© APA/ERWIN SCHERIAU

Chronik Österreich
10/10/2019

Straßenbahnen kollidierten: 15 Verletzte in Graz

Nach Zusammenstoß drohte Verkehrschaos: In der Stadt gibt es keine Ausweichrouten für Trams - bei einem Unfall steht alles.

von Elisabeth Holzer

Zwei Straßenbahnen der Linie 1 und 4 kollidierten Donnerstagvormittag in Graz: 15 Passagiere in beiden Garnituren sollen durch Stürze dabei leicht verletzt worden sein, hieß es seitens der Polizei. Die beiden Lenkerinnen wurden nicht verletzt. Allerdings lag die Unfallstelle direkt an der Kreuzung Jakominiplatz/Joanneumring - damit war ein Verkehrschaos vorprogrammiert. Denn in der steirischen Landeshauptstadt gibt es keine Ausweichrouten für Straßenbahnen.

STEIERMARK: ZEHN LEICHTVERLETZTE NACH SEITLICHER STRASSENBAHN-KOLLISION IN GRAZ

Die gesperrte Unfallstelle

Zwei Straßenbahnen kollidierten

Die Herrengasse war blockiert

Die Ursache des Zusammenstoßes war vorerst unklar. Fest stand, die Garnitur der Linie 1 kam vom Hauptplatz und wollte  von der Herrengasse über den Joanneumring links zur Haltestelle Jakominiplatz einbiegen. Doch da setzte sich auch der entgegenkommende Wagen der Linie 4 in Bewegung, der geradeaus in die Herrengasse einfuhr. Üblicherweise ist mit Signalen geregelt, wer Vorfahrt bekommt. Was am Donnerstag schief gegangen ist, untersucht die Holding Graz noch. Der Konzern formulierte vorsichtig mit "möglichem Eigenverschulden".

Probleme auch für Autofahrer

Eine der Garnituren ist jedenfalls aus den Schienen gesprungen und muss abgeschleppt werden. So etwas dauert, allerdings konnten Mitarbeiter der Holding die Garnitur gegen 13 Uhr wieder in die Schienen zurück hieven. Der Bereich wurde gesperrt, nicht nur für die schienengebundenen Öffis, sondern auch für den Individualverkehr: Der Joanneumring wurde für Kfz gesperrt, die Polizei leitete den Verkehr um. Der dreispurige  Ring ist allerdings einer der am stärksten befahrenen Straßenzüge der Innenstadt, Staus auf den Ausweichstrecken waren die direkte Folge. Um 14 Uhr wurden die Straßen sowohl für Öffis als auch für Autos wieder freigegeben, damit sollte sich die Lage entspannen.

 

Der Unfall zeigt allerdings wieder einmal deutlich, wie dringend Graz eine Ausweichstrecke für Straßenbahnen braucht.

Alle Linien durch Nadelöhr

Derzeit fahren alle Linien durch das Nadelöhr Hauptplatz - Jakominiplatz, also die Strecke, auf der der Unfall passierte. Das sind bis zu 1600 Garnituren täglich: Passiert auf dem Stück ein Zwischenfall, steht der Straßenbahnverkehr in Graz still.

Das wird sich aber auch erst in ein paar Jahren bessern: 2021 wird mit dem Bau einer Entlastungsstrecke begonnen, sie soll 27 Millionen Euro kosten und Trams die Möglichkeit bieten, auszuweichen.