Unterschätzte Gefahr im Skiurlaub: Von der Piste in den Lawinentod

Ein Hubschrauber landet in einem verschneiten Berggebiet, während ein Mann mit Funkgerät zusieht.
Wintersportler unterschätzen oft, dass Tiefschneehänge in Skigebieten zum freien Gelände gehören

Rund um Weihnachten und Silvester läuft der Skitourismus auf Hochtouren. Am Donnerstag konnten sich die Urlauber in Westösterreich über Prachtwetter und beste Pistenbedingungen freuen. Auch wenn in Tallagen bei milden Temperaturen fast Frühlingsgefühle aufkommen konnten: „Über 2000 Metern Höhe ist tiefster Winter“, sagt Rudi Mair vom Tiroler Lawinenwarndienst, der gestern wie auch seine Kollegen in Salzburg in weiten Landesteilen Warnstufe drei ausgegeben hat.

„Während es im Tal zuletzt viel geregnet hat, ist im Hochgebirge teilweise bis zu einem Meter Schnee gefallen“, sagt Mair. Gepaart mit starkem Wind, hat das die Lawinengefahr steigen lassen.

Die dürfte in den kommenden Tagen tendenziell sinken. Trotzdem ist Achtsamkeit gefragt. Aufgrund der großen Schneemassen können Skifahrer im freien Gelände laut Mair jederzeit auch große Lawinen auslösen. Diese Gefahr wird von Variantenfahrern, die von Pisten in Tiefschneehänge einfahren, oft unterschätzt. „Einen halben Meter neben der Piste bin ich im freien Gelände, wo ich auf mich selber aufpassen muss. Viele wissen noch immer nicht, dass das einen Riesenunterschied macht“, warnt Mair.

Tragischer Unfall

Wie groß dieser Unterschied ist, hat sich in den vergangenen zwei Wochen in Tirol gleich mehrfach gezeigt. Tödlich endete am 13. Dezember ein unglückshaftes Missgeschick für einen Tschechen am Hintertuxer Gletscher. Vermutlich aufgrund schlechter Sichtverhältnisse geriet der 41-Jährige über den Pistenrand und löste mit einem Sturz eine Lawine aus. Das Schneebrett riss den Mann in den Tod.

Mehr Glück hatten einen Tag zuvor zwei Deutsche und ein Österreicher im Skigebiet von Hochfügen im Zillertal. Sie fuhren von der Bergstation einer Sesselbahn in einen gesperrten Hang abseits der Piste ein und wurden von einer selbstausgelösten Lawine mitgerissen und verschüttet – im Fall eines 19-Jährigen komplett. Er kam jedoch mit dem Schrecken und einer Unterkühlung davon. Die anderen Variantenfahrer blieben unverletzt.

Dieses Glück hatte am Heiligabend auch ein in Tirol wohnhafter Niederländer im Skigebiet der Axamer Lizum. Spontan hatte sich der 48-Jährige entschlossen, einen Hang im freien Skiraum zu befahren. Nachdem der Sohn den Hang gemeistert hatte und wieder auf die markierte Piste zurückgekehrt war, fuhr der 48-Jährige ohne Notfallausrüstung ins ungesicherte Gelände. Er wurde von einer Lawine vollständig verschüttet. Zwei Tourengeher gruben den 48-Jährigen aber rechtzeitig aus.

Bei einem Liftunfall wurde am Stefanitag in Ellmau in Tirol (Bezirk Kufstein) ein Mädchen schwer verletzt. Der Siebenjährigen gelang es nicht, auf dem Sitz eines Sessellifts Platz zu nehmen, sie wurde aber von einer Skilehrerin an der Schulter gehalten. Nach rund zwei Minuten verließ die Frau die Kraft und die Kleine stürzte auf die präparierte Piste. Sie erlitt beim Aufprall einen Beinbruch.

Kommentare