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Chronik | Österreich
03/23/2019

Zahnarzt statt OP: Herzpatient starb

Uni-Klinikum Graz:70-Jähriger wurde vor dringender Herzoperation entlassen. Krankenhaus wurde angezeigt

Er wollte nicht gehen. Doch die Ärzte des Uni-Klinikums Graz schickten Peter S. nach Hause. Nur wenige Tage später war er tot. Die steirische PatientInnen- und Pflegeombudsschaft hat nun Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, wie die Kleine Zeitung berichtet.

Der 70-Jährige musste laut Bericht wegen einer Herzerkrankung dringend operiert werden. Laut Patientenombudsfrau Renate Skledar soll er an einer Aortenklappenstenose gelitten haben. Ein erster Eingriff hatte auf der Kardiologie bereits stattgefunden, als im Jänner vor der Herz-OP auf der Herzchirurgie ein „beherdeter“ Zahn festgestellt wurde. Die Ärzte entschieden: Vor der Operation muss der Zahn behandelt werden. S. wurde entlassen – mit der Empfehlung, einen niedergelassenen Zahnarzt aufzusuchen, sagt Skledar.

Doch das sei ein fataler Fehler gewesen. Zuhause erlitt der Pensionist einen Anfall. „Nicht einmal der Notarzt konnte ihm helfen“, berichtet Skledar, an die sich S.’ Witwe gewandt hatte.

Die Patientenombudsfrau ließ den Fall von Kardiologen prüfen und sagt nun dem KURIER: „Nach deutschen Leitlinien hätte er nicht aus der stationären Observation entlassen werden dürfen.“

Warum das geschehen ist, sei unverständlich. Vor allem, da S. im Spital bleiben wollte und sogar darum gebeten habe, den Zahn von Ärzten der Zahnklinik ziehen zu lassen. „Ich verstehe nicht, warum man da nicht auf die eigene Klinik zurückgegriffen hat.“

Es ist nicht die erste Anzeige gegen das Uni-Klinikum, die heuer die Staatsanwaltschaft Graz beschäftigt.

Nach OP gestorben

Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass dort ein Patient nach einer Herztransplantation gestorben war, weil das Spenderorgan bei der Entnahme beschädigt worden war. Skledar schlug daraufhin beim Gesundheitsministerium Alarm und forderte eine Überprüfung der Grazer Abteilungen Herzchirurgie, Anästhesie und Kardiologie. Die Spitalsholding KAGES wies alle Vorwürfe zurück. Sogar ein Ende der Herztransplantationen in Graz regte die Ombudsfrau an. Die Fallzahlen seien zu klein, den Chirurgen fehle die Routine. Für Aufsehen sorgte auch der Fall eines Patienten, der heimgeschickt wurde, weil zwar ein Spenderherz, aber kein Chirurg verfügbar war.

Zuletzt erklärte die KAGES, ein sogenanntes Peer-Review-Verfahren beim Ministerium beantragt zu haben. Dabei werden externe Experten etwa der Herzchirurgie und Kardiologie hinzugezogen, die Fälle wie jenen von Patient Peter S. studieren sollen.

Bis zum Vorliegen des Ergebnisses – und da es sich im Fall S. um ein laufendes Verfahren handelt – wolle man vorerst inhaltlich keine Stellungnahme abgeben, sagt ein Sprecher.