Gleisdorf wurde von einem Hagelsturm überzogen.

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Chronik Österreich
06/29/2020

Unwetter: Hagel, Überflutungen und mehr als 500.000 Euro Schaden

In Kärnten, der Steiermark, Salzburg und OÖ gab es heftige Unwetter mit Hagelschäden in der Höhe von mehr als 500.000 Euro.

Zahlreiche Unwetter haben in der Nacht auf Montag und am Montag in Kärnten, der Steiermark, Oberösterreich und Salzburg teils für große Schäden gesorgt. Am Montag war vor allem der Süden schwer betroffen. In Kärnten und der Südoststeiermark gab es 71 Feuerwehreinsätze wegen überfluteter Keller, Bäche und Straßen sowie Verklausungen.

Im Raum Gleisdorf setzte eine Straßenmeisterei gar einen Schneepflug ein, um Äste, Laub und Hagel von den Straßen zu bekommen. Am frühen Nachmittag waren noch rund 200 Einsätze zu bewältigen.

Sturmschäden in der Steiermark

Montagmittag sind heftige Niederschläge, Sturmböen und Gewitter durch Teile der Steiermark gezogen und haben Schäden angerichtet. Bereits kurz nach Mittag waren laut Landesfeuerwehrverband Steiermark 57 Wehren mit rund 100 Mann im Einsatz. Besonders stark betroffen waren Graz-Umgebung und der Bezirk Weiz. Im Großraum Gleisdorf in der Oststeiermark kam es zu Überschwemmungen, Bäume wurden entwurzelt.

Die Friesacher Straße (B317) musste ab Scheifling in Richtung Perchau am Sattel nach einem Murenabgang gesperrt werden. In Graz war neben Starkregen auch etwas Hagel mit dabei.

Hagelabwehr Graz

Die Flieger der Hagelabwehr sind bereits seit Vormittag in der Luft. Mit einem speziellen chemischen Gemisch können sie die eine oder andere Gewitterwolke "entschärfen".

Hagelabwehr Graz

Bei einem Einsatz wird eine 6%ige Silberjodid-Azetonlösung verbrannt. Während das Azeton rückstandsfrei verbrennt, werden unzählige Silberjodidkristalle freigesetzt und in die hagelträchtige Gewitterwolke eingebracht.

Hagelabwehr Graz

Zu den natürlichen Kondensationskernen wird somit eine Verbindung hergestellt und dadurch die Bildung kompakter Wassermoleküle erreicht. Das Auftreten des so genannten Katastrophenhagels wird somit verhindert. Als Vorraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz gilt der Grundsatz: Zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. 

500.000 Euro Schaden

In Kärnten wurde die Landwirtschaft stark getroffen. Auf einer Fläche von 2.200 Hektar wurden Ackerkulturen (Getreide, Mais, Kürbis, Kartoffel) sowie das Grünland teilweise massiv zerstört. „Nach ersten Erhebungen der Sachverständigen der Österreichischen Hagelversicherung entstand ein Gesamtschaden in der Landwirtschaft in der Höhe von 500.000 Euro“, sagte Hubert Gernig, der zuständige Landesleiter in Kärnten.

Das heftige Unwetter hat am Sonntagabend die Feuerwehren rund um die Gemeinde Metnitz auf Trab gehalten. Wie die Polizei in einer Aussendung mitteilte, wurden Keller überflutet und eine Ortswasserleitung beschädigt. Straßen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Das Unwetter mit Starkregen hatte gegen 18.45 Uhr begonnen - ein Bach trat über die Ufer, in den Ortschaften Oberhof und Unteralpe musste die Feuerwehr mehrere Keller auspumpen.

Schweres Unwetter in Kärnten verursacht eine halbe Million Euro Schaden

Die Metnitztal Landesstraße wurde an mehreren Stellen unterspült und überflutet sowie von umgestürzten Bäumen blockiert. Die Straße musste bis 22.00 Uhr gesperrt werden. In der Ortschaft Mödring wurde die Ortswasserleitung beschädigt, bis Montagfrüh gab es hier noch keine Wasserversorgung.

Im Vellachtal wurden rund 20 Kilometer des ländlichen Wegenetzes schwer beschädigt. Ein Bauernhof war vorerst von der Außenwelt abgeschnitten. Die Freiwilligen Feuerwehren Metnitz, Grades, Glödnitz und St. Salvator standen mit etwa 80 Feuerwehrleuten im Dauereinsatz.

++ HANDOUT ++ KÄRNTEN: UNWETTER - MEHRERE KELLER IM KÄRNTNER METNITZTAL ÜBERFLUTET

Wassermassen "kaum beherrschbar"

Auch in Salzburg hat eine Gewitterfront mit Starkregen am späten Sonntagabend im Flachgau eine Reihe von Feuerwehreinsätzen nötig gemacht. Innerhalb einer Stunde fielen etwa bei der Messstelle Mattsee 35 Liter Regen. In Summe mussten die Feuerwehren von zehn Orten zu insgesamt 45 verschiedenen Einsätzen ausrücken.

306 Feuerwehrleute halfen dabei, Keller auszupumpen, Verklausungen zu entfernen oder Wasser von überfluteten Straßen zu entfernen. In einem Fall musste auch ein umgestürzter Baum entfernt werden. Schwerpunkt der Niederschläge war der Bereich von den Trumer Seen bis zum Wallersee.

OBERÖSTERREICH: ÜBERSCHWEMMUNGEN NACH STARKREGEN

Die selbe Unwetterfront hat in den oberösterreichischen Bezirken Braunau und Vöcklabruck mit lokal starkem Regen für Überflutungen gesorgt. Die Folge waren mehr als 120 Einsätze von 30 Feuerwehren in den Gebieten von St. Pantaleon und Zell am Moos. Die Wassermassen seien „kaum beherrschbar“ gewesen, hieß es beim Landesfeuerwehrkommando.

Innerhalb kurzer Zeit haben in den beiden Regionen Felder Straßen vermurt oder unterspült und zahlreiche Keller wurden mit Wasser und Schlamm geflutet. Die Feuerwehren hatten die ganze Nacht „alle Hände voll zu tun“, so das Landesfeuerwehrkommando weiter. Am Montagvormittag waren noch zehn Wehren dabei, die Schäden zu beseitigen. Insgesamt waren in Oberösterreich 117 Feuerwehren mit rund 1.800 Feuerwehrleuten im Einsatz.