen Stadt Jalalabad nach Angaben des Provinzgouverneurs mindestens sieben Menschen get√∂tet worden - zwei Zivilisten, zwei Polizisten sowie drei Angreifer. Der Angriff, zu dem sich bisher niemand bekannte, konnte erst nach f√ľnf Stunden von der Polizei beendet werden.

Am Dienstag waren bei zwei Selbstmordattentaten der Taliban in der Provinzhauptstadt Charikar und in der Hauptstadt Kabul mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen. Gleichzeitig berichteten Militärs von einer Zunahme an Offensivoperationen gegen Taliban-Kämpfer in mehreren Provinzen des Landes in den vergangenen Tagen.

US-Pr√§sident Donald Trump sagte vor kurzem ein geplantes Geheimtreffen mit den Taliban ab, nachdem Anfang September bei einem Anschlag in Kabul zw√∂lf Menschen get√∂tet worden waren, unter ihnen auch ein US-Soldat. Die Gespr√§che mit den Taliban, die den Weg f√ľr einen US-Truppenabzug und f√ľr Frieden in Afghanistan bereiten sollten, erkl√§rte Trump f√ľr "tot".

Experten hatten nach dem Abbruch der Gespr√§che zwischen den USA und den Taliban √ľber Wege zu Frieden in Afghanistan vor einer Zunahme der Gewalt im Land gewarnt.

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