Gericht entscheidet: Mozartkugel darf nicht mit "Originalrezept" beworben werden
Symbolbild
Der Streit um die Herkunft der Mozartkugel in Salzburg geht weiter. Nachdem im Sommer 2025 Historiker Gerhard Ammerer ein Inserat in der Tageszeitung "Die Presse" vom 3. Februar 1881 über die "Salzburger Spezialität Mozartkugeln - handgefertigt von R. Baumann, Conditor, Salzburg" entdeckt hatte, bewarb dessen Nachfolger Holzermayr seine Mozartkugel mit "Nach dem Originalrezept von 1880". Das darf er nun per - nicht rechtskräftigem - Gerichtsbeschluss nicht mehr.
Das Salzburger Landesgericht gab mit Beschluss vom 19. Jänner dem Antrag der Café-Konditorei Fürst auf eine einstweilige Verfügung gegen Holzermayr statt, bestätigte ein Gerichtssprecher der APA Berichte von "Presse" und "Salzburger Nachrichten" am Samstag. Der Beschluss sei noch nicht rechtskräftig. Die Konditorei Fürst verkauft die "Original Salzburger Mozartkugel" und wirbt dabei mit der Erfindung durch den Vorfahren Paul Fürst im Jahr 1890.
Kein Originalrezept, keine Werbung damit
Die Bezeichnung "nach dem Originalrezept von 1880" setze zwingend voraus, dass das Originalrezept aus dem Jahr 1880 bekannt sei, so das Gericht. Es sei jedoch bisher nicht vorgelegt worden. Das räume auch der Anwalt der Confiserie Holzermayr, Clemens Thiele, ein. Sprich: Wenn kein Originalrezept aus dem Jahr 1880 vorliege, könne das Produkt auch nicht so beworben werden.
Das Unternehmen reagierte bereits auf die einstweilige Verfügung und änderte den Slogan in "nach der Tradition von 1880". Wie dem Urteil zu entnehmen ist, werden die Pralinen nicht in Salzburg, sondern von der Lindt & Sprüngli (Austria) GmbH im niederösterreichischen Gloggnitz produziert. Für den Anwalt der Konditorei Fürst ist der neue Slogan "ebenso unhaltbar". Weitere rechtliche Schritte würden geprüft. "Ich bin kein Streithansl", betonte Geschäftsführer Martin Fürst gegenüber der Zeitung. "Aber solange handwerkliche Tradition gegen Industrieware ausgespielt wird, Fakten falsch dargestellt werden, werden wir das nicht auf uns sitzen lassen."
Frau als Erfinderin der Mozartkugel?
Holzermayr und ein Anwalt bringen nun Louise Karuth als Erfinderin der Mozartkugel ins Spiel, wussten die "SN". Karuth, zuvor Angestellte bei Baumann, wird in 1946 erschienenen Erinnerungen des Schriftstellers Erhard Buschbeck (1889-1960) als Erfinderin der Mozartkugeln, in Stanniol verpackter Schokolade mit Marzipan, bezeichnet. Historiker Ammerer hält es für wenig plausibel, dass sie ein eigenes Rezept gehabt und nicht das von Baumann übernommen habe. Vielmehr seien von Karuth erstmals Zutaten für ihre Kugeln überliefert. Dass Holzermayr mit dem "Originalrezept" geworben habe, sei ein "Schnellschuss" gewesen, meint Ammerer. Er habe nach den Medienberichten im Vorjahr neue Erkenntnisse in sein Buch zur Geschichte der Mozartkugel einarbeiten müssen. Es soll im April erscheinen.
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