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Chronik Österreich
10/03/2019

Warum Salzburg zu Österreichs Hotspot für Biosprit wird

Zellstofferzeuger Austrocell baut in Hallein eine Raffinerie für Holzabfälle und schließt Liefervertrag mit der OMV.

von Matthias Nagl

Die Raffinerie soll eine Restlverwertung der lukrativen Art werden. Bis Ende 2020 errichtet das Salzburger Unternehmen AustroCel in Hallein eine Bio-Ethanol-Anlage. Damit sollen aus Reststoffen der Zellstofferzeugung bis zu 30 Millionen Liter Treibstoff im Jahr werden. „Unser Hauptstandbein wird weiter der Textilzellstoff sein. Aber wir können mit der Veredelung von Abfällen, die bisher mitverbrannt wurden, dann substanzielle Gewinne machen“, sagt Geschäftsführer Jörg Harbring.

Das Endprodukt wird Benzin beigemischt und soll rund ein Prozent des jährlichen Benzinverbrauchs in Österreich ersetzen. Die Baubewilligungen liegen seit kurzem vor. Mit der OMV hat die frühere Hallein Papier bereits einen Liefervertrag über mehrere Jahre abgeschlossen.

Kosten: 42 Millionen Euro

Die Kosten für die Bio-Raffinerie betragen 42 Millionen Euro und sind Teil eines Investitionspakets über insgesamt 60 Millionen Euro bis 2020. Die Produktion wird ein österreichweites Novum. „Es ist die erste Anlage auf Basis von Abfallstoffen“, erklärt Harbring. Somit ist die Raffinerie die erste zur Herstellung von Bio-Ethanol der zweiten Generation, sogenannter fortschrittlicher Biokraftstoffe.

Die Resteverwertung bei AustroCel erfolgt in mehreren Stufen. Zunächst wird aus dem Fichten-Restholz der Sägeindustrie reine Cellulose gewonnen, die zu Textilfasern verarbeitet wird. In der neuen Anlage wird aus dem verbliebenen Holzzucker durch Fermentierung und Destillation Biotreibstoff. Schließlich werden bei AustroCel noch die Reste im eigenen Biomasse-Heizkraftwerk verbrannt und damit 30.000 Haushalte mit Strom und 14.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt.

Die Resteverwertung soll ein wichtiges Standbein für Austrocel werden. Im Vollbetrieb soll die Produktion des Bio-Ethanols 15 Prozent des Umsatzes ausmachen, der aktuell bei 146 Millionen Euro liegt. 2017 war das Unternehmen von der Schweighofer Gruppe an die Investorengruppe Towerbrook Capital Partners verkauft worden.