Anti-Inszenierungs-Video: Dornauer-Nachfolger Wohlgemuth mit schrägem KI-Video

Wahlkampfvideo mit KI-Einstellungen. Dornauer-Referenzen bestreitet Wohlgemuth freilich.
Anti-Inszenierungs-Video: Dornauer-Nachfolger Wohlgemuth mit schrägem KI-Video

Die Tiroler SPÖ macht den neuen Parteichef Philip Wohlgemuth zum "Kinostar": In einem Kampagnenvideo mit KI-Elementen wird Wohlgemuth zunächst als fiktiver Society-Löwe, muskelbepackter "Rettungsschwimmer", DJ und waghalsiger Skeletonfahrer inszeniert. 

Um all das gehe es nicht in der Politik, er sei anders, folgt dann die prompte reale Auflösung. Eine Anspielungen auf seinen Vorgänger Georg Dornauer, der ja als durchaus inszenierungsoriginell bekannt war? Das freilich verneinte Wohlgemuth bei der Präsentation am Donnerstag im Innsbrucker Metropol-Kino. 

Aber: "Politik ist mehr als Schickimicki und Showeinlagen. Aber genau so stellen sich heutzutage leider viele die Politik vor: laut, protzig und Selfie-tauglich." Der Spot wird in allen Tiroler Kinos laufen und auch auf Social Media breitflächig ausgespielt.

Genau dafür stehe er aber nicht - er stehe für eine andere Politik. Er stehe für Stabilität, Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und harte Arbeit - fernab jeder Inszenierung. "Man trifft mich nicht auf Roten Teppichen oder bei irgendwelchen Schickimicki-Veranstaltungen. Und vielleicht lache ich auch zu selten aus den Adabei-Seiten", präsentierte sich der 39-jährige Landeshauptmannstellvertreter als "Normalo", der ganz nah bei den Menschen ist. Ihm gehe es nicht um Schlagzeilen, sondern um die Arbeit für ein gutes Leben für die Tiroler Bevölkerung. Er habe ein Politikverständnis, das sich bewusst von "Lautstärke, Dauerempörung und Selbstdarstellung" abgrenze.

Sozialdemokratische "Erlösung"

In dem rund zweiminütigen Video griff die Landespartei indes in die Vollen und wollte quasi ein Übermaß an politischer Selbstinszenierung karikieren. Wohlgemuth wird hier - umgeben von Beratern und Social-Media-Leuten - von einem (Inszenierungs)-Termin zum nächsten gehetzt. Eine "Image-Offensive" lässt ihn an einem "Benefiz-Hummeressen" teilnehmen und - durch die Bank mit Hilfe Künstlicher Intelligenz - zum "DJ Red Phili" bei einem "Aufleger-Skater-Contest" mutieren, als oberkörperfreier Baywatch-Verschnitt im Hallenbad auftreten und den Eiskanal - in Anspielung auf die Causa rund um Bau-Probleme in Innsbruck-Igls - wagemutig mit dem Kopf voraus hinunterbrettern.

Die Auflösung bzw. sozialdemokratische "Erlösung" kommt dann mit dem gewohnten, seriös auftretenden Wohlgemuth in Anzug und Hemd, der eindringlich und mit ernster Miene klar macht: "Um das geht's nicht in der Politik." Den Einsatz der KI "rechtfertigte" und begründete Landesgeschäftsführerin Eva Steibl-Egenbauer indes damit, dass man überspitzt sichtbar machen wolle, "wofür wir stehen - und wofür eben nicht." Die FPÖ etwa nutze KI hingegen dafür, politische Mitbewerber zu diskreditieren und anzugreifen.

Dornauer kein Thema

Keinesfalls beinhalte das Video versteckte Seitenhiebe gegen seinen Vorgänger, den mittlerweile aus der Partei ausgeschlossenen Dornauer, betonte Wohlgemuth auf Nachfrage. Diesem war und wird beständig vorgeworfen, zu sehr Scheinwerfer und Society zu suchen sowie zu viel auf Schlagzeilen und Inszenierung fokussiert zu sein. 

Und mit nacktem Oberkörper trat der von der Tiroler SPÖ Verstoßene auch schon mal in einem Wahlkampfspot auf. Trotzdem bestand Wohlgemuth: "Das ist keine Anspielung auf Georg Dornauer. Das hat nichts mit ihm zu tun. Es geht allein darum, was sich leider viele Menschen unter Politik vorstellen." Er habe jahrelang gut mit Dornauer zusammengearbeitet und auch in der Phase des endgültigen Bruchs nie ein schlechtes Wort über diesen verloren.

Wohlgemuth führt die Tiroler SPÖ seit Ende 2024. Im Herbst 2027 ist die nächste planmäßige Wahl.

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