Chronik | Österreich
01.06.2018

Teures Innsbruck: "Familien werden aus der Stadt gedrängt"

Junge Familien zieht es laut städtischer Analyse ins Innsbrucker Umland. Studenten gelten als Mietpreistreiber.

Innsbruck ist eine Studentenstadt. Und so sehr sie für Leben im urbanen Zentrum von Tirol sorgen, so sehr gelten sie als eine der Triebfedern für die sich ständig verschärfenden Mietpreise. Das weiß auch Wolfgang Andexlinger, der 2017 das Amt von Innsbrucks oberstem Stadtplaner übernommen hat.

Bei einer Vortrag im Tiroler Architekturzentrum aut in Innsbruck zog er Bilanz zu seinem erste Arbeitsjahr und ließ mit dem Verweis auf eine neue Statistik aufhorchen. „Wir haben eine Tendenz, dass Familien aus der Stadt hinausgedrängt werden.“

Welchem Kostendruck die beim Wohnen ausgesetzt sind, machte der Stadtplaner unter anderem am studentischen Wohnen fest. Wenn Studenten sich gemeinsam eine Wohnung nehmen und jeder 450 Euro ausgibt, dann könnten Familien nur schwer mithalten, rechnete Andexlinger vor. Von Studenten kann ein Vermieter analog zu diesem Beispiel für eine Drei-Zimmer-Wohnung 1250 Euro verlangen.

Die Wohnpreise wurden freilich auch durch das zuletzt rasante Bevölkerungswachstum von Innsbruck befeuert. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird.

Die Zahlen, die im Raum stehen, machen Andexlinger aber keine großen Bauchschmerzen, wie er am Rande seines Vortrags versicherte. „Mit 10.000 bis 15.000 Menschen in den kommenden zehn Jahren haben wir nicht die große Schwierigkeit“, sagt er. Doch die von Andexlinger angesprochen Problematik der Familienabwanderung zeigt, dass sich ein statistischer Blick über das reine Schielen auf das Bevölkerungswachstum lohnt. Der jüngste Quartalsbericht der städtischen Statistikabteilungen belegt das.

Überraschung

Laut der Analyse hat sich entgegen vieler Prognosen das Bevölkerungswachstum 2017 sogar eingebremst. Die Zahl der Personen mit Hauptwohnsitz hat sich nur um 257 erhöht. Dieses Plus ist laut Bericht alleine dem Zuzug aus dem Ausland zuzuschreiben. Denn im Berichtsjahr wanderten 1154 Österreicher mehr aus Innsbruck ab als zu. Das sei ein „in dieser Höhe bisher nicht verzeichnetes Minus“, heiß es in dem Bericht. Fast die Hälfte dieser Abwanderer zog es ins Umland von Innsbruck. Eine Analyse der Altersstruktur gibt Hinweise darauf, „dass sich insbesondere junge Familien dazu entscheiden, die Landeshauptstadt zu verlassen“, heißt es.

Den Handlungsdruck für die Stadtpolitik macht das nicht geringer. Die nennt immer wieder das Areal des Frachtenbahnhofs als potenziell größtes innerstädtisches Entwicklungsgebiet. Im Rahmen der Architekturtage will das aut der Bevölkerung dieses Areal am 8. Juni mit Führungen näher bringen (Infos im Internet unter aut.cc).

Dass hier in naher Zukunft Wohnbauten wachsen, erscheint utopisch. Bis heute ist der Eigenbedarf der ÖBB an dem Grundstück unklar – vor allem für den Betrieb des 2026 zu eröffnenden Brenner Basistunnel. Davor ist laut ÖBB an Wohnbau ohnehin nicht zu denken. Noch vor einem Jahr haben Stadt und Land von einem olympischen Dorf für die Winterspiele 2026 (die von der Bevölkerung abgelehnt wurden) auf dem Areal geträumt.