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Chronik Österreich
07/08/2021

Wer hat „die Mutzenbacher“ wirklich geschrieben?

Historiker meint: Felix Salten war es nicht.

Aus Anlass einer Felix Salten-Ausstellung brachte Marcel Atze im Residenz-Verlag einen Buch-Katalog heraus, der sich mit Leben und Werk des berühmten Schriftstellers beschäftigt. In einem der Beiträge geht der renommierte Historiker Murray G. Hall der Frage nach, ob der Pornoklassiker „Josefine Mutzenbacher“ – wie lange vermutet – tatsächlich von Salten stammt. Hall kommt zu dem Schluss: „Die Geschichte einer Wienerischen Dirne“ hat ein anderer geschrieben.

Juristisch ist die Frage längst geklärt. Schwiegersohn und Enkelin von Salten haben mehrere Prozesse geführt, die beweisen sollten, dass Salten das Buch geschrieben hat – und sie somit Bezugsberechtigte der Tantiemen wären. Diese Prozesse verloren die Nachfahren des Autors in allen Instanzen.

Keinerlei Beweise

Es gibt somit keinerlei Beweise, dass Felix Salten das Buch geschrieben hat.

Allerdings: Es gibt auch keinerlei Beweise, dass er es NICHT geschrieben hat.

Immerhin waren Literaten und Zeitzeugen wie Arthur Schnitzler, Karl Kraus, Fritz Hochwälder und Friedrich Torberg überzeugt davon, dass „die Mutzenbacher“ der Feder Saltens entstammen würde.

Fest steht: „Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne“ ist 1906 anonym in einem Privatdruck erschienen. Wer immer das Buch geschrieben hat: Er musste damals mit einer gesellschaftlichen Ächtung rechnen, wenn sein Name als Autor bekannt geworden wäre.

Lizenzgebühr

In den 1970er-Jahren wurde das Buch, herausgegeben vom Verlag Rogner & Bernhard, zum Bestseller, der auch verfilmt wurde.

1987 meldeten sich dann die Erben Felix Saltens, der mit der (und das ist sicher) von Walt Disney verfilmten Tiergeschichte „Bambi“ Weltruhm erlangt hatte. Sie klagten den Verlag auf Zahlung einer Lizenzgebühr für alle bisher verkauften Bücher.

Die Kläger verloren das Verfahren wegen Verjährung. Daher spielt es laut Landgericht München keine Rolle, „dass die Fachwelt möglicherweise sogar zu Recht Felix Salten als Urheber der ,Josefine Mutzenbacher‘ ansieht.“

Das heißt: Den Erben stehen keine Tantiemen zu, aber es ist durchaus möglich, dass Salten der Verfasser ist.

Ein anderer Autor

Murray G. Hall ist anderer Meinung: Michael Farin, ein Kenner erotisch-pornografischer Schriften, hat 1991 erklärt, dass ein gewisser Ernst Klein (1876-1951), Autor pornografischer Romane, „die Mutzenbacher“ geschrieben hätte, was anhand „vergleichender Stiluntersuchungen zwischen der ,Mutzenbacher’ und Ernst Klein... eindeutig zugunsten Kleins ausgeht.“

Es bleibt also spannend.

Die Ausstellung „Im Schatten von Bambi, Felix Salten entdeckt die Wiener Moderne“ läuft noch bis 19. September im Wien Museum (1010 Wien Felderstraße 6-8) und in der Wienbibliothek im Rathaus.

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