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Chronik Österreich
12/11/2018

Wichtigste Baureserve Innsbrucks zerbröselt an ÖBB-Plänen

Der Traum von neuem Wohnraum am Areal des Frachtenbahnhofs scheint endgültig geplatzt zu sein.

von Christian Willim

Sozialer Wohnbau mitten in der sündhaft teuren Landeshauptstadt war das süßte Zuckerl, das die Befürworter einer (letztlich abgelehnten) Tiroler Bewerbung für Olympische Winterspiele 2026 im Körbchen hatten. In einer Machbarkeitsstudie wurde der Innsbrucker Frachtenbahnhof 2017 als praktisch alternativloser Standort für das Athletendorf präsentiert.

Die Brache gilt als das letzte große Areal zur Stadtentwicklung im Zentrum. 400 Wohnungen hätten hier entstehen sollen, die nach dem Auszug der Sportler für die Bevölkerung frei geworden wären. Das acht Hektar große Areal blieb auch nach dem Olympia-Nein Zukunftshoffnung. Die Pläne für einen neuen Stadtteil dürften nun aber zerbröselt sein.

Denn in der Beantwortung einer Anfrage der Stadt-SPÖ an den grünen Bürgermeister Georg Willi zu den Entwicklungschancen heißt es, dass laut Informationen vom ÖBB-Immobilienmanagement „entgegen bisheriger Erwartungen voraussichtlich das gesamte Frachtenbahnhofsareal auch für ein dauerhaftes Interventions- und Instandhaltungszentrum des BBT (Anm. Brenner Basistunnel) benötigt“ wird.

Unrealistische Pläne

Während die Olympia-Studie großzügig bereits den Großteil der Fläche neben dem Hauptbahnhof verplante, waren die ÖBB von Anfang an zurückhaltend, wie der KURIER schon im Zuge der Bewerbungspläne im Vorjahr berichtete. Der Flächenbedarf für besagten Stützpunkt sei„noch nicht im Detail bekannt“, hieß es damals.

Eine rechtzeitige Bebauung für Winterspiele schien auch unabhängig davon unrealistisch. Denn der Frachtenbahnhof wird für die BBT-Baustelle bis zur geplanten Fertigstellung des Tunnels zwischen Nord- und Südtirol im Jahr 2027/’28 von der ÖBB benötigt. Und zwar „in großen Teilen“, wie es in der Anfragebeantwortung heißt.

„Es gibt ohnehin nur wenige städtebauliche Entwicklungsgebiete, eines von diesen hat sich nun als Luftschloss erwiesen“, sagt SPÖ-Gemeinderat Benjamin Plach. Er zeigt sich verwundert, dass Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und die damalige Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) mit der Bebauung des Areals für Olympia warben.

Die ÖBB lässt indes durchaus noch Hoffnungsschimmer aufleuchten. „In welchem Ausmaß Fläche für den Bau und die Betriebsphase des BBT benötigt wird, ist noch nicht klar. Die Evaluierung läuft noch“, sagt Christoph Mair, der für Tirol zuständige ÖBB-Sprecher, auf KURIER-Anfrage.

Wenig Optimismus

Pläne, am Frachtenbahnhof einen neuen Stadtteil mit Wohnbebauung zu entwickeln, gibt es seit Anfang der 2000er-Jahre. Bürgermeister Georg Willi ist wenig optimistisch, dass daraus noch etwas wird. „Wir versuchen, dranzubleiben. Wenn sich eine Tür auftut, wird sie genutzt. Aber derzeit schaut es schwierig aus“, heißt es aus dem Büro des Stadtchefs.

Druckmittel könnten sich für die Stadtregierung allerdings ergeben, wenn man für die ÖBB-Baupläne am Bahnhof eine Widmungsänderung benötigt. Die müsste dann nämlich durch den Innsbrucker Gemeinderat.

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