St. Pölten: 150 Jahre BORG auf der großen Bühne
Insgesamt 300 Schüler tanzen, singen und spielen bei der Produktion mit.
Was 1876 als Ausbildungsstätte für künftige Lehrer eröffnete, zählt nun mit 827 Schülern zu den größten Bildungseinrichtungen in NÖ. Heuer feiert das BORG St. Pölten sein 150-jähriges Jubiläum – und das mit einem besonderen Spektakel.
Die Schule, die schon in den vergangenen 30 Jahren für ihre Musical-Produktionen bekannt war, bringt nun die eigene Geschichte in einem Musiktheater auf die Bühne – inklusive noch unbekannter Anekdoten aus einem Schulalltag, der Politiker wie Karl Seitz hervorgebracht hat.
Am 9. März startet der Vorverkauf für die Produktion „Our House“, die von 26. bis 28. März in der Jahnturnhalle St. Pölten aufgeführt wird. 300 Schüler wirken bei dem Event mit.
Geschichte am Dachboden entdeckt
Eine der Hauptdarstellerinnen ist Nathalie Schweiger, die als Emilia aus dem Musikzweig zu sehen sein wird. Als eine von drei Schülerinnen, die anstatt auf Projektwoche zu fahren an der Schule bleiben müssen, entdecke sie beim Aufräumen am Dachboden des BORG Gegenstände, die die Vergangenheit wieder aufleben lassen, erzählt die Achtklässlerin, die schon zwei Hauptrollen gespielt hat und sich nach ihrer Matura im Mai an der Musik und Kunst Privatuniversität bewerben will.
Die Produktion „Our House“ wird von 26. bis 28. März in der Jahnturnhalle St. Pölten aufgeführt.
Und so entdecken Emilia und ihre Kommilitonen etwa einen alten Jahresbericht, der das Publikum zurück ins Jahr 1888 bringt, als Seitz das Maturazeugnis abnahm. Er hatte sich in seiner Abschlussrede zu kritisch über das Landeslehrerseminar geäußert.
Ein Farbtopf wiederum lässt die Gründung des Kunstzweigs im Jahr 1990 lebendig werden. Und wenn der Schulchor den „March of the Women“ anstimmt, erleben die Zuseher, wie es war, als 1963 die ersten Frauen an der Schule zugelassen wurden. „Es wird auch ein Bogen zur Weltgeschichte geschlagen“, sagt Direktorin Martina Meysel. Denn auch die Zeit des Nationalsozialismus wird nicht ausgespart.
Ein Musical muss sein
Dabei war es zuerst gar nicht sicher, was dem Publikum anlässlich des Jubiläums gezeigt werden soll. Denn jener Lehrer der das rund 25 Personen umfassende Musical-Team aufgebaut hatte, war in Pension gegangen. Und mit Meysel gibt es seit dem Vorjahr eine neue Direktorin.
Doch nach einigen Überlegungen war klar: „Die Bevölkerung erwartet vom BORG ein Musical“, sagt Meysel. Und so übernahm Michaela Schwarzenpoller, einst selbst Schülerin und Musical-Darstellerin am BORG, die Gesamtkonzeption. In zahlreichen Interviews wurde die Historie der Schule aufgearbeitet, im Deutschunterricht gab es Schreibwerkstätten, um die künftigen Autoren des Stücks zu finden.
Schüler erarbeiteten auch die Musik für das Stück, Orchester und Chöre sind alle dabei.
Letztendlich zeichnen die Schüler Sky Goiser, Melissa Macit, Emma Nährer und Anton Pauker für das Drehbuch verantwortlich, in das auch viel Erfahrung aus der eigenen Schulzeit eingeflossen ist. In den Sommerferien 2025 wurde der Text fertiggestellt. „Seither gab es viele Proben und Sitzungen des Musical-Teams und der 300 Mitwirkenden“, erzählt die Direktorin.
„Der Zusammenhalt ist das Schöne“
Kein Zweig, kaum eine Klasse, die nicht mitgearbeitet haben. Alle drei Chöre der Schule mit ihren 192 Sängern studierten Lieder ein, im Wahlpflichtfach „Künstlerisches Großprojekt“ wurden Requisiten, Kostüme und Masken hergestellt. Die Schauspieler und Tänzer erarbeiteten ihren Auftritt.
Die Auswirkungen auf den „Schulspirit“ seien enorm, sagt Meysel. „Gerade gab es einen Aufruf, Pussyhats (Kopfbedeckung der Frauenbewegung, Anm.) zu stricken.“ Sofort seien 14 fertig gewesen. „Der Zusammenhalt ist das Schöne“, sagt auch Nathalie. „Es ist interessant zu lernen, wie es damals im BORG war. Die Schule wirkt lebendiger, wenn man die Geschichte kennt.“
Geschichte des BORG: 1876 als Landeslehrerseminar gegründet, 1919 in Lehrerbildungsanstalt umbenannt. 1963 wurde das musisch-pädagogische Bundesrealgymnasium eingerichtet und Frauen zugelassen. 1975 folgte das BORG mit einem naturwissenschaftlichen Zweig. In den 80er-Jahren kam der musische und bildnerische Zweig. Seit 1988 gibt es die Unterstufe.
Infos und Tickets zum Musical: www.borgmusical.at
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