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Chronik Österreich
06/25/2021

ZAMG-Experte zu Unwettern: "Man musste sich fast die Augen reiben"

ZAMG-Experte Georg Pistotnik spricht von "schlimmster Gewitterlage seit Jahrzehnten in Europa".

Georg Pistotnik, Klimaforscher der Zentralanstalt fĂŒr Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und nach Eigenaussage "leidenschaftlicher Gewitterforscher", war am Donnerstagabend im Weinviertel unterwegs. "Den Tornado selbst habe ich nicht gesehen, aber heftigste Gewitter." In dem Ausmaß dĂŒrfte er so eine Wetterlage noch nicht erlebt haben: "Es war extrem. Ohne zu ĂŒbertreiben kann man sagen, es war die schlimmste Gewitterlage seit Jahrzehnten in Europa", sagte Pistotnik der APA.

Völlig ĂŒberraschend seien die Unwetter fĂŒr die Experten aber nicht gewesen: "Wenn man die Wetterkarten gesehen hat, musste man denken, man glaubt es fast nicht. Man musste sich fast die Augen reiben." Eines der Gewitter habe in der Tschechischen Republik nahe der Grenze eben einen ungewöhnlich ausdauernden und fĂŒr europĂ€ische VerhĂ€ltnisse auch heftigen Tornado ausgelöst.

FĂŒr die kommenden Tage muss man sich wenig Sorgen machen, dass weitere Wetterereignisse in dieser Dimension auf Österreich zukommen. "Es ist zunehmend harmloser. Heute sind im SĂŒdosten Gewitter zu erwarten, aber das steht in keinem Vergleich zu gestern", erwartet Pistotnik, der dementsprechend am Freitag nicht erneut ausrĂŒcken wird. Dazu habe es auch im Weinviertel einige SturmschĂ€den gegeben, die bei weitem noch nicht erfasst seien. "Es dauert sicher einen Tag, bis wir einen Überblick haben."

Wetterlage Ende Juni prÀgt oft Sommer

Eine Bauernregel besagt, dass Regen am SiebenschlĂ€fertag (27. Juni) Regen fĂŒr sieben Wochen bedeutet. "Das ist natĂŒrlich Blödsinn. Was man aber sagen kann, ist dass sich die Wetterlage im Zeitraum Ende Juni relativ hĂ€ufig umstellt und dann die vorherrschende Wetterlage im Sommer bleibt", erlĂ€uterte Pistotnik, der zugleich darauf hinwies, dass Langfristprognosen, also fĂŒr Monate oder gar Saisonen, "Experimentalcharakter" haben und daher mit großer Vorsicht zu genießen sind. Wenn man sich aber die Prognose fĂŒr die kommenden Tage ansehe - zu Beginn der kommenden Woche soll es wieder heiß werden -, dann könnte man von einem von Hitzewellen, aber auch von Gewittern geprĂ€gten Sommer 2021 ausgehen. Das fußt eben auf den Erfahrungswerten, dass Ende Juni relativ hĂ€ufig die Wetterlage entsteht, die fĂŒr den Sommer prĂ€gend ist.

Und wie wirkt sich der Klimawandel auf die Extremereignisse aus? "Die banalste Aussage ist, dass, wenn die Temperatur zunimmt - denn das ist eine GrĂ¶ĂŸe, die relativ berechenbar ist -, es mehr Hitzewellen im Sommer und weniger KĂ€ltewellen im Winter gibt", erlĂ€uterte Pistotnik. Beim Niederschlag sei das wesentlich schwieriger zu berechnen, und das sei ein Prozess, der derzeit lĂ€uft. Hier mĂŒsse man die Klimatabellen auswerten und schauen, "ob sie die Gegenwart gut reprĂ€sentieren. Beim Niederschlag gebe es Perioden fast ohne Niederschlag und kurze Perioden mit sehr intensiven NiederschlĂ€gen, bei Hitzewellen etwa.

Was die Experten aber schon glauben, feststellen zu können: Der Niederschlag wird nicht mehr in Mitteleuropa, er verlagert sich aber tendenziell in den Winter und fĂ€llt weniger als Schnee. Pistotnik prognostizierte, dass es in Wien zum Beispiel oder in Graz bald Winter komplett ohne Schnee geben wird. Die Sommer werden von weniger Regen als in der Vergangenheit geprĂ€gt sein. Wenn es aber regnet, dann heftig, und er fĂ€llt dann auf einen trockenen Boden, der das Wasser nur unzureichend aufnehmen kann. "Hier mĂŒssen wir ganz stark von den sĂŒdeuropĂ€ischen Staaten lernen. Italien etwa hat hier in den vergangenen Jahren schon sehr viel gemacht", sagte der Klimaforscher der ZAMG.

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